L. A. – Film: "Selma"


Ich war am 8.1.15 in Los Angeles und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Selma“ (dt. Kinostart: 19.02.15) 128 min drama
dir. Ava DuVernay cast: David Oyelowo, Tom Wilkinson, Giovanni Ribisi, Tim Roth, Carmen Ejogo, Cuba Gooding Jr., Oprah Winfrey, Alessandro Nivola, Martin Sheen, Dylan Baker, Henry G. Sanders, Stan Houston, Lorraine Toussaint

U.S.A. im Jahr 1965. Rassendiskriminierungen und Gewalt gegen afroamerikanische Bürger bestimmen das Land. Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King, Jr. (David Oyelowo) und viele andere Aktivisten mobilisieren die Bevölkerung, sich gegen die Rassentrennung aufzulehnen und für das Wahlrecht schwarzer Mitbürger zu kämpfen. Sie organisieren einen großen friedlichen Protestmarsch, beginnend in der Kleinstadt Selma bis zu der Hauptstadt Alabamas in Montgomery.

A- (Wertung von A bis F) Die in „Selma“ erzählte Geschichte beginnt mit Dr. Martin Luther King, Jrs. Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis und endet knapp drei Monate später.

Ich bin mit sehr großen Erwartungen in den Film gegangen. „Selma“ ist nach Boyhood (98% RT/ 100% Metacritic), der von den amerikanischen Kritikern am besten bewertete Film (99% RT/ 89% Metacritic) des Filmjahres 2014. „Selma“ war der letzte Film, den ich gucken wollte, bevor ich meine Top Ten-Liste 2014 erstelle. Der Film hat mich nicht enttäuscht. Bereits mit einer der Anfangsszenen (mit den Mädchen in der Kirche) wusste ich, hier einen ganz besonderen Film zu sehen.

Der Film gibt einen Einblick in das Leben des berühmten Bürgerrechtlers und gibt einem ein Gefühl dafür, was er für ein Mann war, wie er gedacht hat und was ihn letztlich ausgemacht hat. Ava DuVernay hat ihn nicht als Held gezeichnet, Er war ein ganz normaler Mann, der auch sein Müll rausbringen muss, private Probleme hatte und dem auch oft schon mal die Worte gefehlt haben. Man sieht wie er seine Reden vorbereitet und auch Zuhause probt. Man bekommt ein Gefühl für Dr. Kings rhetorischen Fähigkeiten und wie er Massen begeistern konnte. Selma ist aber auch ein Film über diese Zeit und nicht zuletzt über all die anderen Aktivisten, die sich dafür eingesetzt haben, dass afroamerikanische Bürger ein legales Wahlrecht bekommen.

Der Film lebt von seinen authentischen Schauspielern. Mit Ausnahme von Cuba Gooding Jr. (der mich komplett aus dem Film geworfen hat) und Tim Roth (der mich mit diesem Akzent leider auch völlig rausgebracht hat) bringt der Film nur exzellente Performances hervor. Der britische Schauspieler David Oyelowo trägt den Film, aber es sind auch die vielen afroamerikanischen Schauspieler, die den Film sehenswert machen.

In den U.S.A. wurde der Film dafür kritisiert, dass der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson (hervorragend gespielt von dem britischen Schauspieler Tom Wilkinson) nicht positiv genug gezeichnet wurde.

Ava DuVernay hat einen großartigen Film inszeniert. Man sieht, dass sie ein Auge für eindrucksvolle und einprägsame Szenenbilder hat. Die Regie- und Kameraarbeit (Kameramann Bradford Young Ain´t Them Bodies Saints, A Most Violent Year) haben mich besonders begeistert. „Selma“ ist ein dialogreicher Film, der sich aber auch Zeit für die Kraft der Bilder nimmt. Es gibt einige Gänsehaut-Momente. Die Szene mit dem Großvater, dessen Enkel getötet wurde und die finale Sequenz waren so stark, dass mir die Tränen gekommen sind.

„Selma“ ist erst Ava DuVernays dritter Kinofilm. Bevor sie ins Regiefach wechselte, arbeitete sie als Pressereferentin für einige Filmprojekte. Sie war angestellt, hat sich dann aber mit ihrer eigenen Marketingfirma selbständig gemacht. Sie kennt die Filmbranche, gerade was Kampagnen angeht, auch von der anderen Seite. Ava DuVernay drehte ihren ersten Film (einen Kurzfilm) erst im Jahr 2006. Nach einigen TV-Produktionen hat sie im Jahr 2010 mit „I Will Follow“ ihren ersten Kinofilm inszeniert. Mit ihrem zweiten Kinofilm („Middle of Nowhere“) hat sie bereits den Regiepreis auf dem Sundance Film Festival 2012 gewonnen. Jetzt mit ihrem dritten Film („Selma“) wurde sie als beste Regisseurin für einen Golden Globe nominiert. Sie ist die erste afroamerikanische Frau, die überhaupt in der Kategorie Beste Regie für den Golden Globe nominiert wurde. Was für eine Karriere – ich denke, dass wir in den nächsten Jahren noch sehr viel von Ava DuVernay hören/ bzw. sehen werden.

Ava DuVernay ist mit dem Originaldrehbuch zu „Selma“ bereits im Jahr 2007 von Studio zu Studio gezogen, um irgendwie ihren Film finanziert zu bekommen. Letztlich haben Oprah Winfrey und Brad Pitt den Film produziert. Oprah Winfrey ist es auch zu verdanken, dass der Film mit Paramount einen amerikanischen Verleiher gefunden hat. Oprah Winfrey spielt eine kleine Nebenrolle im Film. Sie gibt eine überraschend zurückhaltende und gute Performance.

Zum Schluss des Films gab es Applaus vom Publikum.

„Selma“ wurde erstmalig auf dem AFI Fest 2014 gezeigt.

„Selma“ war für viele Oscar-Nominierungen im Gespräch. In der Oscar-Saison ist „Selma“ Opfer einer Schmutzkampagne geworden. Der Film hätte es verdient gehabt, in einigen Kategorien für den Academy Award nominiert zu werden. „Selma“ wurde aber nur für jeweils einen Academy Award in den Kategorien Bester Film und Bester Song („Glory“ von John Legend und Common) nominiert. Update: „Selma“ wurde auf der 87. Oscar-Verleihung am 22.2.15 mit einem Oscar (Bester Song) ausgezeichnet.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Black or White“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Tragikomödie mit Kevin Costner und Octavia Spencer
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: eher nicht

Trailer v. Film: „McFarland USA“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: wieder so ein Sportsfilm mit Kevin Costner
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Boy Next Door“
Bewertung des Trailers: D (neuer Trailer)
Kommentar: Thriller mit J.Lo, John Corbett.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Wedding Ringer“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: RomCom mit Kevin Hart und Josh Gad. Ich kann nicht mal mehr diesen Trailer sehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 6 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: niemals!!!!

Trailer v. Film: „The Second Best Exotic Marigold Hotel“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Ich habe den ersten Teil nicht mal komplett gesehen. Dieser ist neben Maggie Smith, Bill Nighy, Judi Dench auch mit Richard Gere und David Strathairn. Dieser Trailer verrät, dass der Film Bollywood-mäßig ist und damit kann ich ihn unter keinen Umständen gucken.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Terminator Genisys“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: noch einer? Was die Welt so alles nicht braucht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Project Almanac“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Zeitreisen-Sci-Film. Wenn der Name Michael Bay schon im Trailer auftaucht, bin ich raus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Ich war überrascht solche Trailer vor „Selma“ zu sehen – sind es doch hauptsächlich Filme, die sich jemand, der sich für „Selma“ interessiert, wahrscheinlich eher nicht angucken würde.

2 Gedanken zu “L. A. – Film: "Selma"

  1. Die Trailer hauen mich um – wie kann man sowas vor Selma bringen ? :))

    Wie kann man eigentlich eine Schmutzkampagne gegen einen Film über einen der Freiheitshelden der USA führen? Wie äußerte sich das?
    Bin ich auf jeden Fall gespannt drauf, auch wenn mir Pitts Werbetrommelei nicht so sehr gefallen hat. Aber klappern gehört zum Handwerk 🙂

    Liken

  2. Sag ich doch. :))

    Naja es trifft ja jedes Jahr mindestens einen Film. Meistens ist es einer der Filme, der recht spät gezeigt wurde und als potenzieller Oscar-Gewinner-Film eine Bedrohung darstellt. Ich kann mich noch gut an Kathryn Bigolows „Zero Dark Thirty“ und die damals geführte Schmutzkampagne erinnern. In Ava DuVernays Film wurde hauptsächlich beklagt, dass der amerikanische Präsidenten LBJ. zu schlecht bei wegkommt. In meinen Augen kommt er positiv rüber, er war halt Politiker und hat danach gehandelt. Ava DuVernays Film ist auch kein Biopic über Lyndon B. Johnson. Ein Filmemacher hat in meinen Augen eine gewisse künstlerische Freiheit. Sie hatte beispielsweise auch nicht die Rechte an dem Wortlaut von Dr. Kings Reden (wie ich gehört habe, liegen die Rechte bei Steven Spielberg), so hat sie andere Reden geschrieben und schreiben lassen.

    Fakt ist, dass die oscar campaigner erfolgreich mit ihrer Strategie waren, weil Selma nur zwei Oscar-Nominierungen erhalten hat. Man könnte auch (und das tun viele) rassistische Gründe dahinter vermuten.

    Wenn man seine Prominenz für eine gute Sache oder einen guten Film einsetzt, finde ich das generell gut. Es sei denn man nutzt es ausschließlich, um sein eigenes Image aufzuwerten. Brad Pitt ist in meinen Augen aber nicht so, ich habe ihn schon länger nicht für „Selma“ gesehen. Er war nicht mal bei den Golden Globes.

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