TV – Serie: "Bloodline, 1. Staffel"


Ich habe mir die komplette Staffel folgender Netflix-Serie angeschaut:

„Bloodline, 1. Staffel“ 13 x 50 min drama, thriller
dir. Johan Renck, Adam Bernstein, Todd A. Kessler, Jean de Segonzac, Alex Graves, Tate Donovan, Dan Attias, Simon Cellan Jones, Michael Morris, Ed Bianchi, Carl Franklin, cast: Kyle Chandler, Ben Mendelsohn, Linda Cardellini, Sam Shepard, Sissy Spacek, Chloe Sevigny, Norbert Leo Butz, Jacinda Barrett, Jamie McShane

Die Familie Rayburn führt seit 45 Jahren eine Hotelanlage auf den Florida Keys. Die Mutter Sally (Sissy Spacek) und der Vater Robert (Sam Shepard) haben vier erwachsene Kinder. John (Kyle Chandler), Meg (Linda Cardellini) sind erfolgreich in ihrem jeweiligen Beruf als Polizist und Anwältin. Der jüngste Sohn Kevin (Norbert Leo Butz) macht sein eigenes Ding, so richtig hat er noch nichts auf die Reihe bekommen. Das schwarze Schaf der Familie ist allerdings der älteste Sohn, Danny (Ben Mendelsohn). Als sich Danny jetzt zu der Feier anlässlich des 45-jährigen Jubiläums des Hotels ankündigt, werden die restlichen Familienmitglieder etwas nervös. Es dauert nicht lange, dass sich die Brüder streiten und dann teilt ihnen Danny auch noch mit, dass er generell zurück nach Hause kommen und im Familienbetrieb helfen will. Die Geschwister sollen abstimmen, ob er bleiben darf. Dannys alter Kumpel Eric (Jamie McShane) will derweil mit Danny wieder ein krummes Ding drehen.

B- (Wertung von A bis F) „Bloodline“ ist ein klassisches Familiendrama mit einem nicht geringen Krimi-Anteil. Besonders stark ist die Serie in meinen Augen aber nur dann, wenn sie sich auf die Familien- und Charakterstudie besinnt. Diese Netflix-Serie ist von den Serienmachern, die bereits die hervorragende Serie „Damages“ hervorgebracht haben.

Ich liebe abgeschlossene Mehrteiler. Ein Grund dafür ist, dass man, im Gegensatz zu einem Kinofilm, viel Zeit für die Einführung und die Entwicklung einzelner Charaktere hat. In „Bloodline“ lernt man jeden Charakter kennen, weiss irgendwann (bzw. glaubt zu wissen) wer die Guten und die Bösen in der Familie sind. Man sieht die Problematik der einzelnen Figuren, die komplizierte Beziehung der vier erwachsenen Geschwister untereinander und dann kommen langsam Geheimnisse ans Tageslicht. Und immer wieder Manipulationen, Lügen und/ oder fiese Schwindeleien. So glaubhaft diese Familie ist, sie ist auch ein ganz filigranes Gebilde. Eigentlich bedarf es nur eines Lüftchens, dass dieses Gebilde zusammenbricht. Nur braut sich auf den Florida Keys ein ordentliches Gewitter zusammen. Eine Geschichte aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit schwebt Unheil drohend über den Rayburns.

Die Atmosphäre der Florida Keys hat mich sofort in den Bann gezogen. Die Hitze, die salzige Luft, eine kleine Brise vom Wasser, der tropische Regen, die Serie vermittelt einem, wie es sich anfühlt, dort zu sein. Die Kulisse ist traumhaft. Mir hat auch der langsame Spannungsaufbau gefallen. Ich fand es clever (auch wenn es sich erst in Episode 11 auszahlt), dass es unter den Geschwistern einen Polizisten und eine Anwältin gibt. Es gibt vieles was man bei „Bloodline“ positiv hervorheben kann und doch war ich zum Schluss verärgert.

Auf die ganzen Vorschauen, die während der einzelnen Episoden gezeigt wurden, hätte ich verzichten können und den Erzähler (John), der durch die Episoden führt, fand ich auch unnötig. Damit hätte ich mich aber vielleicht abgefunden, wenn ich nicht von den letzten beiden Episoden (12 und 13) so enttäuscht wäre. Mit Ausnahme von Johns Ansprache ist die 13. Folge wirklich schlecht und als Staffelende einer sonst soliden Drama-Serie nicht würdig. Das Ende ist viel zu konstruiert und wenn man die erste Staffel im Ganzen betrachtet, wird keine runde Geschichte erzählt. Mittlerweile habe ich gehört, dass den Serienmachern zu Beginn von „Bloodline“ auch noch nicht klar war, wie sie die Staffel enden lassen – und genau so fühlt sich das leider auch an.

Zu den einzelnen Episoden:

Episode 5. Vermutungen was Danny angeht, werden spätestens zum Schluss dieser Folge bestätigt.

Episode 10. Ich liebe das längere Gespräch zwischen John und Danny.

Episode 13. Ich mochte Johns Ansprache vor seinen leicht verdutzten Geschwistern. Ansonsten ist es die schwächste Episode dieser Staffel.

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Danny Rayburn ist der älteste Sohn der Familie. Er gilt als das schwarze Schaf der Rayburns. Ist einige Jahre untergetaucht und kehrt jetzt, anlässlich der Feier zum 45-jährigen Jubiläum des Hotels, zurück. Er möchte wieder Teil der Familie sein, stösst aber auf Ablehnung. Durch Danny habe ich den Einstieg in die Serie gefunden. Er hat chronische Schmerzen, guckt zu tief ins Glas und raucht zu viel (lässt sich Ben Mendelsohn eigentlich vertraglich zusichern, dass sein Film- oder Seriencharakter Kette raucht?), vielleicht sollte er es auch mit den Drogen lassen. In der Vergangenheit hat er Mist gebaut. Heisst das, dass er ein schlechter Mensch ist? Mal gucken. Für mich ist Danny zweifelsfrei der interessanteste Charakter der ersten Staffel von „Bloodline“. Danny wird von dem australischen Schauspieler Ben Mendelsohn gespielt. Der Charakterschauspieler zeigt sich hier mal von einer ganz anderen Seite. Diese unschuldslammige und Mitleid erregende Facette seines Schauspiels kannte ich bislang noch nicht von ihm. Mir gefiel es auch, dass er seiner Serienmutter (gespielt von Sissy Spacek) sehr ähnlich sieht. Bei der Recherche war ich auch überrascht, wie „jung“ er noch ist. Er ist erst 46 Jahre alt, in Bloodline hätte ich ihn auch älter geschätzt. Erstmalig ist er mir in einem meiner Lieblingsfilme des Jahres 2010 Animal Kingdom gesehen. Dann war er noch in The Dark Knight Rises, The Place Beyond the Pines und kürzlich in einem weiteren meiner Lieblingsfilme, dieses Mal des Jahres 2014 ( Starred Up) mitgespielt. Danny Rayburn ist mein Lieblingscharakter von „Bloodline“.

John Rayburn ist der zweitälteste Sohn der Rayburns. Er arbeitet als Polizist und ist mit Diana (gespielt von Jacinda Barrett) verheiratet. Sie haben zwei Kinder im Teenageralter. Er hat einen Wiedergutmachungsbedarf was seinen älteren Bruder Danny angeht. John ist sicher der Sympathieträger der Serie. Gespielt wird John Rayburn von dem amerikanischen TV- und Kinoschauspieler Kyle Chandler. Bekannt geworden ist er durch die Serie „Friday Night Lights“. Dafür hat er auch einen Emmy-Award gewonnen. Seit dem Ende von „FNL“ ist er auch recht häufig in Kinofilmen Super 8, Argo, Zero Dark Thirty, The Spectacular Now, The Wolf of Wall Street zu sehen.

Kevin Rayburn ist der jüngste Sohn der Rayburns. Er bekommt sein Leben nicht so richtig auf die Reihe. Er nimmt Drogen und trinkt zu viel Alkohol. Seine Emotionen hat er auch nicht unter Kontrolle. Verheiratet ist er mit Belle (gespielt von Katie Finneran). Gespielt wird Kevin Rayburn von dem amerikanischen Theaterschauspieler Norbert Leo Butz. Als Musical-Darsteller hat er bereits zwei Tony-Awards gewonnen. Er war aber auch in einigen Kinofilmen zu sehen, u.a. Dan in Real Life,  Higher Ground und Disconnect.

Meg Rayburn ist die Tochter der Rayburns. Sie arbeitet als Anwältin und ist seit fünf Jahren mit dem Polizisten Marco (gespielt von Enrique Murciano) zusammen. Sie arbeitet auch für ihren Vater und berät die Familie in rechtlichen Dingen. Meg wird von der amerikanischen Schauspielerin Linda Cardellini gespielt. Sie hat in der TV-Serie „ER“ und auch in zahlreichen anderen TV-Produktionen mitgespielt.

Marco ist Polizist und Kollege von John Rayburn. Seit fünf Jahren führt er mit Meg Rayburn eine Beziehung. Marco wird von dem Schauspieler Enrique Murciano gespielt. Bekannt geworden ist er durch die TV-Serie „Without a Trace“. Er war aber auch in einigen Kinofilmen wie „Traffic“ oder Dawn of the Planet of the Apes zu sehen.

Sally Rayburn führt das Hotel auf den Florida Keys. Sie ist die Mutter von Danny, John, Kevin und Meg und Frau von Robert (gespielt von Sam Shepard). Sally wird von der amerikanische Charakterschauspielerin (und Sängerin) Sissy Spacek gespielt. Sie hatte ihren Durchbruch als Carrie in dem gleichnamigen Horrorfilm aus den 1970er Jahren. Für den Film Coal Miner´s Daughter hat sie den Oscar gewonnen. Sie hat ein gutes Händchen für die richtigen Projekte und liefert bis heute brillante Arbeit in Kinofilmen, wie z.B. „Missing“, „JFK“, „Affliction“, „The Straight Story“, „In the Bedroom“, „North Country“, Get Low  ab.

Robert Rayburn ist das Familienoberhaupt und mit Sally (gespielt von Sissy Spacek) verheiratet. Er ist Vater von Danny, John, Kevin und Meg. Gespielt wird Robert Rayburn von dem amerikanischen Dramatiker und Schauspieler Sam Shepard. Er hat einen Pulitzer Prize für sein Bühnenstück Buried Child gewonnen. Auch ist er immer wieder in Kinofilmen (z.B. Mud, August: Osage County, Out of the Furnace, Cold in July) zu sehen.

Eric O´Bannon ist Dannys bester Freund und auf Bewährung draussen. Eric O´Bannon wird von dem amerikanischen TV-Schauspieler Jamie McShane gespielt. Er hat in zahlreichen Fernsehproduktionen, u.a. in „Sons of Anarchy“, „Southland“ mitgewirkt, war aber auch schon in einigen Kinofilmen (z.B. „Thor“, ArgoNightcrawler, Gone Girl) zu sehen.

Chelsea O´Bannon arbeitet als Krankenschwester und ist Erics Schwester. Chelsea bzw. CeCe (wie sie von Danny genannt wird) wird von der amerikanischen Schauspielerin Chloe Sevigny gespielt. Ich kenne die Indie-Queen tatsächlich seit ihrer Debütrolle in Larry Clarks Skandalfilm „Kids“ und dann hat sie immer wieder kleinere Rollen in gute Filmen „Boys Don´t Cry“, „American Psycho“, „Dogville“, „Shattered Glass“ gespielt. Jahrelang hatte sie auch eine Hauptrolle in der HBO-Serie „Big Love“. Derzeit spielt sie immer noch in der Serie „American Horror Story“.

Vorspann zu sehen:

Trailer zu sehen:

Die ersten beiden Episoden von „Bloodline“ wurden bei der Berlinale 2015 gezeigt. Die komplette erste Staffel wurde ab dem 20.03.15 auf Netflix zur Verfügung gestellt. Eine zweite Staffel von „Bloodline“ wurde bereits bestellt.

4 Gedanken zu “TV – Serie: "Bloodline, 1. Staffel"

  1. Ach je und ich fand den Schluss so gut 🙂
    Etwas sperrig ist die Serie schon, aber an sich fand ich die Story schon rund, natürlich blieben ein paar Fäden offen. Und klar, kein Vergleich zu „True Detective“ oder „Fargo“, aber da liegt die Latte auch sehr hoch.

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  2. Ach echt, Dir hat der Schluss gefallen. Ich war ja richtig beleidigt (auch wegen Danny, das gebe ich zu), aber vor allen Dingen weil ich „Bloodline“ bis dahin so richtig gut fand. Ich mochte die Charaktere richtig gerne und war schon geneigt, ein B+ zu zücken. 🙂 Und dann das. :no:

    Mir ist auch völlig schleierhaft, wo sie hier für eine zweite Staffel ansetzen wollen. Die letzte Szene ist doch wirklich aus der Luft gegriffen und kein Ausgangspunkt für eine solide Fortsetzung.

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  3. Das Danny sterben wird wusste man doch von Anfang an, da haben sie ja keinen Hehl draus gemacht. Hätte mich eher gewundert, hätte er überlebt. 😀
    Und ansetzen werden sie bei dem Zeugen, denn sie sind ja in Dannys alter Wohnung beobachtet worden. Da kommt sicher noch ne dicke Erpressungssache.
    Aber schaun wir mal, ob sie ohne Mendelsohn noch punkten können.

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  4. Also man hätte das auch anders lösen können. :yes: Ohne Ben Mendelsohn (der hier definitiv ALLEN die Show stiehlt) und ohne Danny sinkt die Serie rapide in meinem Ansehen.

    Pfff, Erpressungsgeschichte… langweilig, denke, der Detektiv wird Sissy auch einiges mitteilen. Aber diese Sohn-Geschichte…dämlich.

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