Berlin (ale) – Film: „Menashe“


Ich war am 14.2.17 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

 

„Menashe“ (dt. Kinostart: 06.09.18) 81 min drama, comedy
dir. Joshua Z. Weinstein cast: Menashe Lustig, Ruben Niborski

 

 

Menashe (Menashe Lustig) lebt im jüdisch-orthodoxen Borough Park in Brooklyn. Seit einem Jahr ist er Witwer und möchte seinen zehnjährigen Sohn Rieven (Ruben Niborski) allein groß ziehen. Menashe ist aber manchmal schon mit sich selbst überfordert. Außerdem verlangt es die Tradition, dass er wieder heiraten muss, ansonsten bekommt er nicht das Sorgerecht für seinen Sohn. Rieven wächst derzeit bei dem Bruder seiner verstorbenen Frau und seiner Familie auf.

 

 

B- (Wertung von A bis F) „Menashe“ ist der erste abendfüllende Spielfilm des New Yorker Dokumentarfilmers Joshua Z. Weinstein. Für den Film hat sich der Filmemacher von der Lebensgeschichte des Hauptdarstellers Menashe Lustig inspirieren lassen.

Ein Grund warum ich es liebe, Filme zu gucken, ist, weil sie einen in eine andere Welt führen und man ich besten Fall etwas mehr über diese erfährt. „Menashe“ ist so ein Film. Hier bekommt man einen intimen Einblick in die sonst verschlossene, ultraorthodoxe, jüdische Gemeinde. Dieser Film hat Dokumentationscharakter. Da es in der jüdisch-orthodoxen Welt nicht mal erlaubt ist, Filme zu gucken, darf man nach den strengen Regeln selbstverständlich auch keine Filme drehen. Der Filmemacher wollte lange schon einen Film in diesem Part von Brooklyn drehen, einen Zugang zu den Bewohnern hat er aber zunächst nicht gefunden. Eines Tages traf er dann aber Menashe Lustig und erfuhr von seinem Schicksal. Der Regisseur schrieb daraufhin ein Drehbuch und dass er die orthodoxen Juden überzeugen konnte, in seinem Film mitzuwirken, grenzt an ein Wunder. In jedem Fall ist ihm mit diesem Film ein ehrliches Porträt dieser Gemeinde gelungen.

Eine Integration war und ist nicht erwünscht, man bleibt unter sich. In dieser Parallelgesellschaft existieren Frauen quasi gar nicht. Während die strenggläubigen Männer arbeiten, beten oder feiern, sieht man keine weiblichen Geschöpfe in der Öffentlichkeit. Frauen sind scheinbar nur dafür da, sich um den Haushalt zu kümmern und Kinder zu bekommen und großzuziehen. Was für eine Welt? Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass dies nicht irgendwo in einem abgeschotteten Teil von Israel ist, sondern inmitten der modernen, westlichen Welt, in New York. Menashe Lustig wurde im Anschluss an den Film gefragt, ob er irgendwann vielleicht einen weiteren Film drehen würde. Er meinte daraufhin, wenn ihm zugesichert wird, dass er keiner Frau die Hand geben muss…

Ich bin sicher keine Feministin, bin in (West-)Berlin aufgewachsen, in einer Welt, in der Frauen und Männer (mit wenigen Ausnahmen) selbstverständlich gleichgestellt waren und sind. Durch die momentane Veränderung unserer Gesellschaft, habe ich in letzter Zeit immer mehr das Gefühl, dass ich mich für die Rechte der Frauen einsetzen müsste.

„Menashe“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2017 gezeigt. Ich habe den Film auf der Berlinale 2017 gesehen. Auf dem 67. Berlin International Film Festival wurde „Menashe“ in der Rubrik Forum und in Jiddisch mit englischen Untertiteln gezeigt. Der Filmemacher Joshua Z. Weinstein, der Co-Autor und Co-Produzent Alex Lipschultz und der Hauptdarsteller Menashe Lustig waren anwesend und haben sich im Anschluss an den Film den Fragen des Publikums gestellt. Mit A24 hat der Film bereits einen amerikanischen Verleih gefunden. Dies ist der erste fremdsprachiger Film für den der Filmverleih die Vertriebsrechte gekauft hat. Ein deutscher Filmverleih ist bislang noch nicht gefunden. Update: In Deutschland startet der Film am 06.09.18 in den Kinos.

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7 Gedanken zu “Berlin (ale) – Film: „Menashe“

  1. Fällt auch unter die Rubrik comedy? Wie sehr ist die denn in so einem film vertreten?
    Aber sehr interessanrer Themenansatz, meinst du mit der Gefahr für Frauen den „rechts Aufstieg“? Oder die Gefahr, die vom Terror ausgeht? Würde mich mal interessieren

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  2. Nächstes Jahr fahre ich auch wieder zur Berlinale! Man sieht so interessante Filme, die manchmal nur da in Deutschland gezeigt werden. Ich fand zu dem Thema der jüdischen Parallelgesellschaft in New York auch den Film „Plötzliche Gigolo“ interessant, der ja als Komödie daherkommt, aber auch ganz bitteren Einblick in das Leben einer jungen Witwe (Vanessa Paradis) in der orthodox jüdischen Gesellschaft gibt.

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    • Ja, man kann hier wirklich schon spannende Exoten gucken, ich habe mich auch mit einigen Zuschauern unterhalten, die ganz wilde Filme geguckt haben. Einer hatte sogar 38 Filme auf dem Plan. Ich bin mehr entspannt, stelle mich nirgendwo nach Karten an, wenn ich welche online bekomme ist gut, wenn nicht, auch. Ich gucke überwiegend Filme, die schon auf dem Sundance Film Festival gelaufen sind oder Filme, die bestimmt noch auf anderen Festivals gezeigt werden oder gar ins Kino kommen. Jetzt laufen, ein Jahr später, beispielsweise gerade zwei Filme im deutschen Kino, die mich auf der letzten Berlinale begeistert haben: „Little Men“ und „Indignation.

      Ja „Fading Gigolo“ habe ich natürlich auch gesehen und für gut befunden – der ist aber gegen „Menashe“ wirklich Mainstream. 🙂

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  3. Hm, wenn das nicht auch mal exotisch ist :))
    Das die Frauen hier so raus sind hatte ich gar nicht angenommen. Mein Bild der orthodoxen Juden in New York ist tatsächlich durch Sidney Lumet geprägt (A Stranger Among Us), aber okay, ist ein geschöntes Bild :))

    Ich kann Dich gut verstehen, was die Rechte von Frauen in der heutigen Gesellschaft angeht. Mir versetzen solche (egal ob religiös, kulturell oder einfach dumm bedingten) „Unterdrückungen“ immer einen Stich ins Herz, bin ich doch auch auf unserer West-Berliner Scholle groß geworden, die Gleichberechtigung und Weltoffenheit nie in Frage stellend.
    Das dumme Menschen nachwachsen, die diese Rechte verdrehen und mit Füßen treten wird es immer geben, aber ich habe in den letzten Jahren auch das Gefühl, dass es allgemein rückwärts läuft.
    Das ist natürlich eine Konsequenz aus dem größer werdenden Gemisch von Kulturen, die jede ihre Weltanschauungen auch durchdrücken (nehmen wir nur den „Durchschnittsrussen“, da fällt mir nix zu ein).

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    • Echt findest Du exotisch – naja ein bisschen – aber lief in Sundance. :))

      Ja genau, wir in West-Berlin (und sicher auch in vielen anderen Teilen von Deutschland) haben die Gleichberechtigung und Weltoffenheit nie in Frage gestellt, nur ist Toleranz auch keine Einbahnstraße.

      Solange die Völkchen, wie die ultra-orthodoxen Juden, unter sich bleiben, gibt es meist keine Probleme. Jeder kennt die Regeln, aber sobald sie in der westlichen Welt leben, muss ausreichend Respekt für die Anders- oder Nicht-Gläubigen dasein. Das fängt schon im Flieger an, wenn die Strenggläubigen (welcher Glaubensrichtung auch immer) nicht neben weiblichen Passagieren sitzen wollen.

      Wo man früher Alice Schwarzer vielleicht belächelt hat, fragt man sich mittlerweile wer rückt da irgendwann mal nach?

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