D.C. – Film: „The Revenant“


Ich war am 11.01.16 in Washington und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Revenant“ (dt. Filmtitel: „The Revenant – der Rückkehrer“, dt. Kinostart war der 06.01.16) 156 min western, drama, adaptation
dir. Alejandro González Iñárritu cast: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck) befinden sich auf der Jagd. Hugh Glass führt eine Gruppe von Pelzhändlern durch die amerikanische Wildnis. Eines Tages wird er von einem Bären attackiert und schwer verletzt. Seine Jagdbegleiter kümmern sich zunächst um ihn, bis der Todgeweihte von seinem vermeintlichen Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) zurückgelassen wird. Hugh Glass kämpft sich zurück ins Leben und schwört Rache.

A- (Wertung von A bis F) Der Film wurde von einer wahren Geschichte inspiriert.
„The Revenant“ basiert auf Michael Punkes Buch „The Revenant: a Novel of Revenge“.

Handwerklich ist „The Revenant“ ein Meisterwerk. Erzählt wird eine klassische Überlebens- und Rachegeschichte. Die Story ist simple, Dialoge werden kaum benötigt.

Zugegebenermassen nehme sehr ungern Kollegen mit ins Kino, meist kann ich es irgendwie abwenden, in dem ich den Film/die Filme, die ich mir anschauen möchte, meinen potenziellen Begleitern schlecht rede (zu brutal, Liebesschnulze, viel Dialoge, sehr actionreich, sehr Indie, der Film hat schlechte Kritiken bekommen, aber ich will ihn trotzdem gucken – Notlügen halt – aber was soll man machen). Ich habe einfach keine Lust auf permanentes Gequatsche, will die Handlung oder die Gags nicht erklären, will auch nicht runterleiern, wo der und der Schauspieler noch mitgespielt hat und erst recht nicht, will ich während des Films, den ich vielleicht klasse finde, hören, wie gelangweilt sie sind. Ich will mir einfach den Film anschauen und zwar am allerliebsten alleine. Ich habe natürlich über die Jahre auch meine Erfahrungen sammeln dürfen. Bei „The Revenant“ habe ich ausnahmsweise eine Kollegin (freiwillig) mitgenommen. Den Abend zuvor hatten wir uns beide die Golden Globes angeschaut, sie wohnt in Irland (hatte also keine Probleme, alles zu verstehen – das ist auch manchmal ein Thema) und hatte auch einen, wie ich fand, guten Filmgeschmack. Das checke ich selbstverständlich auch vorher. Ich frage Kollegen immer gern nach ihren Lieblingsfilmen oder was sie gerne gucken und sollte sie oder er dann „Fack Ju Göhte“ ,Til Schweiger- oder Michael Bay-Filme, einer der Sex and the City-Filme oder (worst case scenario) einen Anne Hathaway-Film nennen, dann kann ich unter keinen Umständen mit der/oder dem ins Kino gehen. Logisch. Jedenfalls habe ich die Kollegin als „geeignet“ empfunden, mochte sie und fand es in diesem Fall interessant, im Anschluss an den Film, ihre Meinung zu „The Revenant“ zu hören.

Das Erste was wir beide unisono nach dem Film rausposaunten, war, wie überwältigend und intensiv diese Bilder waren, diese traumhaften Landschaftsaufnahmen, diese grandiose Kameraführung, dieses Wie-bloss-haben-sie-die-oder-die-Szene-gedreht?, diese Mama-Bär-Attacke, dieser phänomenale Sound (Gut, das kam mehr von mir, sie hatte sich schon zu Beginn des Films, Stöpsel in die Ohren gesteckt – ihr war es einfach zu laut). Wir waren uns aber auch einig darüber, dass es ein strapaziöses Kinoerlebnis war. Man fiebert mit Leo. Was muss der arme Kerl noch alles über sich ergehen lassen? Ich habe mich dabei ertappt, dass ich ihm schon gewünscht habe, zu sterben. „The Revenant“ ist ein Film, der fürs Kino gemacht ist und dem man auch auf der großen Leinwand sehen sollte. Alejandro González Iñárritus Vorgängerfilm Birdman hat es im Jahr zuvor schon in meine Bestenliste aus dem Jahr 2014 geschafft und dieses cineastische Erlebnis wurde nur zu gern in meine Bestenliste aus dem Jahr 2015 aufgenommen. Bevor ich mir „The Revenant“ im Kino angeschaut habe, habe ich gehört, dass der Film mit jeder Sichtung gewinnen soll. So sehr mir der Film auch gefällt, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich in nächster Zeit noch mal diesen Strapazen aussetzen will.

Das Erste was ich jetzt – 2 Wochen nachdem ich den Film gesehen habe – mit „The Revenant“ assoziiere, ist die Leistung von Leonardo DiCaprio und die von Kameramann Emmanuel Lubezki (genannt Chivo). Seine Kamera ist permanent in Bewegung. Mit Ausnahme von einer Szene (am Lagerfeuer) wurden alle Szenen mit natürlichem Licht gedreht. Was auch bedeutete, dass nur eine Stunde pro Tag gedreht werden konnte. Es ist eine spektakuläre Arbeit, die tatsächlich den rekordbrechenden dritten Oscar (nach Gravity und Birdman) in Folge verdient hätte. Wenn die Academy-Mitglieder ihren Wahlzettel ausfüllen, erscheint übrigens nicht der Name des Kameramannes/ der Kamerafrau, sondern ausschließlich der Film. Chivos Mitnominierte sind Ed Lachman (für Carol), Robert Richardson (für, gerade ein zweites Mal gesehen, The Hateful Eight, John Seale (für Mad Max: Fury Road) und der 13x für den Oscar nominierte Roger Deakins (für Sicario). Schwer zu entscheiden, wer da gewinnen soll. Beste Kamera wird aller Voraussicht nach der Film gewinnen, der auch in den anderen technischen Kategorien ausgezeichnet wird.

Wenn ich etwas an „The Revenant“ auszusetzen habe, dann die Vater/Sohn-Geschichte und die spirituellen Rückblenden. Leonardo DiCaprio kann nichts für sein jugendliches Äußeres aber sein halbindianischer Sohn und er sehen sich vom Alter her viel zu ähnlich. Mich hat das gestört und leider rausgebracht.

Gewinnt Leo für diese Performance seinen langersehnten Oscar? Ja.

Leonardo DiCaprio setzt hier seine gesamte Physis ein und gibt zweifelsfrei eine oscarwürdige Performance. Ich persönlich finde, dass Leo in The Wolf of Wall Street eine noch bessere Performance gibt. Dafür hätte AMPAS ihn auszeichnen müssen. Die Academy wollte aber lieber einen abgemagerten Schönling, der endlich den Sprung von schlechten RomComs ins anspruchsvolle Charakterfach geschafft hat, würdigen. Schade, sehr schade.

Die 88. Academy Awards werden in Erinnerung bleiben, dass es die Verleihung war, bei dem Leonardo DiCaprio den Oscar gewann. Wenn er sich nicht noch etwas Heftiges zu Schulden kommen lässt, brauchen sie eigentlich nicht bis nach der Show zu warten, um seinen Namen auf die Statue einzugravieren. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass er für DIESE Performance in „The Revenant“ nicht gewinnt, dann muss er sich darauf einrichten, dass er wahrscheinlich NIE einen Oscar in einem jährlichen Wettbewerb gewinnen wird. NIE. Vielleicht wird er dann eines Tages (wie Schauspieler Cary Grant) mit einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet, vielleicht wird ihm aber auch das verwehrt. Bestes Beispiel dafür ist Richard Burton, der 7x für den Oscar nominiert war und nicht mal einen Ehren-Oscar erhalten hat,

Ich hatte es bereits in einem anderen Zusammenhang erwähnt, AMPAS wird dieses Jahr erschreckend ernsthaft vorgeworfen, rassistisch zu sein. Fakt ist, dass der, nicht gerade mit viel Ausdruck und mit noch weniger Talent gesegnete, afro-amerikanische Jamie Fox einen Oscar gewonnen hat und ein Chamäleon wie Tom Hardy dieses Jahr mit „The Revenant“ seine erste Oscar-Nominierung erhalten hat.

Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Tom Hardy hier mitspielt, hätte ich ihn wahrscheinlich gar nicht erkannt, vielleicht an seiner Stimme. Seine Performance ist herausragend – wie immer. Bei dieser Oscar-Nominierung fließt aber mit Sicherheit ein, dass er im Jahr 2015 auch ebenso überragend in Legend war und dazu noch in dem Besten-Film-Anwärter „Mad Max: Fury Road“ mitspielt.

Domhnall Gleeson hat mir hier auch recht gut gefallen. 2015 war für ihn tatsächlich ein großartiges Jahr. Er spielte in zwei für den Oscar nominierten Filmen (Brooklyn und halt „The Revenant“) mit und hat darüberhinaus noch in einem fantastischen Sci-Fi-Film (Ex Machina) und dem, vielleicht erfolgreichsten Film aller Zeiten „Star Wars: The Force Awakens“ mitgespielt.

Die Filmmusik in „The Revenant“ ist grandios. Der Score wurde leider schon vorab von AMPAS für die Oscars disqualifiziert. Nach den Regeln der Academy können grundsätzlich zwei Komponisten eine Musik für einen Film schreiben. Die beiden Musiker, der Japaner Ryuichi Sakamoto und der Deutsche Carsten Nicolai, besser bekannt unter dem Pseudonym Alva Noto, haben ihre Musik zwar eigens für „The Revenant“ komponiert, aber sie haben zusätzlich musikalische Werke mindestens eines anderen Künstlers (Bryce Dessner) verwendet. Es ist durchgeklungen, dass die Academy-Mitglieder vom Fachbereich Musik von der Filmmusik von „The Revenant“ beeindruckt waren, aber nicht auseinanderhalten konnten, welche Musik von welchem Komponisten ist. Schade, sonst hätte der Film sicherlich 13 Oscar-Nominierungen bekommen.

„The Revenant“ hat mit 12 Oscar-Nominierungen die meisten in der Oscar-Saison 2015/2016 erhalten (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio, Bester Nebendarsteller Tom Hardy, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Bestes Kostümdesign, Bestes Szenenbild, Bestes Make-up und beste Frisuren und Beste visuelle Effekte)

Dass der Film 12 Oscar-Nominierungen erhalten hat, zeigt, wie beliebt dieser Film bei den Academy-Mitgliedern innerhalb der einzelnen Fachbereiche ist. Der Oscar-Gewinn in der Königskategorie Bester Film ist jetzt – 5 Wochen vor der Verleihung – aber in weiter Ferne gerückt. Vor ein paar Tagen musste ich realisieren, dass rein statistisch gesehen The Big Short den Academy Award in der Kategorie Bester Film gewinnen wird.

„The Revenant“ hat bereits drei Golden Globes (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio) gewonnen.

Update: „The Revenant“ hat 3 Oscars (Beste Regie, Leonardo DiCaprio als Bester Hauptdarsteller und Chivo als Bester Kameramann) gewonnen.

„The Revenant“, Joy und The Hateful Eight waren die letzten drei potenziellen Oscar-Anwärter, die der amerikanischen Presse gezeigt wurden. „The Revenant“ startete am 25.12.15 in ganzen 4 amerikanischen Kinos. Seit  dem 8.1.16 wurde der Film dann landesweit in 3375 Kinos gezeigt. Mit den 12 Oscar-Nominierungen wurde die Kopienzahl noch mal erhöht. Mittlerweile ist er auf 3711 Leinwänden zu sehen.

Trailer zu sehen:

 

 

vorgeschaltete Trailer:

 

Trailer v. Film: „Deadpool„
Bewertung des Trailers: B+ (Redband-Trailer)
Kommentar: Marvel-Mist
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Hail, Caesar!„
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Der neueste Coen-Bros-Film mit Josh Brolin, Geoge Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Captain America: Civil War„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Marvel-Mist, dritter Teil von Captain America mit Iron Man
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „London Has Fallen„
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Actionfilm und Fortsetzung zu Olympus Has Fallen
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Free State of Jones„
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Bürgerkriegs-Action-Drama mit Matthew McConaughey
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

 

6 Gedanken zu “D.C. – Film: „The Revenant“

  1. Hi. Eine interessante Rezension, meiner Sichtweise in viele Punkten ähnlich. Wenn du reinschauen magst, ich habe meine Rezension gestern veröffentlicht. http://www.cinemagisch.com .Mit Tom Hardy gebe ich dir absolut recht. Ein Chamäleon. Erst bei der Recherche ist mir bewusst geworden, in wie vielen Filmen ich ihn schon gesehen habe

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  2. Lustig, „The Revenant“ ist für mich der erste Film, in dem ich DiCaprio als Vater einigermaßen glaubwürdig fand. Im Vergleich zu Hardy verlöre er dann aber wieder :))
    Ach ja, der arme Richard Burton. Was für ein Talent und so wenig gewürdigt…
    Über Jamie Foxx kann ich mich bis heute aufregen. Das war Quote.
    Na, ich bin auf jeden Fall gespannt wie es für Leo läuft. Ich denke, auch, wenn nicht hierfür, dann nie.
    Hardy muss wahrscheinlich auch bis zur Rente warten, bis sich da oscarmäßig was tut.

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    • Na ich nehme Leo ja den Vater ab, aber nicht eines so alten (bzw. alt aussehenden) Sohnes. Hardy könnte sogar ne Mutter spielen und ich würde ihm das abnehmen. 🙂 Na jetzt hat die Academy ja Hardy für sich entdeckt, damit sind sie schon auf dem richtigen Weg. Guck mal wie lange es bei Fassy gedauert hat und jetzt er schon 2 Oscar-Nominierungen. Aber Gary Oldman hat jahrelang konstant hervorragende Arbeit abgeliefert und wurde erst mit Mitte 50 erstmalig nominiert.

      Klar war das Quote und es bringt mich auf die Palme.

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