NYC – Film: „Room“


Ich war am 28.10.15 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Room“ (dt. Filmtitel: „Raum“, dt. Kinostart: 17.03.16) 118 min drama, adaptation
dir. Lenny Abrahamson cast: Brie Larson, Jacob Tremblay, Joan Allen, Sean Bridgers, William H. Macy

Ma (Brie Larson) und ihr Sohn Jack (Jacob Tremblay) haben sich zwangsweise ein Leben in einem kleinen Raum eingerichtet. Der 5-jährige Jack kennt auch gar nichts anderes, er ist hier geboren. Ma, ihr Name ist eigentlich Joy, wurde im Alter von 17 Jahren von einem Sexualstraftäter (Sean Bridgers) entführt. Der hält sie seit mittlerweile sieben Jahren in dem Raum gefangen und versorgt sie mit dem Nötigsten. Um die Gefangenschaft irgendwie auszuhalten, hat Ma eine eigene Welt erschaffen. Jetzt wird Jack aber immer älter, begreift vieles und so schmiedet sie einen Plan, ihrem Gefängnis zu entkommen. Dafür muss sie ihrem Jungen aber zunächst erklären, dass eine Welt außerhalb ihres Raumes tatsächlich existiert.

A- (Wertung von A bis F) „Room“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Emma Donoghue. Die irische Schriftstellerin (die auch das Drehbuch zu dem Film schrieb) hat sich für ihren Roman von dem Josef Fritzl-Fall inspirieren lassen. „Room“ ist der aktuelle Film des irischen Filmemachers Lenny Abrahamson (Frank).

Auf den ersten Blick ist „Room“ natürlich kein Oscar-Kandidat wie er im Buche steht. Es ist ein Indie (von meinem amerikanischen Lieblingsverleiher A24), bei dem die Handlung, der Regisseur und die Darsteller nicht gleich OSCAR schreien. Dennoch etabliert sich der Film langsam als feste Komponente der Oscar-Saison 2015/2016. Ein Hauptgrund dafür ist sicherlich, dass der Film exzellent ist und bei amerikanischen Kritikern und Publikum (auf Filmfestivals) gleichermassen gut ankam.

Ich habe den Roman zuvor nicht gelesen und wäre froh gewesen, wenn mir der Trailer nicht eine essentielle Wendung im Film verraten hätte. „Room“ ist ein überzeugendes, unglaublich spannendes Drama über das Ausgeliefertsein, ein – den Umständen entsprechendes – „normales“ Leben und vor allen Dingen eine authentische Mutter-Sohn-Bindung. Der Film hat mich sehr mitgenommen und das obwohl ich keine Mutter bin und mir entsprechende Gefühle auch fremd sind. Vermutlich ist „Room“ für Mütter kaum aushaltbar. Taschentücher sollte man in jedem Fall bereit halten.

Die Geschichte in „Room“ wird aus Sicht des fünfjährigen Jack erzählt. Seine Mutter hat eine eigene Welt für ihn kreiert. Sie gibt sich viel Mühe, ihrem Sohn das Leben in dem mini-kleinen Raum so erträglich und schön wie möglich zu machen. Ma und Jack haben nur sich selbst. Es ist diese bedingungslose Liebe, die genauso rührend wie greifbar ist. Auf der anderen Seite ist da das Eingesperrtsein in einem Leben, dass keiner der Beiden frei gewählt hat. Regisseur Lenny Abrahamson hat durch seine Inszenierung die Enge in dem Raum spürbar gemacht.

Zwei Dinge habe ich an dem Film zu bemängeln. Das eine enthält einen Spoiler und daher kann und möchte ich es nicht benennen und das andere betrifft die Figur von William H. Macys Charakter, dessen Verhalten ich nicht wirklich nachvollziehen konnte. Da dies Nörgeln auf hohem Niveau ist, landet „Room“ aller Wahrscheinlichkeit in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2015.

Es gilt als sicher, dass Brie Larson (Short Term 12, Don Jon, Trainwreck) für dem Oscar nominiert wird. Derzeit (3.11.15) gilt sie sogar als Favoritin auf den Oscar-Gewinn, das gilt zumindest so lange bis David O. Russells Film „Joy“ fertiggestellt ist und jeder endlich beurteilen kann, was für eine Performance Jennifer Lawrence in diesem Film abliefert.

Jacob Tremblay ist kürzlich neun Jahre alt geworden und spielt eindeutig eine Hauptrolle in „Room“, seine Geschichte wird hier erzählt. Der kleine Mann ist quasi in jeder einzelnen Szene zu sehen. Jack ist so bezaubernd, dass ich Brie Larsons Charakter beinahe um ihn beneide. Das macht vielleicht auch deutlich, wie untrennbar Ma und Jack miteinander verbunden sind. Jacob Tremblay gibt ganz klar eine Oscar-Performance. Für ihn gilt jedoch das Gleiche wie für den ebenfalls herausragenden Abraham Atta aus Beasts of No Nation: Kinder werden bei den Academy Awards üblicherweise für den Oscar als Bester Nebendarsteller nominiert. Der jüngste Schauspieler, der jemals für den Oscar nominiert wurde, war der achtjährige Justin Henry aus dem Scheidungsdrama „Kramer vs. Kramer“ (aus dem Jahr 1979). Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass beide Kinder im nächsten Jahr nominiert werden. Ich hoffe aber, dass es wenigstens einer der beiden Jungen schafft.

„Room“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin, Bester Hauptdarsteller bzw. Bester Nebendarsteller (Jacob Tremblay), Beste Nebendarstellerin (Joan Allen), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien

„Room“ hat 4 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin Brie Larson, Bestes adaptiertes Drehbuch) erhalten.

Update: „Room“ hat einen Oscar (Brie Larson als Beste Hauptdarstellerin) gewonnen.

„Room“ wurde erstmalig auf dem Telluride Film Festival 2015 gezeigt. Auf dem Toronto International Film Festival 2015 hat „Room“ überraschenderweise den Publikumspreis gewonnen. Der Film ist am 16.10.15 in vier Kinos in New York und L.A. gestartet. Mittlerweile ist er bereits in 49 Kinos in den U.S.A. zu sehen.

Teaser zu sehen, enthält aber auch Spoiler:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Hateful Eight“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Quentin Tarantinos neuer Film mit Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Bruce Dern und Tim Roth. Ich habe alle Filme von ihm gesehen, also gucke ich auch diesen. Ich gehe aber mit den geringsten Erwartungen rein. Der Film bekommt jetzt schon heftigen Gegenwind, obwohl ihn noch keiner offiziell gesehen hat. Oscar-Film glaube ich daher nicht, aber wer weiß, sie lieben ja Quentin Tarantino.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Steve McQueen: The Man & Le Mans“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Dokumentation über den gleichnamigen Schauspieler
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Love“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Sexdrama von Gaspar Noe und – jetzt kommt es: in 3D
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Youth“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Paolo Sorrentinos neuer Film mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano und Jane Fonda – möglicher Oscar-Kandidat
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Miss You Already“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Tragikomödie. Bei Toni Collette bin ich grundsätzlich dabei, aber Drew Barrymore?
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mal gucken

Trailer v. Film: „Carol“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Todd Haynes neuer Film mit Cate Blanchett und Rooney Mara. Oscar-Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

2 Gedanken zu “NYC – Film: „Room“

  1. In letzter Zeit höre ich das wieder öfter, dass die Trailer massiv spoilern und wichtige Plottwists vorweg nehmen, Sowas ärgert mich extrem. Irgendwer sollte die Trailerproduktionsfirmen mal verklagen :))

    Die Story hört sich nach ein par echten Fällen an. Ist ja leider tatsächlich schon vorgekommen, dass Mädchen ein halbes Leben lang gefangen gehalten wurden und Kinder bekamen. Traurig das.
    Ich mag Brie Larson mittlerweile sehr gerne. Definitiv ein Film, der mich interessiert.

    Gab es nicht schon mal einen Steve McQueen Rennfahrerfilm oder war das Paul Newman?

    „Love“ – ich konnte noch nie nachvollziehen was Leute daran finden, wenn sich Menschen in Großaufnahme die speichelnde Zunge in den Rachen stecken :)) Ich finde das eklig, ebenso wie den Versuch Porno hoffähig zu machen. Für mich ist weniger mehr, aber das würde ja Fantasie voraussetzen. :))

    Liken

    • Ja, mich ärgert es auch extrem. Ich habe sowieso eine extreme Aversion gegen das Spoilern. Bei „Room“ wird halt der halbe Film gespoilert. Heutzutage werden die Firmen leider lange bevor der Film fertig ist engagiert, einen Trailer zu produzieren. Daher landen auch oftmals Szenen im Trailer, die gar nicht im fertigen Film sind. Ich finde das falsch. Der Film sollte erst fertig sein und dann können sie einen entsprechenden Trailer rausbringen. Die Film-Gemeinde muss halt lernen, sich zu gedulden. 🙂

      Ja leider ist das kein Einzelfall. Unfassbar. Dieser Fritzl-Fall war aber sicher schon einmalig in dieser Art von Perversion. Der hat wohl auch einen fünfjährigen Jungen gezeugt.

      Steve McQueen hatte den Film „Le Mans“ (wie im Filmtitel der Doku), da hat er wohl einen Rennfahrer gespielt.

      „Love“ :)) … :))

      Gefällt 1 Person

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