NYC – Film: „The Walk – 3D“


Ich war am 26.09.15 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„The Walk – 3D“ (dt. Kinostart: 22.10.15) 124 min drama, biopic, action, adaptation
dir. Robert Zemeckis cast: Joseph Gordon-Levitt, Ben Kingsley, Charlotte Le Bon, James Badge Dale, Ben Schwartz, Steve Valentine

Der Franzose Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) ist Straßenkünstler und Seiltänzer. Er sucht immer nach eine neuen Herausforderung. Dann liest er einen Artikel, dass die höchsten Türme der Welt in New York entstehen sollen. Petit plant Le Coup, er möchte vom Dach des einen Turmes des WTC zum anderen ein Seil spannen und darüber balancieren. Das muss er jedoch schaffen, bevor alle Stockwerke der Zwillingstürme offiziell eröffnet werden.

D+ (Wertung von A bis F) „The Walk“ basiert auf einer wahren Geschichte. Es ist eine Adaption von Philippe Petits Memoiren „To Reach the Clouds“.

Vielleicht ist „The Walk“ ein Film für die anspruchslose Masse, definitiv ist es kein Oscar-Film. Mir ist sogar schleierhaft, warum das NYFF Komitee diesen Film als Eröffnungsfilm für ihr 53. Festival ausgewählt hat. Die Auswahl der letzten Jahren (mit Gone Girl, Captain Phillips, Life of Pi, Carnage, The Social Network) war da wesentlich solider.

Eigentlich wusste ich schon mit der ersten Szene, dass mir der Film nicht gefallen kann. Diese Studioaufnahme mit Joseph Gordon Levitt, der vorgibt Franzose zu sein, eine seltsame Perücke trägt und so tut, als würde er auf der Fackel der Freiheitsstatue stehen – im Hintergrund die Zwillingstürme….da musste ich das erste Mal schon tief durchatmen. Dann spricht er mit nervigen französischen Akzent auch noch direkt in die Kamera, direkt zum Publikum. Das sogenannte Durchbrechen der vierten Wand funktioniert ganz selten in Filmen/ oder Serien. In der Serie House of Cards geht diese Erzähltechnik wunderbar auf, weil Kevin Spacey den Zuschauer an seinen durchtriebenen Gedanken und Plänen teilhaben lässt. In „The Walk“ erklärt uns aber nun dieser Möchtegern-Franzose in regelmäßigen Abständen, was man sowieso sieht und/oder schlichtweg keiner Erklärung bedarf.

Wenn man sich Robert Zemeckis Filmografie anschaut, sieht man dass der Filmemacher einige wirklich gute Filme inszeniert hat, aber auch einige Male völlig daneben gegriffen hat. „The Walk“ passt für mich in die zweite Kategorie.

Warum überhaupt muss der US-Amerikaner Joseph Gordon-Levitt ((500) Days of Summer, Don Jon) hier so tun als wäre er Franzose? Haben alle französischen Schauspieler abgelehnt, die Rolle zu spielen oder waren anderweitig verhindert?

Was ich – naja einigermassen – nachvollziehbar fand, war die Erklärung warum JG-Ls Charakter überwiegend und auch mit seinen Landsmännern- und frauen Englisch spricht. Er muss üben, weil er demnächst in die U.S.A. geht. In den meisten amerikanischen Filmen bekommt man gar keine Erklärung mitgeliefert, da sprechen die Deutschen, Russen, etc. untereinander und in ihrem Heimatland einfach Englisch miteinander.

Ich habe gehört und jetzt auch gelesen, dass „The Walk“ für seine letzten 30 Minuten sehr gelobt wird. Na…ja Zugegeben gibt es ein paar spektakuläre Szenen, aber die entschädigen mich für die öden und nervigen vorangegangen 1 1/2 Stunden auch nicht. Robert Zemeckis lässt einen auch zu keinem Zeitpunkt vergessen, hier einen Film zu sehen. Die Kostüme wirken wie Verkleidungen und dass es auf dem Dach der World Trade Center (in einer Höhe von 417 Metern) beinahe windstill war, wirkt doch sehr an den Haaren herbeigezogen.

Wer sich für Philippe Petits Geschichte interessiert, sollte sich die im Jahr 2009 mit einem Oscar ausgezeichnete Dokumentation Man on Wire anschauen.

Das Schlussbild gab mir einen Stich mitten ins Herz.

„The Walk“ feierte seine Weltpremiere auf dem New York Film Festival 2015, dort wurde er als Eröffnungsfilm gezeigt. Ich habe ihn in einer der 3D-Opening Night Vorstellungen auf dem NYFF53 gesehen. Aufgrund des Papst Besuches in New York wurde die offizielle Eröffnung des NYFF um einen Tag nach hinten verschoben. Ich habe in der Vergangenheit schon zig mal erlebt, dass einer der jeweiligen amtierenden US-Präsidenten in der Stadt war und welche Sicherheitsvorkehrungen und Straßen- Bus und U-Bahnsperrungen das in der eh schon verkehrschaotischen Stadt nach sich zog. Jetzt ist klar, dass der Besuch des Papstes tatsächlich noch eine Steigerung dazu ist. Ich bin mir auch sicher, noch nie solche Menschenmassen gesehen zu haben. Mein geliebter Central Park war unverschämterweise auch den ganzen Tag gesperrt.

„The Walk“ kam heute, am 30.09.15, in die amerikanischen Kinos, allerdings wurde der Film ausschließlich in IMAX-Kinos gezeigt. Eine Woche später ist er dann in allen amerikanischen Kinos zu sehen.

„The Walk“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Joseph Gordon-Levitt), Bestes adaptiertes Drehbuch und einige technische Kategorien. Wenn es gerecht zugeht, dann hat er einzig in den technischen Kategorien Chancen auf Oscar-Nominierungen.

Trailer zu sehen:

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2 Gedanken zu “NYC – Film: „The Walk – 3D“

  1. Hatte ich es nicht vorausgesagt? Die Trailer waren schlecht und Gordon-Levitt sieht aus wie ein Zombie in Polyesterkleidung.
    Das konnte einfach nicht gut werden.
    Heute auch wieder einen Trailer gesehen und am liebsten hätte ich ihn vom Träger gestoßen :))
    Und genau – es war total windstill da oben – na klar :))

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    • Na die Trailer fand ich von den Effekten her ja schon ganz gut. Letztlich sind die Effekte in den letzten 30 Minuten in 3D auch ganz sehenswert, aber dann wirkt vieles wieder so fake. Auch habe ich mich gefragt, ob es Mitte der 1970er Jahre schon in-ear-Kopfhörer gab. Irgendwann wirkte alles auf mich künstlich und falsch. 🙂

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