TV – Serie: "True Detective, 1. Staffel"


Ich habe mir die komplette Staffel folgender HBO-Serie angeschaut:

„True Detective, 1. Staffel“ (wurde seit dem 17.04.14 auf Pay-TV-Sender Sky ausgestrahlt, in D. ab 04.09.14 auf DVD erhältlich) 8 x approx. 60 min drama, thriller, crime
dir. Cary Fukunaga cast: Matthew McConaughey, Woody Harrelson, Michelle Monaghan, Michael Potts, Tory Kittles, Kevin Dunn, Tess Harper

Louisiana. Im Jahr 1995 ermitteln die beiden Detectives Rust Cohle (Matthew McConaughey) und Marty Hart (Woody Harrelson) gemeinsam an einem Fall. Eine Prostituierte wurde ermordet, scheinbar ein Ritualmord. Jetzt, 17 Jahre später, im Jahr 2012 sind Detective Gilbough (Michael Potts) und Detective Papania (Tory Kittles) mit einem scheinbar ähnlichen Mordfall beschäftigt. Durch den Hurricane Rita wurde die Akte des damaligen Falles vernichtet. Sie befragen Rust und Marty getrennt voneinander. Beide geben Auskunft über ihren damaligen Fall und über den jeweils anderen…

B+ (Wertung von A bis F) „True Detective“ ist eine eigenwillige, vielleicht daher herausragende TV-Serie. Präziser ist es ein abgeschlossener Mehrteiler. Geschrieben wurde dieser Mehrteiler von Nic Pizzolatto und bei allen acht Teilen hat Cary Fukunaga („Sin Nombre“, Jane Eyre) Regie geführt. Da „True Detective“ auf mindestens eine weitere Staffel ausgelegt ist, ist die Bezeichnung „Serie“ jedoch auch nicht falsch. Miniserie oder Anthologie-Serie trifft es wohl am Besten. Für die Emmy-Awards wird es unter Drama/Serie eingereicht. Nic Pizzolatto schreibt bereits an der zweiten Staffel von „True Detective“. In der nächsten Staffel wird eine ganz andere Story mit neuen Charakteren erzählt. Durchgesickert ist bereits, dass die nächste Geschichte irgendwo in Kalifornien spielt und es drei Hauptcharaktere geben wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird auch mehr als ein Regisseur durch die Staffel führen.

Ungewöhnlich ist „True Detective“, weil die Serie nicht wie eine herkömmliche Krimiserie erzählt wird. Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt. Die beiden zentralen Handlungen sind im Jahr 1995 und dann 17 Jahre später im Jahr 2012 angesiedelt. Die Handlung springt von einer zu der anderen. Ab der fünften Folge der Miniserie kommt noch eine dritte Zeitebene (das Jahr 2002) dazu.

Ich sehe „True Detective“ in erster Linie als grandiose Charakterstudie zweier unterschiedlicher Persönlichkeiten. Die brillant und so detailliert gezeichneten und porträtierten Figuren lernt man über einen Zeitraum von 17 Jahren kennen und man sieht wie sie sich über die Jahre verändern. Die Miniserie erzählt aber auch von dem problematischen Verhältnis der beiden Männer Rust und Marty (gespielt von Matthew McConaughey und Woody Harrelson). „True Detective“ lebt von der Chemie und dem Zusammenspiel dieser beiden Figuren. Parallel wird eine Kriminalfall gelöst, ein Fall der wesentlich komplexer ist, als er anfangs erscheint. Es ist ein Fehler, an diesen Mehrteiler mit den falschen Erwartungen ranzugehen. Es ist eine recht langsame Erzählweise. Möglichst schnell sollte man sich von der Idee verabschieden, dass diese herausragende erste Staffel von einem spektakulären Finale gekrönt ist. Denn das bietet das Staffelende nicht. Auch bleiben am Ende einige Fragen offen.

Es ist nicht einfach, bei „True Detective“ einzusteigen. Es ist auch nicht einfach, alle Details zu erfassen. Ich hatte beispielsweise im Januar und Februar immer mal wieder bei einer Folge auf HBO reingeschaut, fand das Gesehene hochinteressant und beeindruckend inszeniert, aber konnte mir keinen so richtigen Reim darauf machen. Die erzählte Geschichte ist vielschichtig. Viele Namen fallen. Ich kann mir leider auch noch schwer Namen merken und so fand ich es nicht leicht, alle Zusammenhänge gleich zu erfassen. „True Detective“ sollte man sehr aufmerksam verfolgen.

Es ist keine Frage, dass Matthew McConaughey in „True Detective“ die beste Performance seiner Karriere gibt. In Dallas Buyers Club war er sehr gut, einen Oscar war das aber, meines Erachtens, nicht wert. Wäre „True Detective“ ein Kinofilm, wäre dies die Performance, für die er einen Oscar verdient hätte. Als ziemlich sicher gilt, dass er ein Nominierung für einen Fernseh-Oscar, den Emmy, bekommen wird. Wenn er dann auch noch gewinnen würde, hätte er einen Oscar und einen Emmy in einem Jahr gewonnen. Das passiert logischerweise sehr selten. Seine derzeit grösste Emmy-Konkurrenz in der Kategorie Bester Hauptdarsteller Drama/Serie ist Bryan Cranston für die letzte Staffel von „Breaking Bad“.

Aber auch Woody Harrelson gibt eine überragende Performance und auch er ist im Gespräch für eine Emmy-Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller in einer Serie/Drama. Ich bin aber sicher, dass wenn – Matthew McConaughey, der in der gleichen Kategorie mit einer Nominierung rechnen kann, eher ausgezeichnet werden würde.

Ich empfehle dringend, „True Detective“ im Original anzuschauen. Die Südstaaten-Atmosphäre und noch wichtiger die beiden Protagonisten können einzig so richtig zur Geltung kommen. Meines Erachtens kann man die beiden Charaktere nicht lieben, wenn man ihnen nicht in ihrer Sprache zuhört. Ich rate aber auch, (englische!!!!) Untertitel einzublenden. Die Serie spielt in Louisiana und die Charaktere sprechen in ihrem eigenen Südstaaten-Slang. Zugegebenermassen ist es nicht leicht, hier alles zu verstehen. Erschwerend kommt aber noch dazu, dass beide Protagonisten irgendwie eine eigene Sprache haben und beim Sprechen kaum ihren Mund öffnen und sich einen zurecht nuscheln. Die englischen Untertitel empfand ich als sehr hilfreich. Auch haben mir die Untertitel bei den zahlreichen Namen, mit denen man in der Serie konfrontiert wird, geholfen.

Ebenso dringend empfehle ich, die gesamte Staffel ein zweites Mal anzuschauen. Mit einem Abstand von einigen Wochen habe ich mir die komplette erste Staffel ein zweites Mal angeschaut. Ich fand sie beim ersten Mal bereits absolut sehenswert, bei der zweiten Sichtung gefiel sie mir jedoch noch um einiges besser. Beim ersten Mal hatte ich mir ein B (mit einer leichten Tendenz zu einem B-) als Bewertung notiert. Beim zweiten Mal kam meine finale Bewertung (B+) zustande.

Bei der zweiten Sichtung muss man sich nicht mehr um die Aufklärung des Serienmörder-Falles kümmern, man kann die falschen Fährten, die zweifelsfrei gelegt wurden, ignorieren. Letztlich bildet der Serienmörder-Fall und dessen Aufklärung für mich nur den mysteriösen Rahmen, der ein wundervolles Gemälde umrahmt. Es sind die Charaktere Rust und Marty, die die Serie ausmachen. Es ist die Beziehung der Beiden, die Gespräche, die sie führen, wie sie einander sehen, die diese Miniserie besonders machen. Beim zweiten Mal habe ich viel entspannter zuschauen können. Beim ersten Mal glaubte ich, die Charaktere schon zu kennen und mochte sie sehr gerne. Mit der zweiten Sichtung waren sie mir so vertraut und richtig ans Herz gewachsen. Ich werde sie vermissen. Es lohnt sich definitiv, die erste Staffel ein zweites Mal zu gucken.

„True Detective“ wurde in den U.S.A. dafür kritisiert, wie Frauen hier dargestellt werden. Ich sehe das sehr entspannt. Die Handlung ist eindeutig auf die beiden männlichen Protagonisten ausgerichtet. Alle andere Charaktere sind automatisch Nebenfiguren. Charmanter und präziser in der englischen Sprache als supporting roles bezeichnet. Zum anderen haben manche Männer (wie hier Marty, gespielt von Woody Harrelson) einfach ein solches Bild von Frauen. Zeigt für mich nur – einmal mehr – wie glaubwürdig diese Figur geschrieben ist. Die Kritik hat sich der Serienmacher, Nic Pizzolatto, aber dennoch scheinbar zu Herzen genommen. In der zweiten Staffel wird es wohl drei Hauptfiguren geben, wobei dabei mindestens eine weiblich sein wird. Es gab Gerüchte, dass Jessica Chastain bereits eine Rolle angeboten wurde. In dem nächsten Monat (Juni 2014) wird man wohl mehr wissen, dann soll mit der Casting-Prozess beginnen.

Ein paar Anmerkungen zu einigen Episoden der ersten Staffel:

Folge 4 („Who Goes There“): Die Aktion, die Rust da durchzieht, fand ich unglaubwürdig. Die Folge kam aber aus anderen Gründen zu Ruhm. Bei dieser Episode gibt es eine technische Finesse, man bekommt eine ca. sechsminütigen Szene zu sehen, die ohne einen einzigen Schnitt auskam.

Folge 5 („The Secret Fate of All Life“): Die neue, dritte Zeitebene wird eingeführt. Die Handlung spielt im Jahr 2002.

Folge 6 („Haunted Houses“): Die Geschichten aus der Vergangenheit sind aufgearbeitet, die Geschichte beginnt an einer anderen Stelle.

Folge 8 („Form and Void“): Ich liebe das letzte Zusammentreffen von Rust und Marty.

Die Charaktere im Einzelnen:

Detective Rustin Spencer „Rust“ Cohle – seltsamer Typ, Eigenbrötler, in Texas geboren, Alaska aufgewachsen, redet nicht viel, hält aber – wenn er was sagt – mit seiner Meinung nicht hinterm Berg, er ist sehr negativ und pessimistisch, lebt sehr spartanisch, ist alleinstehend, keine Frau, keine Kinder. Hat seine zweijährige Tochter bei einem Autounfall verloren, eine gescheiterte Ehe, hat vier Jahre als Undercover-Cop im Drogen-Milieu gearbeitet, schleppt ein großes Notizbuch immer mit sich herum, in denen er Zeichnungen und Notizen macht, Kettenraucher, Atheist. Im Jahr 1995 arbeitet er seit drei Monaten mit Marty als Partner zusammen. Zweifelsfrei ist er mein Lieblingscharakter in der ersten Staffel von „True Detective“. Gespielt wird Rust von dem amerikanischen Schauspieler Matthew McConaughey. Bekannt wurde er als Schönling zahlreicher RomComs („The Wedding Planer“, „How to Lose a Guy in 10 Days“, „Failure to Launch“, Fool´s Gold). Nachdem er es satt hatte, die immergleichen Rollen zu spielen, hat er ein Projekt nach dem nächsten abgelehnt. Irgendwann hat er dann anspruchsvolle Rollenangebote bekommen und konnte eine Art Comeback als ernstzunehmender Schauspieler feiern. Diese Wiedergeburt zum Charakterschauspieler war einigen amerikanischen Kritikern ein eigener Begriff wert: The McConaissance. Mich hat er mit seiner Performance in Bernie, „Killer Joe“, Mud, Magic Mike, Dallas Buyers Club und The Wolf of Wall Street begeistern können. Für seine Rolle in „Dallas Buyers Club“ hat er seine erste Oscar-Nominierung erhalten und wurde dann zwei Monate später auch mit dem Oscar ausgezeichnet.

Detective Martin Eric „Marty“ Hart – verheiratet mit Maggie (gespielt von Michelle Monaghan) und Vater zweier Töchter, religiös, konservativ, hat eine außereheliche Affäre. Im Jahr 1995 arbeitet er seit drei Monaten mit Rust als Partner zusammen. Gespielt wird Marty von dem amerikanischen Schauspieler Harrelson. Seinen Durchbruch hatte Woody Harrelson in den 1980er Jahren mit der TV-Serie „Cheers“. Seit den 1990er Jahren und den Filmen „Indecent Proposal“ und „Natural Born Killers“ war er den Kinofans ein ständiger Begleiter. In den letzten Jahren war er u.a. mit Zombieland, Seven Psychopaths und den ersten beiden Teilen der Hunger Games-Trilogie im Kino zu sehen. Für seine Rollen in „The People vs. Larry Flynt“ und The Messenger hat er jeweils eine Oscar-Nominierung erhalten.

Maggie Hart (gespielt von Michelle Monaghan) – ist die Ehefrau von Marty (gespielt von Woody Harrelson), Mutter seiner Kinder. Gespielt wird Maggie Hart von der amerikanischen Schauspielerin Michelle Monaghan. Sie war bereits in zahlreichen Kinofilmen zu sehen („Kiss Kiss Bang Bang“, „Mission: Impossible III“, Gone Baby Gone, Source Code)

Detective Maynard Gilbough – Einer der beiden Polizisten, die im Jahr 2012 Rust und Marty interviewen. Gespielt wird Gilbough von dem amerikanischen Schauspieler Michael Pitts. Er wurde durch die TV-Serie „The Wire“ bekannt. Er hat dann auch mehrere Auftritte in einigen Serien, u.a. in „Law & Order“ und „Damages“

Detective Thomas Papania – Einer der beiden Polizisten, die im Jahr 2012 Rust und Marty interviewen Gespielt wird er von dem amerikanischen Schauspieler Tory Kittles. Er hat eine größere Rolle in der TV-Serie „Sons of Anarchy“ und hat auch kürzlich in den Kinofilmen The Sapphires und Olympus Has Fallen mitgespielt

„True Detective“ wurde erstmalig bei HBO in der Zeit vom 12.01.14 – 09.03.14 ausgestrahlt. Selbstverständlich ist die Serie und die Performance für den Fernseh-Oscar Emmy und sämtliche andere Fernsehpreise wie Golden Globes im Gespräch.

Trailer zu sehen:

Das allererste Gespräch, das Rust und Marty miteinander führen:

Ich liebe diesen Vorspann und vermisse es jetzt schon:

2 Gedanken zu “TV – Serie: "True Detective, 1. Staffel"

  1. :)) ja ich bin froh, wenn ich die Zeit dafür finde die Staffel einmal zu sehen :))
    Aber stimmt schon, manche Serien/Filme gewinnen, wenn man sie mehrmals ansieht.
    Ich bin gespannt und freu mich drauf 😀

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  2. Ja, das stimmt schon, aber bei TD habe ich eindeutig Potenzial gesehen und letztlich gucke ich lieber eine besondere Serie ein zweites Mal an, bevor ich eine neue Serie, von der ich vielleicht von vornherein nicht hundertprozentig überzeugt bin, ein erstes Mal.:)

    Ich habe so viele Serien, die ich immer wieder in den Händen halte und dann doch keine Lust darauf habe. 🙂

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