L.A. – Film: "Saving Mr. Banks"


Ich war am 21.12.13 in Los Angeles und habe mir im Kino angeschaut:

„Saving Mr. Banks“ (dt. Kinostart: 06.03.14) 120 min drama, comedy, musical, biopic
dir. John Lee Hancock cast: Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, B. J. Nowak

London 1961. Die „Mary-Poppins“-Autorin P.L. Travers (Emma Thompson) hat kein Interesse daran, weiter Bücher zu schreiben. Ihr Agent macht ihr aber klar, dass ihre Ersparnisse langsam zur Neige gehen und sie vielleicht ihr Haus verlieren könnte. Seit über zwanzig Jahren versucht Walt Disney (Tom Hanks) sie zu überreden, ihm die Filmrechte an ihrem berühmten Roman „Mary Poppins“ zu verkaufen. Mrs. Travers willigt schließlich ein nach Kalifornien zu fliegen, um mit dem Autor Don DaGradi (Bradley Whitford) und den beiden Komponisten Robert (B.J. Novak) und Richard Sherman (Jason Schwartzman) an dem Drehbuch zu arbeiten. Wenn alles zu ihrer Zufriedenheit ausfällt, würde sie die Rechte verkaufen. Das wird kein einfaches Projekt, für alle Beteiligten. Mrs Travers bedeuten die einzelnen Figuren in ihrem Roman nämlich sehr viel…

B- (Wertung von A bis F) „Saving Mr. Banks“ erzählt die Geschichte über den kreativen Prozess und die Entstehungsgeschichte zu der Walt-Disney-Verfilmung von „Mary Poppins“. In meiner zweiten Oscar-Prognose (vom 12.12.13) habe ich noch hervorgehoben, wie perfekt dieser Film für die Oscars ist. Dennoch wurde er (mit Ausnahme der Hauptdarstellerin Emma Thompson) von der mächtigen Schauspielgewerkschaft und der Auslandspresse bei den SAG- oder Golden Globe Nominierungen komplett übergangen. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass bei diesem Thema und den Schauspielern auch nur irgendetwas schief gehen konnte. Dafür musste ich mir tatsächlich erst den Film anschauen. Bei „Saving Mr. Banks“ führt John Lee Hancock Regie. Das alleine hätte mich eigentlich schon aufhorchen lassen müssen, hat er doch bereits den für mich kaum zu ertragenden The Blind Side inszeniert.

„Saving Mr. Banks“ ist selbstverständlich nicht so schlecht wie „The Blind Side“. Vermutlich wäre es sogar ein richtig guter und unterhaltsamer Film geworden, wenn er sich hauptsächlich auf das Zusammentreffen von P.L. Travers und dem Filmproduzenten Walt Disney und die unterschiedlichen Vorstellungen der Disney Kreativen und der Autorin, wie die Romanverfilmung auszusehen hat, konzentriert hätte.

Die kulturellen Welten, die aufeinandertreffen, wenn eine englische Lady (die P.L. Travers vorgibt zu sein) erstmalig auf die Amerikaner von der Westküste trifft, sorgen für einige Situationskomik. Die Eigenart der Amerikaner alle Mitmenschen – auch gegen deren Willen – bei ihrem Vornamen zu nennen, zieht sich als Gag praktisch durch den gesamten Film. Bei den Amerikanern dreht sich immer alles irgendwie ums Essen, dauernd und ständig müssen sie irgendetwas futtern. Das sorgt nicht nur bei P.L Travers für Unverständnis, mich verblüfft das noch heutzutage. Ich werde wohl auch nie nachvollziehen können, dass die Amerikaner nicht gerne zu Fuß unterwegs sind. (Warum sollte man auch laufen, wenn man doch viel bequemer auch kürzeste Entfernungen mit dem Auto zurücklegen kann).

Auch wenn „Saving Mr. Banks“ im Ganzen zu lang ist, hat er doch tolle und rührende Momente.. Leider wird man andauernd und permanent aus der Geschichte gerissen. Der Film hat unzählige Rückblenden. Einige der Erinnerungen aus P.L. Travers Kindheit sind notwendig, um zu verstehen, wie wichtig der Autorin die Charaktere in ihrem berühmten Roman sind. Zu dieser Erzähltechnik hätte man am Besten am Anfang des Films greifen sollen, in einer vielleicht größeren Rückblende hätte man P.L. Travers´ Kindheit in Australien und die Beziehung zu ihrem Vater beleuchten können. Später im Film hätte man dann vielleicht noch ein oder zwei signifikante Szenen aus der Vergangenheit reinbringen können. In „Saving Mr. Banks“ wird aber andauernd zurückgeblickt, das ist nicht gut gelöst und hat den Fluss der eigentlichen Handlung erheblich gestört.

Emma Thompson ist – wie erwartet – großartig als P. L. Travers. Die zweimalige Oscar-Gewinnerin (sie hat einen Oscar als beste Hauptdarstellerin für den Film „Howards End“ und einen für das beste adaptierte Drehbuch für „Sense and Sensibility“ gewonnen) kann zu Recht damit rechnen, dass sie im kommenden Jahr für diese Rolle mit einer Oscar-Nominierung bedacht wird.

Besonders gefallen hat mir die ganze Premieren-Sequenz. Auch ist die Ausstattung sehr authentisch, eigentlich gefällt mir vieles im Film. Paul Giamatti ist gut, Colin Farrell ist hervorragend. Den beiden Komponisten-Brüder (gespielt von Jason Schwartzman und B.J. Novak) und dem Drehbuchautor (von Bradley Whitford dargestellt) habe ich gerne zugeschaut und Tom Hanks überzeugt als Walt Disney.

„Saving Mr. Banks“ wurde von dem Disney-Konzern produziert. Entsprechend wird die Entstehungsgeschichte zu dem „Mary Poppins“-Film aus der Disney-Perspektive erzählt. Disney hat die Geschichte frech geschönt, man könnte aber auch sagen, die in „Saving Mr. Banks“ erzählte Geschichte ist zum größten Teil frei erfunden. In John Lee Hancocks Film mag die Romanautorin letztlich die Disney-Verfilmung, in der Realität hat sie den Film gehasst. Auch wird hier der Kettenraucher Walt Disney selbstverständlich nie beim Rauchen gezeigt, lediglich hustet er viel und drückt mal eine Zigarette aus. Wenn man den Hintergrund nicht kennt (und man kein Problem mit den nervigen Rückblenden hat), könnte einem der Film richtig gut gefallen. Definitiv ist der Film eine gute Werbung für den Film „Mary Poppins“. Wie praktisch, dass der Disney-Konzern zum amerikanischen Kinostart von „Saving Mr. Banks“ auch gleich die Blu-ray von „Mary Poppins“ herausgebracht hat.

Während meines Kinobesuchs kam bei mir beinahe zwangsläufig der Wunsch nach einem Biopic über Walt Disney auf. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Tom Hanks erneut Walt Disney portraitiert, nur dieses Biopic sollte unter keinen Umständen von der Disney Company produziert werden.

Die Academy-Mitglieder sind gerade dabei, ihre Wahlzettel für die Oscar-Nominierungen auszufüllen. Bis zum 8.1.14 haben sie Zeit, ihre Stimme abzugeben. Vor 2 1/2 Wochen war ich, wie gesagt, noch sicher, dass „Saving Mr. Banks“ als Bester Film gesetzt ist und der Film sogar Chancen auf den Oscar-Gewinn als Bester Film hat. Erst nachdem ich den Film gesehen habe, bin ich dahingehend verunsichert. Auf der anderen Seite habe ich gehört, dass er in den offiziellen Academy-Vorführungen gut ankommt. Die Mitglieder der Academy scheinen den Film sehr zu mögen. Wenn sie bis zum 8.1. nicht herausfinden, dass alles erfunden ist, werden sie ihn meines Erachtens nominieren.

In meiner Vorstellung gab es zum Schluss des Films Applaus vom Publikum.

„Saving Mr. Banks“ wurde erstmalig auf dem London Film Festival 2013 gezeigt.

„Saving Mr. Banks“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Emma Thompson), Bester Nebendarsteller (Tom Hanks), Bestes Originaldrehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt, Bestes Make-up und beste Frisuren, Beste Filmmusik (ist bereits qualifiziert)

Die amerikanische Kinotrailer:

Die Website:

http://movies.disney.com/saving-mr-banks/

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Gimme Shelter“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Drama mit Vanessa Hudgens. Eigentlich würde ich den Film nicht gucken weil ich die Hauptdarstellerin nicht mag, aber der Trailer sieht vielversprechend aus.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60%

Trailer v. Film: „Labor Day“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Jason Reitmans neuer Film mit Kate Winslet und Josh Brolin. Galt mal als Oscar-Kandidat.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Non-Stop“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Actionfilm mit Liam Neeson und Julianne Moore. Filme, die in einem Flugzeug spielen muss ich gucken – früher oder später.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Heaven is for Real“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Buchverfilmung mit Greg Kinnear und Kelly Reilly. Drama über Nahtod-Erfahrungen eines dreijährigen Jungen. Schlimm.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Million Dollar Arm“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: biografischer Baseball-Film mit Jon Hamm und Lake Bell.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Son of God“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Bibel-Film. Warum habe ich das Gefühl, dass Mel Gibson seine Finger im Spiel hat?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: niemals

Trailer v. Film: „Muppets Most Wanted“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Neuer Muppets-Film mit dem großartigen Ricky Gervais
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

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