San Francisco – Film: "Cold in July"

Ich war am 01.06.14 in San Francisco und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„Cold in July“ 109 min drama, crime, adaptation
dir. Jim Mickle cast: Michael C. Hall, Sam Shepard, Don Johnson

Im Jahr 1989 in Texas. Eines Nachts wacht Ann (Vinessa Shaw) durch Geräusche im Haus auf. Sie weckt ihren Mann Richard (Michael C. Hall), der mit zitternder Hand seine Schusswaffe lädt und den mysteriösen Geräuschen auf die Spur geht. Richard jagt dem Einbrecher eine Kugel in den Kopf. Der ermittelnde Sheriff (Nick Damici) bestätigt ihm, dass der Getötete ein gesuchter Krimineller ist und von dem Familienvater aus Notwehr getötet wurde. Der Vater des Getöteten, der rachsüchtige Ben Russell (Sam Shepard) ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und stattet Richard schon bald einen Besuch ab. Richard hat Angst um seine Familie und bekommt Polizeischutz. Es dauert nicht lange bis Richard etwas herausfindet, was ihn beunruhigt. Ist er in einen Komplott geraten?

B+ (Wertung von A bis F) „Cold in July“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joe R. Lansdale.

„Cold in July“ ist wieder mal einer meiner zufälligen Indie-Entdeckungen. Diesen Film habe ich einzig durch die Wahl eines meiner Lieblingsprogrammkinos und der Bewertung bei RT (als der Film für mich in die nähere Auswahl kam, hatte er 90-irgendwas Prozent) auserkoren. Beim Kauf meiner Kinokarte, meinte der Mitarbeiter des Kinos, dass alle Zuschauer begeistert aus dem Kino kommen.

Gut, jetzt sollte man natürlich nicht den besten Film des Jahres erwarten, aber „Cold in July“ ist ein wirklich sehenswerter atmosphärischer und auch manchmal humoriger Thriller. Der Film spielt in den 1980er Jahren und ist inszeniert, als ob er tatsächlich auch in der Zeit gedreht wurde. Mittlerweile mag ich Filme, die in den 1980er Jahren spielen. Die Zeit, in denen das Internet und Handys praktisch noch keine Rolle spielten, erscheint schon so unfassbar weit weg, aber bietet in der Erzählung so viel Potenzial. Außergewöhnlich gut hat mir auch der elektronische 1980er Score gefallen. Gegen Ende des Films gibt es eine Sequenz, die einem Haus spielt. Diese Szenen haben mir nicht nur aufgrund der genialen Location besonders gefallen. Jim Mickle ist mir noch gut durch seinen letzten Film, den Indie-Grusel „We Are What We Are“, in Erinnerung. „Cold in July“ ist ein weiterer Film, der verdeutlicht, wie talentiert der Regisseur ist.

Michael C. Hall zeigt hier wieder mal, was für ein großartiger Schauspieler er ist. Einen ganz normalen Typen, einen einfühlsamen Familienvater spielt er hier. Wenn ich bedenke, dass mich Michael C. Hall über so viele Jahre als schwuler Bestatter und als raffinierter Serienmörder (in den Serien „Six Feet Under“ und Dexter) begleitet hat, finde ich es immer wieder faszinierend, ihn in einer so ganz anderen Rolle zu sehen. Etwas hat mich hier jedoch irritiert. Vielleicht waren meine Sinne erkältungsbedingt etwas getrübt, aber Michael C. Hall hatte in diesem Film eine verblüffende Ähnlichkeit mit Matt Damon.

Sam Shepard ist großartig, aber gut, das ist auch natürlich keine neue Erkenntnis.

Überraschend souverän und auch, was ich bisher für praktisch ausgeschlossen gehalten habe, irgendwie cool fand ich hier Don Johnson. Er hat definitiv ein paar Lacher auf seiner Seite und hat bei seinem ersten Auftritt im Film, in meiner sehr gut besuchten Vorstellung, sogar Szenenapplaus bekommen.

„Cold in July“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2014 gezeigt.

Trailer zu sehen:

Im Opera Plaza Cinema wurden vor diesem Film keine Trailer gezeigt.