Die Oscars 2015: Alle Gewinner


Am Tag der Oscar-Verleihung 2015 hat es in L.A. in Strömen geregnet. War das ein schlechtes Zeichen für den Abend?

Ich war recht zufrieden, vor allen Dingen mit dem Ausgang der elitären Preisverleihung. Jeder einzelne Film, der für einen Oscar in der Kategorie Bester Film nominiert war, hat auch mindestens einen Academy Award gewonnen. „Birdman“ und „The Grand Budapest Hotel“ haben die meisten (jeweils 4) Oscars mit nach Hause nehmen können. Mein Lieblingsfilm „Whiplash“ hat tatsächlich 3 Oscars gewonnen. „Birdman“ wurde zu Recht in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch und Beste Kamera ausgezeichnet. Julianne Moore hat nun auch endlich einen Oscar – eigentlich hätte sie ihn bereits im Jahr 2002 für „Far From Heaven“ gewinnen müssen. Es war keine Überraschung, dass J.K. Simmons (wohlverdient) gewonnen hat und auch dass Patricia Arquette stellvertretend für den Film „Boyhood“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, war ne sichere Bank. Eddie Redmayne, und das war alles andere als sicher, wurde für seine Daniel Day-Lewis-„My Left Foot“-Gedächtnis-Performance auf die Bühne gebeten und hat sich ganz niedlich und ehrlich gefreut.

Neil Patrick Harris hat sich bereits einige Male in der Vergangenheit als Gastgeber großer Shows bewährt. Ich vermute, es lag an den Autoren der Oscar-Show, dass die Moderation der Oscars 2015 irgendwie schwächelte. Die meisten Dankesreden fand ich origineller und interessanter als die Moderation. NPH war eigentlich souverän wie immer, im direkten Kontakt mit dem Publikum kam er jedoch nicht an seine Vorgängerin Ellen DeGeneres ran, aber in dieser Disziplin ist die Talkshow-Moderatorin auch eine Meisterin.

Es gab wenige Highlights bei den 87. Oscars. Hervorzuheben ist die Performance von John Legend und Common. „Glory“ ist aber auch einfach ein klasse Song und hat kurz darauf auch berechtigterweise den (leider einzigen) Oscar für den Film „Selma“ gewonnen. Unzumutbar für meine Augen und Ohren war hingegen die Performance von Lady Gaga, Jennifer Hudson und Adam Levine. Eine prima Idee war es, John Travolta (der von NPH in Anspielung auf Travolta Adele Dazeem-Faux Pas vom Jahr zuvor als Glom Gazingo angekündigt wurde) mit Idina Menzel gemeinsam als Presenter auftreten zu lassen. Sehr selbstironischer Auftritt von John Travolta, eigentlich doch ein netter Kerl.

Ein ganz und gar nicht netter Kerl saß die ganze Show über betont entspannt, selbstgefällig und widerlich Kaugummi kauend im Publikum: Michael Keaton. Ab dem Moment, in dem er das erste Mal so gezeigt wurde, habe ich seinen Konkurrenten Eddie Redmayne, Bradley Cooper, Benedict Cumberbatch und Steve Carell ganz fest die Daumen gedrückt, dass einer von ihnen den Goldjungen nach Hause holt. Michael Keaton gilt in Hollywood schon lange als schwierig (sehr vorsichtig formuliert) und mit dieser Art hat er sich seine erste und zugleich einzige Chance, auch nur in die Nähe eines Oscars zu kommen, verspielt.

Einen Teil der Eröffnungsrede und der erste Oscar samt Rede von J.K. Simmons war in Deutschland nicht live zu sehen. Aufgrund des schlechten Wetters ist die Pro7-Übertragung zusammengebrochen. Das war der Moment, in dem ich wieder richtig wach geworden bin und mich fürchterlich aufregen musste.

Bei den Oscars 2015 gab es 24 Kategorien und ich habe dieses Jahr 21 richtig geraten (oder anders: Bester Animationsfilm, Bester animierter Kurzfilm und Bestes Originaldrehbuch hatte ich falsch getippt). Ich glaube übrigens, dass es leichter ist, die Gewinner zu erraten, wenn man sich nicht so viel mit den Oscars beschäftigt. Irgendwann ist man einfach zu blockiert im Kopf. Es gibt zig Theorien, warum der oder der Film oder der oder die Schauspieler (in) oder diese oder jene technische Leistung mit einem Oscar ausgezeichnet wird. Für praktisch jeden gibt es eine plausible Erklärung. Wenn man ganz sicher auf jeden einzelnen Gewinner tippen will, muss man aber etwas Abstand dazu haben und das größere Bild sehen. Bei mir wäre es dieses Jahr beinahe in die Hose gegangen, ich war schon zu verkopft, ich habe mich aber dann noch rechtzeitig rausziehen können und somit meine Wette ganz klar gewonnen.

Alle Oscar-Gewinner 2013:

Best Picture: Birdman
Best Director: Alejandro G. Inárritu (Birdman)
Best Actor: Eddie Redmayne (The Theory of Everything)
Best Actress: Julianne Moore (Still Alice)
Best Supporting Actor: J.K. Simmons (Whiplash)
Best Supporting Actress: Patricia Arquette (Boyhood)
Best Original Screenplay: Birdman
Best Adapted Screenplay: The Imitation Game
Best Cinematography: Emmanuel Lubezki (Birdman)
Best Animated Feature: Big Hero 6
Best Foreign Language Film: Ida (Polen)
Best Costume Design: The Grand Budapest Hotel
Best Production Design: The Grand Budapest Hotel
Best Makeup and Hairstyling: The Grand Budapest Hotel
Best Film Editing: Whiplash
Best Sound Editing: American Sniper
Best Sound Mixing: Whiplash
Best Visual Effects: Interstellar
Best Documentary Feature: Citizenfour
Best Animated Short: Feast
Best Live Action Short: The Phone Call
Best Documentary Short Subject: Crisis Hotline: Veterans Press 1
Best Original Song: Glory (Selma)
Best Original Score: The Grand Budapest Hotel

Die Mode – The Best:

Julianne Moore (Chanel Haute Couture)
Viola Davis (Zac Posen)
Sienna Miller (Oscar de la Renta)
Patricia Arquette (Rosetta Getty)
Reese Witherspoon (Tom Ford)
Eddie Redmayne (Alexander McQueen)

Die Mode – The Worst

Naomi Watts (Armani Privé)
Marion Cotillard (Dior Haute Couture – und wer ist für die grausige Frisur verantwortlich?)
Octavia Spencer (selbstgeschneidert?)
Lady Gaga (sieht immer aus wie ein Clown, dieses Mal in Azzedine Alala)
Chloe Grace Moretz (Miu Miu)
Nicole Kidman (Louis Vuitton)

Einen Tag vor der Oscar-Verleihung wurde wie jedes Jahr der Anti-Oscar, der Golden Raspberry Award verliehen. Die Goldene Himbeere haben gewonnen:

„Kirk Cameron´s Saving Chrismas“ wurde zum schlechtesten Film gewählt. Schlechtester Regisseur – was für eine Überraschung: Michael Bay (für Transformers 4: Age of Extinction) Schlechtestes Prequel, Remake, Rip-off or Sequel hat „Annie“ „gewonnen“. Als schlechtester Schauspieler wurde Kirk Cameron (für Kirk Cameron´s Saving Christmas) ausgezeichnet, schlechteste Schauspielerin Cameron Diaz (für The Other Woman und Sex Tape), schlechtester Nebendarsteller ist Kelsey Grammer (für Expendables 3, Legends of Oz, Think Like a Man Too und Transformers 4: Age of Extinction) und schlechteste Nebendarstellerin Megan Fox (für Teenage Mutant Ninja Turtles). Schlechtestes Paar auf der Leinwand wurde Kirk Cameron und sein Ego (für Kirk Cameron´s Saving Christmas). All die als richtig schlecht ausgezeichneten Filme oder Schauspieler kann ich nicht beurteilen, weil ich keinen der genannte Filme gesehen habe.

Ben Affleck hat auch einen Razzie gewonnen, aber einen über den er sich tatsächlich freuen kann. Er hat den neu eingeführten Redeemer Award gewonnen. Vom einstigen Razzie-Gewinner für „Gigli“ bekommt er diese Wiedergutmachung für seine Leistung für „Argo“ und „Gone Girl“. Gratulation.

2 Gedanken zu “Die Oscars 2015: Alle Gewinner

  1. Na bitte, das ist doch ne ordentliche Quote 🙂
    Die Musik fand ich durchweg unerträglich, über Gaga und Levine müssen wir nicht reden, bei Hudson hatte ich den Ton aus und Legend ist auch nicht mein Fall :))
    Die Präsentation war für mich erwartungsgemäß langweilig. Ich mag NPH nicht besonders.
    Hm, zu Keaton, ich weiß nicht, was heißt schwierig? Das sind doch die meisten, seine Leistungen sind dafür immer gut.

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  2. 🙂

    Keaton gilt als nicht gerade umgänglich, legt Allüren an den Tag, gibt sich den Journalisten gegenüber nicht professionell, etc. Solch Verhalten ist normalerweise bei den A-Schauspielern selten zu finden. Ein Sean Penn kann rumzicken, aber der spielt auch schauspielerisch in einer anderen Liga als Michael Keaton. „Birdman“ war seine große Chance. Er hätte für einige Monate über seinen Schatten springen müssen, den netten Typen geben, und dann – und da bin ich mir hundertprozentig sicher, hätte er (mit diesem Comeback und der auf ihn zuggeschneiderten Rolle) den Oscar gewonnen. So wie der sich während der Oscar-Verleihung gegeben hat, bestätigt nur, was über ihn geredet wird. :no:

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