New York – Film: „Truth“


Ich war am 10.12.15 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

 

„Truth“ (dt. Filmtitel: „Der Moment der Wahrheit“, dt. Kinostart: 02.06.16) 121 min drama, adaptation, biopic
dir. James Vanderbilt cast: Robert Redford, Cate Blanchett, Topher Grace, Elisabeth Moss, Dennis Quaid

 

Im November 2004 finden die U.S. Präsidentschaftswahlen statt. Im Juni erhält die Reporterin und Produzentin der CBS Nachrichten 60 Minutes Wednesday, Mary Mapes (Cate Blanchett), Informationen, dass der amtierende Präsident und Präsidentschaftskandidat der Republikaner, George W. Bush, nur in die U.S. Nationalgarde eingetreten ist, um nicht in den Vietnam-Krieg ziehen zu müssen. Hat sich George W. Bush vor Vietnam gedrückt? Die Glaubwürdigkeit und die Wiederwahl des Noch-Präsidenten stehen infrage. Mary Mapes stellt mit Mike (Topher Grace), Lucy (Elisabeth Moss) und Lt. Colonel Roger Charles (Dennis Quaid) ein Team zusammen, recherchieren und der Moderator Dan Rather (Robert Redfort) geht schließlich mit dieser Exklusiv-Story auf Sendung…

 

 

B- (Wertung von A bis F) „Truth“ basiert auf wahren Begebenheiten. Es ist eine Adaption von Mary Mapes Memoiren „Truth and Duty: The Press, the President and the Privilege of Power.“ „Truth“ ist das Regiedebüt von Drehbuchautor James Vanderbilt (Zodiac).

„Truth“ ist neben Spotlight der andere Journalisten-Film, dem am Anfang der Oscar-Saison 2015/2016 noch Chancen auf eine Oscar-Nominierung als bester Film eingeräumt wurden. Der hervorragende Film „Spotlight“ zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie exzellente Journalisten-Arbeit aussieht, „Truth“ ist ein eher mäßiger Film, der sich hauptsächlich mit den Konsequenzen beschäftigt, wenn Journalisten halt nicht ausreichend recherchieren und  (vielleicht) falsche Dokumente als Beweis in einer Nachrichtensendung anführen . Gerechterweise muss man sagen, dass Journalisten im Zeitungsgeschäft nicht so sehr unter Zeitdruck arbeiten müssen, wie ihre Kollegen, in dem doch etwas schnelllebigeren Fernsehgeschäft.

Der Film spielt im Jahr 2004, in einer Zeit, in der das Konsumieren von Nachrichten noch eine andere war. Seinerzeit gab es nur drei Köpfe in den amerikanischen Abendnachrichten: Tom Brokaw (NBC), Peter Jennings (ABC) und Dan Rather (CBS). „Truth“ erzählt die Geschichte des sogenannten Rathergate, einem Skandal für den sich der beliebte Anchorman Dan Rather live im Fernsehen entschuldigen musste und der ihn schließlich nach 44 Jahren seinen Job bei CBS kostete.

Es wurde nie bezweifelt, dass das was Mary Mapes und ihr Reporter-Team über George W. Bush herausfanden, nicht der Wahrheit entspricht. Es war allgemein bekannt, dass die Söhne wohlhabender und/oder einflussreicher U.S.-amerikanischer Persönlichkeiten den Einsatz im Vietnamkrieg umgehen konnten. Den Fehler, den die CBS-Reporter begangen haben, war, dass sie nicht ganz „saubere“ Dokumente, als Beweis für ihre Story, im Fernsehen gezeigt haben. Einem Interview mit Dan Rather habe ich entnommen, dass dann noch erschwerend dazukam, dass sie – mehr oder weniger – schon auf dem Kieker standen, weil Mary Mapes und er erst Monate zuvor den Folterskandal in dem Abu-Ghraib-Gefängnis öffentlich gemacht haben. Schließlich war es das Jahr 2004 und damit ein Wahljahr und man wollte sich ja mit der Regierung nicht schlecht stellen. Über die heftigen Folterbilder von Abu Ghraib war die amtierende Regierung (wie die Nation und die Welt) sicher nicht begeistert. Dann kommt dasselbe CBS-Team nur Monate später – und immer noch vor den Präsidentschaftswahlen — nun mit einer Story, die den amtierenden Präsidenten und zugleich erneuten Präsidentschaftskandidaten, in einem schlechten Licht zeigt. Klar, dass der Sender nervös wurde und um seinen guten Ruf gefürchtet hat.

Eigentlich vorhersehbar, dass Köpfe rollen mussten, wenn nur die geringsten Zweifel an dem recherchierten Material vorlagen. Die Produzentin Mary Mapes wurde als Hauptschuldige auserkoren. Dan Rather ist – mehr oder weniger – freiwillig zurückgetreten. Als er das letzte Mal auf dem Schirm war, trug der, sonst so seriöse Nachrichtensprecher, unter seinem Anzug ein T-Shirt mit den Buchstaben F.E.M. (Fuck ´em all). Auch wenn an dem Tag kaum einer davon wusste, für ihn war es eine Genugtuung.

Die in „Truth“ erzählte Story finde ich interessant, sie hätte aber einen besseren Film verdient. Die Regie (gut, erster Film von James Vanderbilt) und das Drehbuch von „Truth“ weisen eindeutige Schwächen auf. So sehr, dass ich einige Male rausgebracht wurde.

Cate Blanchett ist hier erneut grandios. Dieses Jahr, bzw. im Jahr 2016 ist sie für ihre Performance in Carol im Gespräch für eine Oscar-Nominierung. In meinen Augen wäre eine Oscar-Nominierung für „Truth“ noch mehr gerechtfertigt. Sie gibt eine vielschichtige Performance. Von anfänglicher Euphorie bis „durch die Hölle gehen“. Ihre jeweilige Emotion, besonders später ihre Wut ist nachvollziehbar und spürbar. Mir ging es wahnsinnig nahe, wie sie Mary Mapes fertig gemacht haben. Gegen Ende des Films hält sie einen Monolog und wenn das keine sogenannte Oscar-Szene ist, dann weiß ich auch nicht.
Robert Redford macht seine Sache recht gut. Wenn man die Stimme von Dan Rather nicht kennt, kann man sich mal Interviews mit ihm anhören und wird feststellen, wie gut der Schauspieler den ehemaligen CBS-Anchor sprachlich  trifft. Optisch kann Robert Redford wenig an sich verändern, daher konnte ich auch zu keinem Zeitpunkt vergessen, hier den Schauspieler hier zu sehen.

Dennis Quaid wirkte unfreiwillig komisch – leider. Ich möchte mal wieder den guten Dennis Quaid sehen, den ich früher so mochte. Auf Elisabeth Moss ist natürlich Verlass, leider ist ihr Auftritt zu kurz.

„Truth“ ist/war für einige Oscar-Nominierungen im Gespräch, u.a. Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Cate Blanchett), Bester Nebendarsteller (Robert Redford), Bestes adaptiertes Drehbuch.

„Truth“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2015 gezeigt. Dort wurde der Film zunächst gefeiert und als Oscar-Anwärter gehandelt bis er dann von verschiedenen (überwiegend konservativen) Seiten niedergemacht wurde. Die Vorwürfe richteten sich dahingehend, dass Mary Mapes in dem Film zu gut davonkommt, gar als Opfer dargestellt wird…Darüber soll sich jeder Mal selbst ein Bild machen. Der Film ist am 16.10.15 in sechs amerikanischen Kinos gestartet. Ende Oktober wurde er dann für kurze Zeit in 1122 Kinos gezeigt. „Truth“ ist ab dem 02.06.2016 in den deutschen Kinos zu sehen.

 

Trailer zu sehen:

 

Ein Ausschnitt zu sehen:

 

 

 

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Son of Saul“ (wortloser Trailer)
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: ungarisches Holocaust-Drama und sicherer Gewinner des Oscars für bester fremdsprachiger Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

 

4 Gedanken zu “New York – Film: „Truth“

  1. Tolle Sache, dass du die Filme so viel früher sehen kannst. Immerhin das, wenn man schon so oft so weit weg von zu Hause unterwegs ist. Auf den von dir genannten „Spotlight“ freue ich mich übrigens schon richtig. Auch wenn das Thema eher nicht sehr erfreulich ist…

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    • Ja stimmt, das ist auch wirklich ein Privileg. 🙂 Die Blockbuster kommen ja meist zeitgleich auch bei uns ins Kino. Es ist aber toll, viele sehenswerte Indies zu sehen, manche davon finden ja nicht mal einen deutschen Verleiher und das ist wirklich schade. So kann man den Eindruck gewinnen, dass hauptsächlich filmischer Mist aus den U.S.A. kommt, was aber überhaupt nicht stimmt.

      Ja „Spotlight“ muss man gesehen haben, definitiv einer meiner Top Ten-Filme des Jahres. 🙂

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  2. Ich mag Medienfilme. Auch wenn ich mich mehr auf Spotlight freue, sieht der schon interessant aus. Ja Quaids beste Zeiten sind leider vorbei. Er macht so seltsame Sachen :))
    Redford macht mir in der Regel zu sehr auf jugendlich. Hätte ich früher nie gedacht, dass er sich so entwickelt. Für mich ein sehr unwandelbarer Typ und immer gleich.

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    • „Truth“ ist schon sehenswert, insbesondere wegen Cate Blanchett, aber er kommt halt nicht an „Spotlight“ ran.

      Dennis Quaid war früher so ein guter Schauspieler, er sieht aber zunehmend rotgesichtig und suffnasig aus. Ich möchte ihm nichts unterstellen, aber sein Schauspiel hat doch über die letzten Jahre sehr gelitten, legt sich zu sehr ins Zeug.

      Naja, hier spielt er mehr seinem Alter entsprechend und hat auch keine 40 Jahre jüngere Geliebte. :))

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