TV-Serie: "The Affair, 1. Staffel"


Ich habe mir die komplette Staffel folgender Showtime-Serie angeschaut:

„The Affair, 1. Staffel“ 10 x approx. 55 min drama
dir. Mark Mylod, Jeffrey Reiner, Carl Franklin, Ryan Fleck cast: Dominic West, Ruth Wilson, Maura Tierney, Joshua Jackson, John Doman, Darren Goldstein, Julia Goldani Telles

Noah Solloway (Dominic West) arbeitet als Lehrer. Sein Schwiegervater Bruce Butler (John Doman) ist ein berühmter Bestseller-Autor und auch Noah hat bereits ein Buch geschrieben, ein zweites soll folgen. Er lebt mit seiner Frau Helen (Maura Tierney) und den vier Kindern in New York. Die kompletten Sommerferien verbringt die Familie gemeinsam bei den Großeltern in den Hamptons. In einem Restaurant der Kleinstadt Montauk trifft Noah auf die 31-jährigen Kellnerin Alison (Ruth Wilson). Er fühlt sich zu ihr hingezogen. Alison ist in Montauk geboren und lebt mit ihrem Ehemann Cole (Joshua Jackson) dort. Als sie Noah kennenlernt, steckt ihre Ehe in der Krise. Es bahnt sich eine außereheliche Affäre an und irgendwann kommt ein Mensch zu Tode.

C+ (Wertung von A bis F) Nach so vielen positiven Bewertungen (94% bei Rotten Tomatoes, 85% Metacritic) habe ich mir unter der „The Affair“ eine wesentlich clevere, nuanciertere Drama-Serie vorgestellt. Es ist eine Serie über Beziehungen, eine außereheliche Affäre und einen Kriminalfall. Letzterer wird zu meiner großen Unzufriedenheit etwas stiefmütterlich behandelt. Lange wartet man darauf zu erfahren, wer überhaupt zu Tode kam und letztlich kommt es am Ende der ersten Staffel zwar zu einer Verhaftung, aber einen spannend inszenierten Fall, der einer raffinierten Aufklärung bedarf, bekommt man nicht geboten.

Das Interessanteste dieser Serie ist die Erzählweise. Die Geschichte wird retrospektiv erzählt. Da, wie bereits erwähnt, ein Kriminalfall gelöst werden muss, wird die Story im Rahmen einer Vernehmung wiedergegeben. Die Protagonisten (Alison und Noah) blicken zurück, dieselben Begebenheiten werden jeweils aus ihrer und seiner Perspektive geschildert. Welche Erinnerung der Wahrheit entspricht, ist schwer zu beurteilen. Wem kann man am ehesten Glauben schenken? Liegt die Wahrheit, wie so oft, in der Mitte? Am Anfang sind es kleinere Details, die die jeweilige Erzählung unterscheiden. Nach seiner Beschreibung war sie wesentlich sexyer gekleidet, sie hat ihn verführt und er hat versucht, sich gegen diese Affäre zu wehren. Wenn man sich dann kurz darauf, ihre Darstellung derselben Situationen anschaut, ist man sehr geneigt, ihr Glauben zu schenken. Frauen können sich grundsätzlich besser daran erinnern, was sie beispielsweise in bestimmten Situationen getragen haben. Im Verlauf der ersten Staffel kommt es bei den Versionen von Alison und Noah aber zu einer immer größer werdenden Diskrepanz. Die Abweichungen der jeweiligen Geschichte sind irgendwann so gravierend, dass einer tatsächlich vorsätzlich lügen muss. Warum ist die Frage und das wird mir bis zum Ende der Staffel nicht wirklich beantwortet. Vielleicht ist das die Chance der zweiten Staffel. Dann sollte aufgeklärt werden, was sich in den jeweiligen wichtigen oder weniger wichtigeren Situationen tatsächlich zugetragen hat.

Jede einzelne Folge von „The Affair“ ist in zwei Episoden geteilt. Grundsätzlich beginnt Noah, seine Sicht der Dinge zu schildern. Nach der Hälfte der Folge erzählt dann Alison über dieselben Vorfälle. In zwei Folgen (der fünften und der neunten) beginnt Alison und Noah berichtet als Zweites.

Die Charaktere sind für meinen Geschmack weder exakt genug gezeichnet noch überhaupt richtig interessant. Alison sticht aus dem Ensemble hervor. Schauspielerisch ist Ruth Wilson auch mit Abstand die Beste. Die anderen Schauspieler geben nicht so gute, manchmal sogar regelrecht schlechte Performances. Manche Charaktere (Oscar, Alisons Mutter) sind überzeichnet. Außerdem hat mich bei „The Affair“ gestört, dass manche Handlungselemente gar keinen Sinn ergeben. So ist auch die Beziehung zwischen Alison und Noah ab einem gewissen Punkt unglaubwürdig. Die „Frisur“ von Dominic Wests Charakter Noah ist wirklich grausig – das musste ich einfach erwähnen.

Zu ein paar Folgen:

In Folge 4 ist mir bei einigen Szenen aufgefallen, dass manche Dreharbeiten tatsächlich nicht on location stattfanden, sondern im Filmstudio. Das wirkt irgendwie billig.

Die Serie war von der Dramaturgie bis Folge 6 auf einem guten Weg. Dann haben die Autoren aber der eigentlich erzählten Geschichte nicht ausreichend getraut und es kommt zu einer unnötigen Überdramatisierung der Handlung. Ich fand das auch recht unglaubwürdig. Das hat mich an Bates Motel erinnert.

Mit Folge 7 stand meine finale Bewertung fest. Schauspielerisch fand ich sie auffallend schlecht.

Die Charaktere im Einzelnen:

Noah Solloway arbeitet als Lehrer an einer öffentlichen Schule in New York. Er hat ein Buch geschrieben und sitzt bereits an seinem zweiten Roman. Noah ist Mitte Vierzig, verheiratet mit Helen (gespielt von Maura Tierney) und Vater von vier Kindern. Er hat reich geheiratet, finanziell werden er und die Familie von seinem Schwiegervater, einem erfolgreichen Romanautor, unterstützt. In den Sommerferien, die er mit seiner Frau und den Kindern im Haus seiner Schwiegereltern in Montauk auf Long Island verbringt, lernt er die Kellnerin Alison (gespielt von Ruth Wilson) kennen. Noah hat eine Midlife-Crisis und kann der Versuchung nicht widerstehen. Er beginnt eine Affäre mit Alison. Noah Solloway wird von dem englischen Schauspieler Dominic West gespielt. Dominic West ist nun nicht gerade ein Adonis, den Typ biederer, midlifekriselnder Familienvater, der gelegentlich auch mal sexy ist, habe ich ihm aber abgenommen. Dominic West hat u.a. in den Kinofilmen „Chicago“, „300“ und Pride gespielt. Richtig bekannt wurde er aber durch die HBO-Serie „The Wire“.

Alison Bailey ist in Montauk geboren und aufgewachsen. Sie ist mit Cole (gespielt von Joshua Jackson) verheiratet. Sie hatten einen Sohn, der aber ertrunken ist. Alison leidet noch sehr unter dem Tod ihres Kindes. Als sie Noah kennenlernt steckt ihre Ehe in der Krise. Ihr Charakter ist meines Erachtens der Interessanteste. Alison Bailey wird von der englischen Schauspielerin Ruth Wilson gespielt. Schauspielerisch hat mir Ruth Wilson am Besten gefallen. Zu Recht wurde sie als einzige Schauspielerin dieser Serie mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Sie hat in der britischen TV-Serie „Luther“ mitgespielt und auch in den Kinofilmen „Anna Karenina“ und Saving Mr. Banks.

Helen Solloway ist Besitzerin einer Boutique, die Ehefrau von Noah (gespielt von Dominic West) und Mutter der vier gemeinsamen Kindern. Sie kommt aus reichem Hause. Gespielt wird Helen Solloway von der amerikanischen Schauspielerin Maura Tierney. Sie ist dem aufmerksamen Fernsehzuschauer vorwiegend durch ihre Rollen in zahlreichen TV-Serien (u.a. „NewsRadio“, „ER“, „The Good Wife“) bekannt. Sie hat aber auch in einigen Kinofilmen (z.B. „Primal Fear“, „Liar Liar“, „Forces of Nature“, „Insomnia“) mitgewirkt.

Cole Lockhart ist das Familienoberhaupt der Lockhart-Familie. Die Familie führt eine Pferderanch in Montauk. Verheiratet ist Cole mit Alison (gespielt von Ruth Wilson). Gespielt wird Cole von dem amerikanisch-kanadischen Schauspieler Joshua Jackson. Bekannt wurde er durch seine Rolle in der TV-Serie „Dawson´s Creek“. Auch in der TV-Serie „Fringe“ hat er eine Hauptrolle bekleidet. Er hat ebenso in einigen Kinofilmen (z.B. „Scream 2“, „Apt Pupil“, „Urban Legend“) mitgewirkt.

Bruce Butler ist ein Bestsellerautor und Noahs Schwiegervater. Er ist sehr wohlhabend und finanziert den Lebensstandard seiner Tochter Helen und ihrer Familie. Verheiratet ist Bruce mit Helens Mutter Margaret (gespielt von Kathleen Chalfant) Gespielt wird Bruce Butler von dem amerikanischen Schauspieler John Doman. Er ist auch durch seine zahlreichen TV-Auftritte bekannt. Wie seine Serientochter hatte er eine größere Rolle in der TV-Serie „ER“. Neben Dominic West hat er bereits in der HBO-Serie „The Wire“ gespielt. John Doman hatte aber auch einige Auftritte in Kinofilmen (z.B. in „Mystic River“ und Blue Valentine)

Oscar ist Restaurantbesitzer und Arbeitgeber von Alison. Zwielichtige Type, in meinen Augen aber überzeichnet. Gespielt wird Oscar von dem amerikanischen Schauspieler Darren Goldstein. Er war in der TV-Serie „Damages“ zu sehen und hat auch in einigen Kinofilmen (z. B. Limitless) mitgewirkt.

Whitney ist die 16-jährige Tochter von Noah und Helen. Gespielt wird Whitney von der amerikanischen Schauspielerin Julia Goldani Telles. Sie war beispielsweise schon in der Showtime-Serie „Nurse Jackie“ zu sehen.

„The Affair“ wurde erstmalig vom 12.10.14-21.12.14 auf Showtime ausgestrahlt. Die Serie hat den Golden Globe für beste Drama-Serie gewonnen und Ruth Wilson wurde als Beste Schauspielerin in einer Drama-Serie ausgezeichnet. Die zweite Staffel ist bereits bestätigt und soll im Oktober 2015 ausgestrahlt werden.

Vorspann zu sehen: (ich finde den von Fiona Apple gesungenen Song grauenhaft)

Trailer zu sehen:

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