Mexico City – Film: "Maleficent"

Ich war am 11.06.14 in Mexico City und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Maleficent“ (dt. Titel: „Maleficent – Die dunkle Fee“, dt. Kinostart war der 29.05.14) 98 min fantasy, adaptation
dir. Robert Stromberg cast: Angelina Jolie, Sharlto Copley, Elle Fanning, Sam Riley, Imelda Staunton, Juno Temple, Lesley Manville, Isobelle Molloy voice: Janet McTeer

In jungen Jahren lernt die friedfertige Fee Maleficent (Isobelle Molloy) den Menschenjungen Stefan (Michael Higgins) kennen. Beide sind Waise und obwohl oder weil sie so unterschiedlich sind, verbindet sie schon bald eine außergewöhnliche Freundschaft. Stefan kommt aus sehr einfachen Verhältnissen und hat sich schon früh in den Kopf gesetzt, eines Tages König des Menschenreiches zu werden. Der erwachsene Stefan (Sharlto Copley) sieht seine große Stunde gekommen, als er von dem regierenden König erfährt, dass derjenige ihm auf den Thron folgt, der Maleficent, die Königin des Feenreichs, besiegt. Stefan begibt sich in ihr Reich, trifft Maleficent nach langer Zeit wieder, betäubt sie und schneidet ihr dann ganz hinterhältig ihre wertvollen Flügel ab. Als Maleficent realisiert, dass ihr Jugendfreund, ihre Jugendliebe ihr das angetan hat bricht ihr das Herz. Sie ist verbittert und wird sich dafür rächen. Stefan ist dann irgendwann König und bekommt mit seiner Königin ein Kind. Maleficent sieht ihre Chance auf Rache gekommen, sie verflucht die neugeborene Prinzessin Aurora. An ihrem 16. Geburtstag soll sie in einen ewigen Schlaf fallen.

B- (Wertung von A bis F) „Maleficent“ basiert auf Walt Disneys Animationsfilm „Sleeping Beauty“ bzw. Charles Perraults Märchen „La Belle au bois dormant“.

„Maleficent“ ist alles was ich von diesem Film erwartet habe. In kurzweiligen 97 Minuten wird die Dornröschen-Geschichte aus der Perspektive der nicht grundlos bösen Fee Malefiz erzählt. Eine Fantasie-Welt mit beeindruckenden Kreaturen, viel Computereffekten und eine phänomenale Angelina Jolie. Es ist einer dieser Filme, bei denen die Hauptfigur (hier sogar die Titelfigur) nicht durch einen anderen Schauspieler ersetzbar ist. Ohne Angelina Jolie wäre dieser Film undenkbar.

„Maleficent“ ist das Regiedebüt von Robert Stromberg. Zuvor war er für die visuellen Effekte und das Production Design zahlreicher Filme zuständig. Für die Filme Avatar und Alice in Wonderland hat er sogar jeweils einen Oscar für das Beste Szenenbild gewonnen. Es halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Robert Stromberg während der Dreharbeiten zu „Malificent“ ausgetauscht wurde. Disney war wohl unzufrieden, ließ einige Szenen nachdrehen und letztlich hat der Regisseur John Lee Hancock (The Blind Side, Saving Mr. Banks) irgendwann ganz die Regie übernommen. Robert Stromberg wird jedoch in den credits als alleiniger Regisseur geführt.

Maleficent ist ein großartiger tragischer Filmcharakter, weiblich, emanzipiert, von ihrer Jugendliebe verraten (was Stefan Maleficent antut, kommt einer Vergewaltigung gleich), traumatisiert, enttäuscht, verbittert und auf Rache schwörend und dann wieder sanft, ohne ihre Stärke zu verlieren. Die Präsenz und Dominanz, die diese Filmpersönlichkeit braucht, strahlt Angelina Jolie perfekt aus. Sie setzt hier ihre Ausstrahlung und Mimik perfekt ein, braucht nur etwas Gebrumme, weniger Worte, die sie so bedrohlich, verletzlich oder einfach nur glaubwürdig erscheinen zu lassen. Optisch wurde ihr sowieso schon nicht-von-dieser-Welt-schönes Gesicht etwas verändert und der Zeichentrickfigur angepasst. (Prothesen für Wangen, und Ohren, Leder-Hörner und Kontaktlinsen).

So stark Maleficents Filmfigur ist, so unausgegoren ist Stefans Charakter. Wenig weiß man über ihn, seine genauen Beweggründe, seine Gedanken, wie er tickt – all das bleibt im Dunkeln. Hier hätte es geholfen, wenn man etwas in die Charakterbildung und -entwicklung investiert hätte. Erschwerend kommt noch obendrauf, dass Stefan von keinem guten, charismatischen Schauspieler verkörpert wird. Mit „Maleficent“ habe ich Sharlto Copley jetzt mittlerweile in vier Filmen (District 9, Oldboy, Elysium) gesehen, vielleicht hätte er nie den Schritt nach Hollywood wagen sollen.

Von Elle Fanning war ich auch nicht so begeistert. Gut, sie hat nicht viel zu tun, muss nur dauerhaft grinsen. Vielleicht hat mich aber auch nur ihre Filmfigur Aurora genervt. Es wird sich zeigen, wie sich Elle Fanning in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Auch in diesem Film zu sehen ist Brangelinas leibliche Tochter Vivienne Jolie-Pitt. Sie wurde einzig deswegen eingesetzt, weil alle anderen Kleinkinder Angst vor Angelina Jolies Maleficent hatten.

Angelina Jolie stand zuletzt bei diesem unsäglichen „The Tourist“ aus dem Jahr 2010 vor der Kamera. Gut, kann man verstehen, dass sie nach diesem Totalausfall an Film eine Auszeit brauchte. Ich finde es aber tatsächlich sehr schade, sie nicht öfter im Film zu sehen. Gerade wenn man „Maleficent“ sieht, weiß man wieder was für ein Talent in ihr steckt. Hoffentlich zieht sie sich nicht immer mehr als Schauspielerin zurück. Ende des Jahres kommt ihre zweite Regie-Arbeit „Unbroken“, ein Film bei denen die Coen Bros. das Drehbuch geschrieben haben, in die amerikanischen Kinos.

Als ich vor einiger Zeit die ersten Plakate in Deutschland gesehen habe, musste ich mich doch stark wundern. Warum wurde der Filmtitel nicht in Malefiz übersetzt (in Mexico läuft der Film beispielsweise auch unter dem Filmtitel „Maléficia“) oder hat einfach einen anderen, adäquaten Filmtitel bekommen? Wer von den normalen deutschen Blockbuster-Zuschauern, die es gewohnt sind, Filme in der Synchronisation zu schauen, kann schon den Filmtitel „Maleficent“ fehlerfrei aussprechen? Alle Nase Lang übersetzen die deutschen Filmverleiher Originaltitel in haarsträubende Was-weiß-ich-was, gerne auch mal einen englischen Originaltitel in einen anderen englischen Filmtitel. Einen Filmtitel, der aber wirklich viele deutsche Kinozuschauer überfordern kann, lassen sie. Unfassbar. Jetzt, wo ich den Film gesehen habe, bin ich aber recht zuversichtlich, dass auch die deutschen Zuschauer wenigstens beim Verlassen des Kinos den Filmtitel fehlerfrei aussprechen können. „Maleficent“ wurde wirklich unzählige Male im Film genannt.

Der amerikanische Trailer:

Kino in Mexico City.

Ich war ein paar Jahre nicht mehr hier im Kino. Einen Sitzplatz musste ich auch bereits an der Kinokasse wählen (was aber nicht weiter wild war, da die Vorstellung in dem riesigen Kino nur wenig besucht war und ich mich hinsetzen konnte, wo ich wollte) Vor „Maleficent“ wurden keine Trailer gezeigt, dafür aber ungefähr 10 Minuten Werbung, bei der jeder einzelne Werbetrailer im Zeichen der Fußball-WM (die einen Tag später begann) stand. Gesehen habe ich „Maleficent“ in der Originalfassung (in 2D) mit spanischen Untertiteln.