Berlin – Film: "A Most Wanted Man"


Ich war am 31.07.14 in Berlin und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„A Most Wanted Man“ (dt. Kinostart: 11.09.14) 121 min drama, thriller, adaptation
dir. Anton Corbijn cast: Philip Seymour Hoffman, Grigorly Dobrygin, Rachel McAdams, Willem Dafoe, Daniel Brühl, Nina Hoss, Robin Wright, Rainer Bock, Herbert Grönemeyer

Mohammed Atta und seine Terrorzelle haben den Terroranschlag vom 11.September 2001 in Hamburg vorbereitet. Die Geheimdienste haben seinerzeit versagt.

Hamburg im Jahr 2012. Günther Bachman (Philip Seymour Hoffman) leitet eine geheime Anti-Terror-Einheit in Hamburg. Er hat Informanten innerhalb der islamischen Gemeinde. Er lässt observieren und wartet mit seinen Leuten geduldig, bis sie eines Tages an richtig große Fische herankommen. Als der 26-jährige Muslim Issa Karpov (Grigorly Dobrygin) auf illegalem Weg nach Hamburg kommt und in der islamischen Szene auftaucht, hängen sie sich an Issas Fersen. Ist der Mann ein Terrorist und plant einen Anschlag? Wen kontaktiert er und was hat er genau vor? Der Chef des deutschen Geheimdienstes Dieter Mohr (Rainer Bock) und die hochrangige CIA Mitarbeiterin Martha Sullivan (Robin Wright) würden Issa Karpov am liebsten gleich hochnehmen. Das Misstrauen ist auf allen Seiten groß.

B (Wertung von A bis F) „A Most Wanted Man“ ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von John le Carré.

Die Geschichte ist ganz mein Thema, nicht umsonst zählt „Homeland“ (zumindest die 1. und die 2. Staffel) zu meinen Lieblingsserien. Wie bereits die John-le-Carré-Filmadaption „Tinker Tailor Soldier Spy“ richtet sich dieser britische Spionage-Thriller eindeutig an ein Arthouse-Publikum. Es ist ein nuancierter Spionagethriller, der durch seine langsame und ruhige Erzählweise Geduld erfordert. Mir war der Film teilweise zu ruhig.

Der Film hat ein hervorragendes Produktionsdesign, auch wenn es sich oftmals nicht so anfühlt, als wäre es aus dem jetzigen Jahrzehnt. Gedreht wurde ausschließlich in Deutschland, hauptsächlich in Hamburg, aber auch in Berlin.

Üblicherweise habe ich ein Problem damit, wenn fremdsprachige Filmcharakter (in diesem Fall deutsche) sich im eigenen Land nicht in der Landessprache unterhalten. Leider hat mir diese Tatsache auch bei „A Most Wanted Man“ zu schaffen gemacht. Bei Philip Seymour Hoffman habe ich es aber relativ schnell vergessen können. P.S. Hoffman schlüpft hier – wie er es immer getan hat – nicht nur in einen Filmcharakter, sondern er verschmelzt mit diesem. Wenn diese Filmfigur nunmal ein kettenrauchender und zuviel trinkender deutscher Geheimdienstler ist, dann ist es so. Seine Figur, Günther Bachmann, hat mich völlig in den Bann gezogen. Ansonsten war ich von der deutschen Schauspielerin Nina Hoss (die ich sonst oft für überschätzt halte) begeistert. Mit Ausnahmen von Rachel McAdams sind alle Figuren glaubhaft besetzt. Rachel McAdams spielt hier eine deutsche Menschenrechtsanwältin, die konnte und wollte ich ihr nicht abnehmen. Beinahe mit jedem Auftritt hat mich die Darstellerin aus der Geschichte gebracht.

Als bei einer Szene in einem Hamburger Club die Musik von DAF eingespielt wurde, ist mir ganz warm ums Herz geworden.
.
Komponist und Sänger Herbert Grönemeyer hat hier nicht nur für den passenden, unauffälligen Score gesorgt, er ist hier auch wieder mal als Schauspieler zu sehen.

Tragischerweise ist einer, wenn nicht sogar der größte Charakterschauspieler unserer Zeit, Philip Seymour Hoffman, im Februar dieses Jahres verstorben. In „A Most Wanted Man“ spielt er seine letzte Hauptrolle. Er wird jetzt nur noch in den beiden Teilen von „The Hunger Games: Mockingjay“ auftauchen. Hier ist mir drastisch bewusst geworden, was er für eine nicht zu schließende Lücke in der Welt des Kinos hinterlässt.

Gewidmet wurde „A Most Wanted Man“ Philip Seymour Hoffman und dem bereits im Jahr 2009 verstorbenen britischen Filmproduzenten Simon Channing Williams. Simon Channing Williams hatte anlässlich der Veröffentlichung des Romans „A Most Wanted Man“ einen Kurzfilm produziert, in dem John le Carré über sein neuestes Werk sprach. Die Romanverfilmung von John le Carrés „The Constant Gardener“ hatte er seinerzeit ebenfalls produziert.

„A Most Wanted Man“ ist am 25.07.14 in einigen Kinos in den U.S.A. gestartet, am 11. September 2014 kommt er in die deutschen Kinos. Ich habe den Film in einer Pressevorführung in Berlin gesehen. Gezeigt wurde die OmU.

„A Most Wanted Man“ ist für einige Oscars im Gespräch: Bester Hauptdarsteller (P.S. Hoffman), bestes adaptiertes Drehbuch, bester Filmschnitt. Meines Erachtens ist eine posthume Oscar-Nominierung für Philip Seymour Hoffman noch am wahrscheinlichsten. Wenn er nicht bereits einen Oscar (für „Capote“) gewonnen hätte und im Anschluss daran noch weitere drei Mal für den Oscar nominiert worden wäre, wäre dem hochangesehen Charaktermimen eine Oscar-Nominierung für seine exzellente Arbeit in „A Most Wanted Man“ sicher, vielleicht wäre er hierfür dann sogar ausgezeichnet worden.

„A Most Wanted Man“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt.

Zwei kurze Szenen zu sehen:

In diesem Interview auf dem Sundance Film Festival im Januar 2014 erzählt Philip Seymour Hoffman über seine Rolle in „A Most Wanted Man“. Es war einer seiner letzten öffentlichen Auftritte:

deutscher Trailer auf deutscher Website zu sehen:

http://www.senator.de/movie/a-most-wanted-man

4 Gedanken zu “Berlin – Film: "A Most Wanted Man"

  1. Oha, der Film wird es bei mir schwer haben – Nina Hoss und Herbert Grönemeyer!
    Homeland…also damit konnte ich absolut nichts anfangen, aber gut, man kann ja nicht alles mögen :))
    „Tinker Tailor Soldier Spy“ mochte ich aber sehr!

    Gefällt mir

  2. Bei Nina Hoss kann ich Dir definitiv zustimmen. Die hat es bei mir auch schwer. Herbert Grönemeyer sehe ich sonst nie, solange er nicht singt, ist alles im grünen Bereich. :))

    Echt, Du hast „Homeland“ geguckt und konntest damit nichts anfangen? Wirklich seltsam, so spannend. Geht mir aber mit „Game of Thrones“ so, aber da habe ich nicht mal reingeschaut, weil ich schon weiß, dass mich das nicht interessiert.

    „Tinker Tailor Soldier Spy“ mochte ich auch sehr, ich müsste mir den nochmal anschauen, vermutlich würde ich ihn beim zweiten Mal noch besser bewerten.

    Gefällt mir

  3. Ja, mit Homeland hatte ich es versucht, aber die erste Staffel nicht zu Ende geschafft. Ich würde nicht sagen, dass es langweilig ist, nur interessiert mit das Thema nicht, wenigstens für eine Serie.
    Also GoT liebe ich ja und leide schon wieder, weil ich auf die 5. Staffel warte :))
    Kann aber sehr gut verstehen, wenn man mit dieser Art von Mittelalterfantasy nichts anfangen kann.
    „Tinker Tailor Soldier Spy“ werde ich definitiv noch mal ansehen. Eine gute Story und so tolle Besetzung… hach ja 😀

    Gefällt mir

  4. Ja das warten auf eine neue Staffel ist furchtbar. Man fällt auch so in eine Leere (wie bei der Fußball-WM) wenn man eine tolle Staffel zu Ende geschaut hat. :)) Ich habe auch kürzlich eine unfassbar großartige Serie geguckt. Habe jetzt aber bereits begonnen, sie ein zweites Mal zu gucken. Das hilft. 🙂

    Ja genau Mittelalterfantasy ist nicht meins, als Serie nicht und als Film eigentlich auch nicht.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.