NYC – Film: "Gone Girl"


Ich war am 26.09.14 in New York und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Gone Girl“ (dt. Filmtitel: „Gone Girl – das perfekte Opfer“, dt. Kinostart: 02.10.14) 145 min thriller, drama, adaptation
dir. David Fincher cast: Rosamunde Pike, Ben Affleck, Carrie Coon, Kim Dickens, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Patrick Fugit, Sela Ward, Boyd Holbrook

Als Nick Dunne (Ben Affleck) an seinem fünften Hochzeitstag nach Hause kommt, ist seine Ehefrau Amy (Rosamunde Pike) verschwunden. Es deutet einiges auf ein Verbrechen hin, Detective Rhonda Boney (Kim Dickens) und Officer Jim Gilpin (Patrick Fugit) ermitteln in dem Fall. Bald erhärten sich die Indizien, dass Nick etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zutun hat.

B+ (Wertung von A bis F) „Gone Girl“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn. Die Romanautorin hat auch das Drehbuch zu dem Film verfasst. Ich habe den Roman gelesen.

Der Film „Gone Girl“ ist ein düsterer und wendungsreicher Thriller über eine vermeintlich glückliche Ehe, über Männer, aber noch mehr blickt er hinter die Fassade von Frauen im Allgemeinen und moderne, coole Frauen im Besonderen. Der Film beschäftigt sich auch damit, wie viele unterschiedlichen Persönlichkeiten in einer einzigen Person stecken. Jeder Mensch hat ein anderes Bild von einem. Wie präsentiert man sich und wie will man von anderen wahrgenommen werden? Wer kennt die wahre Persönlichkeit, die vielleicht hinter einem steckt – inwieweit kennen der Partner, die Eltern, die Geschwister und die Freunde einen und inwieweit kennt man sich eigentlich selbst? Warum gibt man vor jemand zu sein, der man vielleicht gar nicht ist. Hat man Einfluss auf seine Außenwirkung? In „Gone Girl“ hat die Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild von Nick Dunne (gespielt von Ben Affleck). Gelingt es ihm, dieses Bild zu verändern? Sind Medien manipulierbar?

Vermutlich sehen Frauen den Film anders als Männer.

Eine Romanverfilmung ist für den Zuschauer, der das Buch kennt, immer irgendwie schwierig. Ich bin niemand, die ein Buch haargenau verfilmt haben will. Jedes Werk sollte für sich stehen. Ein Filmemacher hat die kreative Freiheit, seine Vorstellung umzusetzen. Der Leser, der sich den Film anschaut, kann sich aber wiederum natürlich auch nicht davon freimachen, eine bestimmte Erwartung und Vorstellung an die filmische Umsetzung zu haben. Beinahe zwangsläufig fallen einem Veränderungen zum Buch auf, einiges wird ausgelassen, manche Charaktere erscheinen im Film nicht so wichtig oder finden erst gar keinen Weg in den Film. Wenn der Film dann noch auf einem Buch mit entscheidenden Wendungen basiert, wartet man natürlich auf diese, genauso wie auf prägnante Szenen. Das Ende des Films hat Gillian Flynn mit ihrem Drehbuch etwas abgeändert.

Vermutlich werden die Leser des Buches und diejenigen, die die Vorlage nicht kennen, den Film unterschiedlich sehen.

Gillian Flynn hat eine hervorragende Vorlage für einen Film geschrieben und David Fincher („Seven“, „Fight Club“, „The Game“, „Zodiac“, „Panic Room“, The Social Network) hat „Gone Girl“ zu seinem Film gemacht. In meinen Augen, sieht man sofort das „Gone Girl“ ein Fincher-Film ist, ich mag es, wenn Filmemacher eine wiedererkennbare Handschrift haben.

Gleich zu Beginn des Films ist mir der Score (negativ) aufgefallen. Mir war die Filmmusik von Trent Reznor und Atticus Ross zu aufdringlich. Teilweise war sie, gerade zum Anfang, so laut, dass ich mich regelrecht anstrengen musste, die Dialoge zu verstehen. Später im Film habe ich den Score nicht mehr so stark wahrgenommen, vielleicht weil ich dann auch bereits zu sehr von der Geschichte gefesselt war.

Eine grandiose Performance gibt hier Rosamunde Pike. Die Rolle wird der britischen Schauspielerin zu ihrem wohlverdienten Durchbruch verhelfen und ihr sehr wahrscheinlich auch eine Oscar-Nominierung bescheren. Man sollte aber nicht vergessen, dass die komplexe Romanfigur auch einen gewissen Anteil am Erfolg von Rosamunde Pike hat. So eine faszinierende Frauenrolle würden wahrscheinlich viele Schauspielerinnen gerne spielen, nur kaum eine könnte Amy so glaubwürdig verkörpern wie Rosamunde Pike.

Perfekt besetzt ist aber auch Ben Affleck. Habe ich das wirklich geschrieben? Wer mich kennt, weiß wie ich über ihn als Schauspieler denke. Überhaupt ist es, wie bei einem Fincher-Film nicht anders zu erwarten, ein tolles Ensemble. Neil Patrick Harris, Boyd Holbrook und Tyler Perry (man mag es kaum glauben) geben eine solide Performance. Richtig gut haben mir aber auch Kim Dickens als Detective Boney und Carrie Coon als Nicks Zwillingsschwester Margo gefallen. Beide Figuren bzw. Schauspieler sorgen auch für den nötigen Humor im Film. Für mich sticht aber auch noch Missi Pyle (Ist DAS ein Name) heraus, sie spielt die skandal- und einschaltquotensüchtige Moderatorin Ellen Abbott. In den U.S.A. gibt es mit Nancy Grace genau so eine penetrante Talkshow-Moderatorin.

Der Film ist knapp 2 1/2 Stunden lang, mir kam er aber nicht so lang vor. In meiner – logischerweise – ausverkauften Opening Night Vorstellung gab es 3 x Szenenapplaus. Da diese kleine Spoiler enthalten, habe ich die Szenen, in den applaudiert wurde, nach dem Link zum Trailer wage aufgelistet. Zum Schluss des Films gab es einen großen Applaus.

Meine Lieblingsszene in dem Film ist, ganz klar, die „cool girl“-Szene.

Am Ende des Films habe ich mich gefragt, ob mir der Film vielleicht noch besser gefallen hätte, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte. Ich werde ihn mir sicherlich ein zweites Mal anschauen.

„Gone Girl“ startet in den U.S.A. am 3.10.14. Der Film wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2014 gezeigt. Ich habe den Film in der Opening Night auf diesem Festival gesehen. Meine Vorstellung war nicht die Weltpremiere, die fand in einem anderen Kinosaal, genau 15 Minuten vor meiner Vorstellung statt. Für mich war es aber zweifelsfrei ein besonderes Screening. Bislang habe ich es noch nie auf dieses Prestige-Filmfestival geschafft. Das NYFF findet Ende September bis Mitte Oktober statt und liegt damit für mich zeitlich ungünstig.

„Gone Girl“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Ben Affleck), Beste Hauptdarstellerin (Rosamunde Pike), Bester Nebendarsteller (Neil Patrick Harris, Tyler Perry), Beste Nebendarstellerin (Carrie Zoon), Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kameraführung, Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Beste Filmmusik. Normalerweise werden Krimis oder Thriller aber selten für Oscars nominiert, noch seltener werden sie ausgezeichnet. „The Silence of the Lambs“ und „The Departed“ bildeten Ausnahmen. Der einzige Alfred Hitchock-Film, der jemals einen Oscar gewonnen hat, war „Rebecca“. „Gone Girl“ ist nicht so gut wie „The Silence of the Lambs“ und David Fincher hat noch nicht den Status eines Martin Scorsese erreicht, daher kann der Mainstream Film „Gone Girl“ hinsichtlich der Oscars in verschiedene Richtungen gehen. Sicher sind meines Erachtens aber Oscar-Nominierungen für Rosamunde Pike und das beste adaptierte Drehbuch.

Die offizielle Website:

http://www.gonegirlmovie.com

Trailer zu sehen:

Minispoiler für „Gone Girl“: In meiner Vorstellung gab es 3x Szenenapplaus: 1x als sich Amy nach einer bestimmten Bettszene die Haare richtet, 1x für Nick Dunnes „You fucking bitch!“ und 1 x für einen Spruch von Tyler Perrys Tanner Bolt.

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2 Gedanken zu “NYC – Film: "Gone Girl"

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