Boston – Film: "American Sniper"


Ich war am 17.01.15 in Boston und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„American Sniper“ (dt. Filmtitel: „Der Scharfschütze“, dt. Kinostart: 26.02.15) 132 min drama, biopic, adaptation
dir. Clint Eastwood cast: Bradley Cooper, Sienna Miller, Max Charles, Luke Grimes, Kyle Gallner

Der Texaner Chris Kyle (Bradley Cooper) tritt im Jahr 1999 den Navy SEALs bei und lässt sich als Scharfschützer ausbilden. Er heiratet Taya (Sienna Miller) und wird nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu seinem ersten Einsatz in den Irak geschickt. Seine Aufgabe als Scharfschütze ist vordergründig, seine Kameraden vor Selbstmordattentätern oder anderen Anschlägen zu schützen. Mit seiner Treffsicherheit wird er schon bald zu einer Legende.

B- (Wertung von A bis F) „American Sniper“ basiert auf Chris Kyles Memoiren „American Sniper: The Autobiography of the Most Lethal Sniper in U.S. Military History“.

Ein Spielfilm ist ein Spielfilm, auch wenn es sich um ein sogenanntes Biopic handelt, ist es immer noch ein Spielfilm. Ein Spielfilm ist keine Dokumentation und auch keine Schulungsgrundlage. Filmemacher müssen – in meinen Augen – in Biopics ein Leben nicht 1:1 wiedergeben, sie dürfen auch, um den Zuschauern eine spannende Geschichte zu erzählen, dramatisieren. Was sie aber nicht tun sollten, ist entscheidend die Tatsachen verdrehen oder die Charaktere so zu verändern, dass die porträtierte Persönlichkeit zu einer anderen wird, als sie ist/ bzw. war.

Dem Film „American Sniper“ habe ich entnommen, dass Chris Kyle ein (später) zwar traumatisierter, aber makelloser Held war. Die Geschichte im wahren Leben stellt sich aber etwas anders dar.

Ich fand es nicht leicht, „American Sniper“ zu bewerten. Insbesondere, da ich nur eine Woche zuvor Selma gesehen habe. Der Film, der in der diesjährigen Oscar-Saison wegen einer Kleinigkeit, die weder die Geschichte noch die Persönlichkeiten entscheidend anders gezeigt hat, in der Luft zerrissen wurde. Der Film, der in der diesjährigen Oscar-Saison wesentlich kritischer betrachtet werden sollte ist: „American Sniper“.

Clint Eastwood erzählt seine Version von Chris Kyles Leben und das ist eine amerikanische Kriegshelden-Geschichte. Nun sieht ein friedfertiger Europäer den Film sicherlich generell anders als ein kriegsbereiter und schießwütiger Macho-Amerikaner. Wenn man die U.S.A. nicht für the greatest country on earth hält, könnte man Probleme mit dem Film haben. Wer sich noch an das ganze absurde Trara erinnert, das die damalige Bush-Regierung veranstaltet hat, um ihre Bevölkerung und auch ihrer Verbündeten von der Notwendigkeit eines Irak-Krieges zu überzeugen, der könnte Probleme mit dem Film haben. Wenn man „American Sniper“ sieht, könnte man fast meinen, dass die Amerikaner diesen Krieg immer noch für gerechtfertigt halten.

Fehlereingeständnisse sind nicht so Clint Eastwoods Ding. Von dem konservativen Filmemacher bekommt man eine sehr einseitige Geschichte zu sehen. Es gibt nur schwarz und weiß – die Iraker sind die Bösen, die Amerikaner sind die Guten. In „American Sniper“ geht es darum, einen amerikanischen Helden zu feiern. Einer, der sich eingesetzt hat für sein Land und seine Kameraden. Chris Kyle war ein Elite-Soldat und Scharfschütze, der zur Legende wurde weil er mehr als 160 Iraker getötet hat.

So, jetzt habe ich aber „American Sniper“ mit einem B- bewertet. Ich habe die Politik und die Authentizität der Figur beiseite gelassen und dann ist der Film recht spannend und gut fotografiert. Die Szenen im Irak fand ich sehr atmosphärisch, auch wenn mich die dort geführten Telefonate manchmal beinahe aus dem Film warfen.

Bradley Cooper hat für diese Rolle ordentlich an Gewicht zugelegt. Sein Schönling-Image ist abgelegt und dadurch wirkt er irgendwie männlicher. Seine Performance ist sehr überzeugend und seine Oscar-Nominierung kann man vertreten. Bradley Cooper wurde für Silver Linings Playbook und für American Hustle für den Oscar nominiert. Gerade wurde er für „American Sniper“ mit seiner dritten Oscar-Nominierung in Folge bedacht. Drei Oscar-Nominierungen hintereinander sind sehr selten und ein Beweis dafür, dass die Academy-Mitglieder ihn mögen. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht. Derzeit sieht es so aus, als ob sich der Oscar-Gewinner in der Kategorie Bester Hauptdarsteller zwischen Eddie Redmayne (The Theory of Everything) und Michael Keaton (Birdman) entscheidet. Was wäre, wenn sich die Academy-Mitglieder nun nicht zwischen diesen Beiden entscheiden können und die Wahl auf Bradley Cooper fällt? Wenn man bedenkt, dass „American Sniper“ der mit großem Abstand erfolgreichste Film der diesjährigen Oscar-Filme ist, ist Bradley Cooper als Oscar-Gewinner nicht abwegig.

Ich habe den Film in einer komplett ausverkauften Vorstellung in einem riesigen Kinosaal gesehen. Als ich rauskam, standen bereits die Nächsten Schlange, um reingelassen zu werden. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal so erlebt habe.

Clint Eastwood ist mittlerweile 84 Jahr alt, er hat seine Karriere in der Branche als Schauspieler begonnen und arbeitet seit den 1970er Jahren auch als Regisseur. Wenn er als Regisseur einen Film dreht, ist er bekannt dafür, die Produktionskosten gering zu halten. Er braucht keine langen Drehzeiten. Szenen lässt er selten wiederholen, meistens nimmt er sie schon nach dem ersten oder zweiten Take ab. Clint Eastwood ist aber auch ein sehr politischer Mensch. Er ist Republikaner. In den 1980er Jahren war er Bürgermeister der kalifornischen Stadt Carmel. Während des Republikaner-Kongresses vor der letzten Präsidentschaftswahl hat er auf der Bühne mit einem leeren Stuhl geredet (und so getan als ob Barack Obama darauf sass) – unvergessen.

„American Sniper“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2014 gezeigt.

Bislang war Steven Spielbergs Film „Saving Private Ryan“ der erfolgreichste Kriegsfilm in den U.S.A. Der Film hat allein in den U.S.A. 216 Millionen Dollar eingespielt. „American Sniper“ wurde am 25.12.14 in ganzen vier Kinos in den U.S.A. gestartet. Am 17.1.15 hatte der Film seinen wide release auf insgesamt 3555 Leinwänden. Der Film hat an der Kinokasse sämtliche Rekorde gebrochen. Bis zum 29.01.15 hat der Film allein in seinem Heimatland 217 Millionen Dollar an der Kinokasse eingespielt. Jetzt ist „American Sniper“ der erfolgreichste Kriegsfilm in den U.S.A.

„American Sniper“ wurde kürzlich für sechs Academy Awards nominiert. Eine Oscar-Nominierung gab es für folgende Kategorien: Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Bradley Cooper), Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt und Bestes adaptiertes Drehbuch. Update: Bei der 87. Oscar-Verleihung am 22.2.15 hat „American Sniper“ einen Oscar (Bester Ton) gewonnen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Gunman“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Zwei meiner Lieblingsschauspieler (Sean Penn und Javier Bardem) in einem Actionthriller – na logisch gucke ich den.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Terminator Genisys“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: noch einer? Was die Welt so alles nicht braucht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Furious 7“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Der siebentausendste Teil der Reihe
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Chappie“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: Neil Blomkamps neuer Film sieht aus wie ein Sci-Fi-Film für Teenager. Erschwerend dazu kommt, dass Dev Patel und Hugh Jackman mitspielen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „Mad Max: Fury Road“
Bewertung des Trailers: A
Kommentar: Ich gebe zu, dass ich nicht einen Teil dieser Reihe gesehen habe. Diesen muss ich sehen, nicht nur wegen Tom Hardy, der Trailer sieht wirklich krassgut aus – vor allen Dingen auf so einer riesigen Leinwand.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „In the Heart of the Sea“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Ron Howards neuer Film – da sehe ich derzeit noch keinen Grund, den Film zu sehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Kingsman: The Secret Service“
Bewertung des Trailers: A- (neuer Redband-Trailer)
Kommentar: Matthew Vaughns neuer Film, Comicbuch-Verfilmung mit Colin Firth, Michael Caine und Samuel L. Jackson
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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