Oscar-Gewinner 2015 – Stand der Dinge


Ein Oscar-Rennen ist erst wirklich mit der Verleihung der Oscars zu Ende. Gerade als ich dachte, die Oscar-Saison 2014/2015 ist gelaufen, langweiliger kann es kaum noch werden, kam die Wendung.

Ein kleiner Rückblick:

Einen großen Teil der Oscar-Saison sah es nach einem „Boyman“-Rennen aus. Entweder gewinnt Boyhood oder Birdman. Nachdem Boyhood dann aber einen Kritiker-Preis nach dem anderen abgeräumt hat, den Golden Globe für bestes Drama und bester Regisseur gewann und „Birdman“ den Golden Globe gegen „The Grand Budapest Hotel“ verlor, stand der Oscar-Gewinner-Film mit „Boyhood“ fest. „Boyhood“ ist zwar ein ungewöhnlich (kleiner) Oscar-Gewinner-Film, aber wenn so viele von einem Film, der über 12 Jahre gedreht wurde, berührt werden, dann doch auch AMPAS.

Nach den ganzen Kritiker-Preisen, kamen dann aber die Preise innerhalb der Filmindustrie. Die Gewerkschaften der Produzenten und Schauspieler haben ihren Lieblingsfilm gekrönt. Bei den Schauspielern, den SAG-Awards, war es wahrscheinlich, dass entweder Birdman oder The Grand Budapest Hotel gewinnt. Alleine aufgrund der großen, beeindruckenden Besetzung in beiden Filmen. „Birdman“ ist ein Film über Schauspieler und das Showbiz im Allgemeinen. Wenn „Birdman“ nicht bei den Schauspielern punkten kann, dann nirgendwo. „Birdman“ hat den Screen Actors Guild Award für das beste Schauspielensemble in einem Film (vergleichbar mit Bester Film) gewonnen. Noch bevor die SAG Awards verliehen wurden, gab es ein Erdbeben in Hollywood. Die Produzenten krönten absolut überraschend „Birdman“ zum besten Kinofilm des Jahres 2014. Die Producers Guild of America hat mehr als 6500 Mitglieder, die Oscar-Academy hat im Jahr 2015 6124 Mitglieder, die zur Wahl berechtigt sind. Die PGAs kann man durchaus mit den Oscars vergleichen, sogar das Abstimmungsverfahren zur Wahl des Besten Films (preferential voting – Ich habe letztes Jahr mal versucht zu erklären, wie die Wahl des Besten Films bei den Oscars funktioniert. ist bei den Produzenten und AMPAS dasselbe. Seit dem Jahr 2007 haben sämtliche Filme zunächst den PGA und dann den Oscar gewonnen („No Country for Old Men“, „Slumdog Millionaire“, „The Hurt Locker“, „The King´s Speech“, „The Artist“, „Argo“, „12 Years a Slave“ – im letzten Jahr gab es bei den PGAs zwei Gewinner: „12 Years a Slave“ und „Gravity“). Also gute Chancen für „Birdman“ dieses Jahr.

Bekanntlich bilden die Schauspieler (mit derzeit 1150 Mitgliedern) die größte Gruppe innerhalb der Academy-Mitglieder. Mit den SAG-Awards haben sie sich bereits für „Birdman“ entschieden, wählen die Schauspieler, die auch Academy-Mitgiieder sind, auch bei den Oscars für „Birdman“?

Dann haben die Regisseure abgestimmt und den Besten Regisseur des Filmjahres 2014 ausgezeichnet: Alejandro González Iñárritu hat für seinen Film „Birdman“ den DGA gewonnen. Damit wurde „Birdman“ mit dem PGA, SAG und DGA ausgezeichnet.

Ganz aktuell wurden die BAFTAs verliehen. Die Briten haben den Film „Boyhood“ ausgezeichnet. Außerdem hat Richard Linklater den Regie-Preis gewonnen. Es gibt einen sehr großen britischen Anteil unter den Oscar-Academy-Mitgliedern.

Tja, dann war es auf einmal wieder das „Boyman“-Rennen. Entweder gewinnt „Boyhood“ oder „Birdman“. Das erinnert etwas an das Oscar-Jahr 2010 in dem „The Social Network“ alle Kritiker-Preise abgeräumt hat und „The King´s Speech“ erst den PGA, SAG und DGA und dann den Oscar gewann. Was ist denn mit American Sniper? Der mit Abstand erfolgreichste Film der diesjährigen Saison. Ein sehr kontroverser Film, der sehr spät ins Oscar-Rennen einstieg. Er kam zu spät, um die Auslandspresse (Golden Globes) und die Schauspiel-Garde von sich zu überzeugen. „American Sniper“ wurde von den Produzenten (PGA) als Bester Film nominiert, Clint Eastwood wurde von den Regisseuren (DGA) als Bester Regisseur nominiert. Clint Eastwood ist einer der angesehensten Regisseure in Hollywood. AMPAS hat „American Sniper“ als Bester Film nominiert, ihn aber nicht als Bester Regisseur. Das erinnert wiederum an „Argo“ und die Nicht-Nominierung von Ben Affleck. Wenn „American Sniper“ früher in die amerikanischen Kinos gekommen wäre (vielleicht im November), wäre es aller Wahrscheinlichkeit nach einAmerican Boyman“-Rennen . Da „Birdman“ aber nun den PGA, SAG und DGA gewonnen hat und „Boyhood“ alle Kritiker hinter sich hat und die Auslandspresse und die Briten ist es nun mal ein „Boyman“-Rennen. Ich bin aber froh, dass es jetzt endlich überhaupt wieder ein Rennen ist. Beide Filme können nach wie vor gewinnen, auch wenn „Birdman“ gerade einen nicht unwesentlichen Vorteil hat.

Hier eine Zusammenfassung und ein paar Fakten:

„Birdman“ hat den PGA, SAG und DGA gewonnen.

Es gewinnt oftmals der Film mit den meisten Oscar-Nominierungen. („Birdman“ und „The Grand Budapest Hotel“ haben mit jeweils 9 Nominierungen, die meisten)

„Birdman“ hat den Golden Globe, Best Comedy (an „The Grand Budapest Hotel“) verloren und gewinnt dann den Oscar? Das gab es letztes Mal im Jahr 1977. Woody Allens Film „Annie Hall“ hat den Golden Globe in der Kategorie Best Comedy verloren, dann aber den Oscar als Bester Film gewonnen.

„Birdman“ hat keine Oscar-Nominierung für den Besten Schnitt. Das letzte Mal, dass ein Film den Oscar als Bester Film gewonnen hat und nicht in der Kategorie Bester Schnitt nominiert war, war im Jahr 1980 mit Ordinary People.

Der Oscar-Film gewinnt üblicherweise auch einen Schauspiel-Oscar. Damit komme ich zu dem zweiten großen Fragezeichen. Welcher Schauspieler kann die Kategorie Bester Hauptdarsteller für sich entscheiden? Ich habe es in meinem Beitrag zu „American Sniper“ bereits angedeutet: Es wird sich zwischen Eddie Redmayne (The Theory of Everything), Michael Keaton („Birdman“) und Bradley Cooper („American Sniper“) entscheiden. Michael Keaton und Eddie Redmayne haben in jeweils ihrer Kategorie (Best Comedy, Best Drama) den Golden Globe gewonnen. „American Sniper“ kam zu spät, um überhaupt für den Golden Globe nominiert zu werden. Eddie Redmayne hat den SAG-Award gewonnen, wenn „Birdman“ der große Abräumer am 22.2.15 wird, könnte Michael Keaton da mitgerissen werden. Und Bradley Cooper sitzt völlig entspannt im Hintergrund und könnte als dreimaliger Oscar-Nominierter in Folge den Oscar am 22.2.15 nach Hause nehmen. Es ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, dass Mr. Cooper den Herren Redmayne und Keaton die große Oscar-Sause zunichte macht.

Einige denken, dass die OSCARS eine rein amerikanische Veranstaltung ist. Wenn man sich nicht so mit den Academy Awards beschäftigt, ist einem vielleicht nicht bewusst, dass in den letzten Jahren oftmals nicht-amerikanische Filme, den Oscar gewannen. Es ist noch nicht sonderlich lange her, dass „Slumdog Millionaire“, „The King´s Speech“, „The Artist“ den Oscar als Bester Film gewannen. Selbst der Gewinner-Film vom letzten Jahr „12 Years a Slave“ ist von einem britischen Regisseur. Bei den Regisseuren haben die letzten Jahren britische (Tom Hooper für „The King´s Speech“), französische (Michel Hazanavicius für „The Artist“), taiwanesische (Ang Lee für „Life of Pi“) mexikanische (Alfonso Cuaron für „Gravity“) Regisseure den Oscar gewonnen. Dieses Jahr könnte mit Alejandro González Iñárritu auch wieder ein mexikanischer Regisseur den Oscar gewinnen. Bei den Schauspielern ist es selbstverständlich nicht anders: Daniel Day-Lewis, Jean Dujardin, Colin Firth, Cate Blanchett, Kate Winslet, Marion Cotillard, Helen Mirren, Christoph Waltz, Christopher Plummer, Christian Bale, Javier Bardem, Lupita Nyong `o, Penelope Cruz, Tilda Swinton, um nur ein paar Oscar-Gewinner der letzten Jahre zu nennen, sind KEINE AMERIKANER.

Die derzeitigen Favoriten (Stand 9.2.15) in den sechs wichtigsten Kategorien sind folgende:

Bester Film: „Birdman“
Bester Regisseur: Alejandro González Iñárritu
Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne („The Theory of Everything“), Michael Keaton („Birdman“) oder Bradley Cooper („American Sniper“) derzeit in der Reihenfolge
Beste Hauptdarstellerin: Julianne Moore („Still Alice“)
Bester Nebendarsteller: J. K. Simmons („Whiplash“)
Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette („Boyhood“)

Von allen Kandidaten, die je für eine Oscar-Nominierung im Gespräch waren, habe ich mir folgende Filme angeschaut (gelistet in der Reihenfolge, in der ich sie gesehen haben): The Lego Movie, The Grand Budapest Hotel, Muppets Most Wanted, The Double, The Two Faces of January, Under the Skin, Love is Strange, Match, Bad Hair, Locke, Starred Up,  Chef,  The Immigrant, Boyhood, X-Men: Days of Future Past, Dawn of the Planet of the Apes, Begin Again, A Most Wanted Man,  Calvary, Get On Up, Maps to the StarsThe Skeleton Twins, The Drop, The Disappearance of Eleonor Rigby: Them, Pride,  Gone Girl, The Boxtrolls, While We´re Young, Whiplash, The One I Love, The Judge, Kill the Messenger, Citizenfour, Frank, St. Vincent, Birdman, Serena, „Finding Vivian Maier“, Interstellar, Rosewater, The Theory of Everything, Obvious Child, The Imitation Game, Nightcrawler, Foxcatcher, Big Hero 6, Fury,  The Hunger Games: Mockingjay, Part 1, Wild Tales, Wild , Top Five„Top Five“The Babadook, Snowpiercer, Ida, Clouds of Sils Maria, Force Majeure, Only Lovers Left Alive, Mr. Turner, The Trip to Italy, Two Days, One Night, A Most Violent YearInherent Vice, Into the Woods, Big Eyes, Selma, American Sniper, Still Alice

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