TV – Serie: "Orphan Black, 1. Staffel"


Ich habe mir die komplette Staffel folgender BBC-America-Serie angeschaut:

„Orphan Black, 1. Staffel“ (dt. Titel: „Schwarze Waise“, dt. Erstausstrahlung ab 2.5.14 auf ZDFneo) 10 x approx. 43 min sci-fi, thriller, drama
dir. Aaron Morton, John Fawcett, David Frazee, Grant Harvey, T.J. Scott, Brett Sullivan, Ken Girotti cast: Tatiana Maslany, Jordan Gavaris, Dylan Bruce, Michael Mando, Kevin Hanchard, Maria Doyle Kennedy

Sarah (Tatiana Maslany) hat ihren Freund Vic (Michael Mando) verlassen und ist nach zehn Monaten wieder zurück in ihrer Heimatstadt. Auf einem Bahnsteig beobachtet sie eine junge Frau. Diese zieht sich langsam ihre Pumps aus, legt ihren Blazer und ihre Handtasche ab, guckt Sarah kurz an und stürzt sich vor den einfahrenden Zug. Sarah ist geschockt von dem Freitod der Frau, aber auch das diese Frau ihr zum Verwechseln ähnlich sah. Sarah führt ein chaotisches Leben, hat nie genug Geld und schnappt sich kurzerhand die Handtasche der Toten. Wenig später trifft sie sich mit ihrem Bruder Felix (Jordan Gavaris) und zeigt ihm die gestohlenen Dokumente der Frau. Auch Felix erkennt auf den Fotos die Ähnlichkeit von Sarah zu der Verstorbenen. Die Tote hieß Elizabeth Childs, hatte, wie Sarah herausfindet eine schöne Wohnung, einen attraktiven Freund, Paul (Dylan Bruce), und 75000 Dollar auf ihrem Sparkonto. Ohne lange zu überlegen nimmt Sarah die Identität von Elizabeth Childs an. Nur so kann sie an das Geld kommen. Felix lässt Sarah derweil für tot erklären. Es stellt sich schnell heraus, dass Elizabeth als Polizistin gearbeitet hatte und das stellt Sarah vor neuen Problemen. Dann trifft sie auch noch auf eine weitere Frau, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. ..

B+ (Wertung von A bis F) Grundsätzlich bin ich kein Fan des Sci-Fi-Genres. Die meisten Stories und Inszenierungen können mich nicht überzeugen. Komischerweise mag ich aber Klon-Geschichten. „Orphan Black“ erzählt so eine. „Orphan Black“ ist nach „Copper“ die zweite eigenproduzierte Serie von BBC AMERICA. Schade, dass diese kleine kanadische Sci-Fi-Serie vergleichbar wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Am Anfang war ich noch skeptisch. Über den Inhalt der Serie habe ich zuvor nichts gelesen und so war ich von Beginn an interessiert, wohin die Handlung abzielt. Es ist immer etwas Besonderes, sich quasi blind auf neue Filme oder Serien einzulassen. Ich fand es auch erfrischend, dass „Orphan Black“ ausschließlich mit (zumindest mir) unbekannten Schauspielern besetzt ist. Eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchte ich schon, aber ich mochte die Serie praktisch von Beginn. Das Erzählte ist spannend und wird immer wieder mit Situationskomik aufgelockert. „Orphan Black“ hat Suchtpotenzial. Mit der fünften Folge („Conditions of Existence“) war ich dann bedingungsloser Fan der Serie. Wie ich es mit guten Serien sonst auch so halte, habe ich die gesamte erste Staffel an nur zwei Tagen geguckt habe. Die erste Staffel von „Orphan Black“ funktioniert als überlanger Spielfilm. Da die Handlung auch zunehmend komplexer wird, bietet es sich an, die erste Staffel als Serienmarathon zu konsumieren.

Etwas abgelenkt hat mich, dass nie klar gesagt oder gezeigt wird, wo die Serie geografisch genau angesiedelt ist. So rätselte ich unnötig, ob sie in den U.S.A. oder Kanada spielt. (In Kanada ist es verboten, menschliches Leben zu klonen, in den U.S.A. nicht). Klar ist, dass die Serie in Nordamerika spielt. In welcher Stadt, wird meines Wissens nie gezeigt oder genannt. Wahrscheinlich wurde das bewusst offen gelassen. „Orphan Black“ spielt wohl in einer fiktiven (kanadischen) Stadt. Beide Hauptdarsteller (Sarah und Felix) kommen ursprünglich aus England und sprechen britisches Englisch, für mich sieht die gezeigte Stadt nach einer in Kanada aus. Das Geld, das hier gezeigt wird, entspricht m.E. dem kanadischen Dollar.

Diese Klon-Geschichte ist interessant. Durch manipulierte Zellen unterscheiden sich die Klone nicht nur optisch, sie bewegen und kleiden sich unterschiedlich, haben ein anderes Auftreten und gravierende charakterliche Unterschiede. Auch leidet die eine oder andere an psychischen oder physischen Problemen. In dem Plot ist eine junge Frau (Sarah) von heute auf morgen an andere, ihr bislang völlig fremde Menschen gebunden. Praktisch als ob sie über Nacht plötzlich Geschwister hätte, nur dass die anderen Frauen Klone von ihr sind. Die ganze Dynamik die sich durch die Klone ergibt, ist faszinierend. Man findet über die Episoden immer mehr über die einzelnen Klone heraus. Die Fragen für die erste Staffel sind: Warum hat sich Beth das Leben genommen? Wer hat die Klone erschaffen und warum? Was ist das für ein Klon-Experiment? Wer steckt da alles mit unter der Decke? Wer sind die Wächter der Klone? u.v.m.

Sicher hat der eine oder andere Fan der Serie seinen Lieblings-Klon. Und das ist das Tolle an der Serie. Sie sind alle so unterschiedlich und man muss schon genau hingucken, sonst kann man übersehen, dass Tatiana Maslany alle Klone spielt. Sie gibt eine großartige schauspielerische Leistung. Damit es zu keinen Anschlussfehlern kommt, wurde extra eine Crew abgestellt, die sich ausschließlich mit den einzelnen Klonen beschäftigt haben. Sie mussten darauf achten, dass Tatiana Maslany die einzelnen Typen nicht durcheinander bringt. Die einzelnen Klone haben ihre Gewohnheiten, sie geben sich unterschiedlich, jede hat eine bestimmte Mimik und Gestik, einen Akzent oder Dialekt. Der Crew ist es gut gelungen, die Klone auseinander zu halten. So hat man, wenn Sarah ihren Klonen gegenübersteht und sich mit ihnen unterhält, den Eindruck, dass dies verschiedene Schauspieler sind.

Wie viele Klone in der ersten Staffel eine Rolle spielen werde ich im nächsten Absatz spoilern:

Spoiler Anfang:

In der ersten Staffel von „Orphan Black“ werden zehn Klone vorgestellt bzw. erwähnt. Davon sind 5 Klone in Nordamerika ansässig und fünf haben einen europäischen Pass. Sarah (ist zwar in England geboren, lebt aber in Kanada), Elizabeth (kanadisch) Alison (kanadisch), Cosima (amerikanisch), Rachel (nordamerikanisch – genaueres ist nicht bekannt). Die Klone aus Übersee sind: Katja (deutsch), Helena (ukrainisch), Danielle (französisch), Aryanna (italienisch), Janika (österreichisch). Welcher Klon spätestens mit dem Ende der ersten Staffel verstorben ist, werde ich hier nicht spoilern.

Spoiler Ende

Auch wenn die erste Staffel ziemlich gut geschrieben ist, so läuft auch diese nicht von Anfang bis Ende richtig geschmeidig. Es gibt auch hier einige Ungereimtheiten. Unvorstellbar beispielsweise, dass sich jemand so schnell mit der Dienstsprache der Polizei vertraut macht und dann ohne weiter groß aufzufallen, als Polizistin arbeitet. Ihr Partner hätte bald misstrauisch werden müssen. Von einem Tag auf den anderen das Leben eines anderen zu leben, ist allgemein sicher nicht so reibungslos darstellbar. Egal, mich hat das auch nur kurzfristig rausgebracht. „Orphan Black“ ist nun eine Sci-Fi-Serie und das Genre hält auch gerne etwas völlig Absurdes parat. Hier in Episode 7 („Parts Developed in an Unusual Manner“). Was es mit Olivier und … (wird nicht gespoilert) auf sich hat, hat mich verwirrt und konnte ich bis jetzt zuordnen.

Mein Lieblingszitat der ersten Staffel kommt von Cosima „You just broke the first rule of clone club“ – nicht zuletzt weil es an Brad Pitt/Tyler Durdens Filmzitat: „The first rule of Fight Club is: You do not talk about Fight Club“ aus David Finchers „Fight Club“ angelehnt ist. „Fight Club“ ist einer meiner Lieblingsfilme.

Jeder einzelne englische Titel der zehn Folgen der ersten Staffel zitiert aus Charles Darwins wissenschaftlichem Buch „Über die Entstehung der Arten“.

Die wichtigsten Charaktere im Einzelnen:

Sarah Manning – Waise, hat einen Bruder, Felix (gespielt von Jordan Gavaris) Felix ist nicht ihr leiblicher Bruder, beide sind bei Pflegeeltern in England aufgewachsen. Sarah hat eine siebenjährige Tochter, Kira (gespielt von Skyler Wexler). Kira ist bei Mrs. S. (gespielt von Maria Doyle Kennedy). Sarah ist von ihrem Ex-Freund Vic (gespielt von Michael Mando) abgehauen und hat ihm ein Päckchen Kokain entwendet. Sarah wird von der kanadischen Schauspielerin Tatiana Maslany gespielt. Sie hat in einigen TV-Serien („Flashpoint“, „Being Erica“, ) und auch in einigen Kinofilmen (The Messenger, Eastern Promises) mitgespielt.

Elizabeth „Beth“ Childs – die Frau, die sich vor den Zug gestürzt hat, sie führte auf den ersten Blick ein gutes Leben, arbeitete als Polizistin und hatte einen hübschen Freund, Paul (gespielt von Dylan Bruce). Beth Childs wird ebenfalls von Tatiana Maslany gespielt.

Felix „Fee“ Dawkins – Sarahs Bruder, beide sind in England bei Pflegeeltern aufgewachsen. Er ist Künstler, schwul, prostituiert sich und dealt mit Drogen. Gespielt wird Felix von dem kanadischen Schauspieler Jordan Gavaris. Er war in dem Film „45 R.P.M“ zu sehen und hatte vor seinem Durchbruch in „Orphan Black“ Gastauftritte in einigen TV-Serien.

Victor oder Vic – Freund bzw Ex-Freund von Sarah, ist in krumme Geschäfte verwickelt. Drogendealer. Seine Figur tut mir über die erste Staffel etwas leid. Gespielt wird Vic von dem kanadischen Schauspieler Michael Mando. Er war zuvor in einigen TV-Serien („Flashpoint“, „The Bridge“) zu sehen.

Paul – Freund von Beth Childs. Er ist seit einigen Jahren mit ihr zusammen, sie wohnen zusammen. Er wird bald misstrauisch was die „neue“ Beth angeht. Paul ist neben Sarah (und einigen Klonen) meine Lieblingsfigur der Serie und nicht nur weil ich ihn sexy finde. Gespielt wird Paul von dem kanadischen Schauspieler Dylan Bruce. Er war in einigen TV-Serien zu sehen (u.a. in „Joey“, „The Sopranos“, „CSI: NY“) und spielt parallel zu „Orphan Black“ auch in der TV-Serie „Arrow“.

Detective Arthur „Art“ Bell – ist seit ein paar Jahren Beth Childs Partner bei der Polizei. Gespielt wird Art von dem kanadischen Schauspieler Kevin Hanchard. Er war in einigen TV-Serien („The Eleventh Hour“, „Missing“, „Suits“) zu sehen.

Mrs S. bzw. Siobhan Sadler – ist die Pflegemutter von Sarahs siebenjähriger Tochter Kira (gespielt von Skyler Wexler). Gespielt wird Mrs. S. von der irischen Schauspielerin Maria Doyle Kennedy. Ihre erste größere Rolle als Schauspielerin hatte sie in dem Kinofilm „The Commitments“. Bekannt ist sie durch ihre Rolle in der TV-Serie „The Tudors“ geworden, spielte auch in der fünften Staffel von Dexter und in der Serie „Downton Abbey“ zu sehen.

Die erste Staffel von „Orphan Black“ wurde vom 30.03.13 bis 01.06.13 auf BBC AMERICA ausgestrahlt. Die zweite Staffel wird in den U.S.A. ab 19.04.14 gezeigt.

Tatiana Maslany wurde im Jahr 2013 für einen Golden Globe nominiert. Für ihre Rolle in „Orphan Black“ wurde sie für zahlreiche Fernsehpreise nominiert und auch ausgezeichnet.

Titelsequenz von „Orphan Black“:

Trailer zu sehen:

4 Gedanken zu “TV – Serie: "Orphan Black, 1. Staffel"

  1. Ich würde auch gerne viiiel mehr Serien gucken, es sind so viele klasse Serien auf dem Markt. Nur woher die Zeit nehmen? Ich war (leider) ewig nicht mit ner ordentlichen Erkältung krank, da bietet es sich ja an Serien zu gucken, es sei denn man fühlt sich sogar dazu zu schwach. :))

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  2. Die Serie spielt vermutlich in Toronto. Sarah bekam in der 4. Folge auf dem Polizeirevier eine Videobotschaft von Helena und darunter eine Adresse, die Sarah besucht. Hausnummer 484. Später sieht man die Nummer über der Eingangstür und das ist das Waverley Hotel in Toronto, Kanada. Bei Tripadvisor gibt es ein Bild der Einganstür.

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