L.A. – Film: "Her"


Ich war am 20.12.13 in Los Angeles und habe mir im Kino angeschaut:

„Her“ (dt. Kinostart: 27.03.14) 119 min drama, sci-fi
dir. Spike Jonze cast: Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Chris Pratt voice: Scarlett Johansson

Los Angeles – in nicht so ferner Zukunft. Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) schreibt beruflich wunderbare Liebesbriefe für andere Leute, privat weiß er sich oftmals nicht richtig auszudrücken. Jetzt lebt er gerade in Scheidung von seiner Frau Catherine (Rooney Mara). Theodore legt sich ein neues Betriebssystem zu. Das OS 1 ist das erste Betriebssystem von künstlicher Intelligenz. Dieses Betriebssystem kann sogar denken und fühlen. Nachdem ihm ein paar persönliche Fragen gestellt wurden und seine Festplatte durchgecheckt wurde, ist das OS direkt auf ihn zugeschnitten und beginnt sich, durch eine sympathische Frauenstimme, mit ihm zu unterhalten. Samantha (Scarlett Johansson) nennt sie sich, erinnert ihn an Termine, liest ihm seine Emails vor und er vertraut ihr seine Gedanken an. Die Beziehung wird immer inniger…

A- (Wertung von A bis F) „Her“ ist ein Film über eine ungewöhnliche Liebesbeziehung. Es ist aber auch ein Film über die Einsamkeit in einer zunehmend technisierten Welt.

Spike Jonze („Being John Malkovich“, „Adaptation“, Where the Wild Things Are) zeichnet mit seinem erst vierten Spielfilm eine Welt in der näheren Zukunft. Eine Zukunft, in der die Technologie einen immer größeren Stellenwert in unserem Leben einnimmt. Die Menschen begegnen sich zwar noch, unterhalten sich, aber zwischenmenschliche Beziehungen nehmen immer mehr ab. Der Computer, das Betriebssystem bestimmt zunehmend das Leben. Es übernimmt weite Teile der Kommunikation in der Gesellschaft, was zwangsläufig in Einsamkeit resultiert.

Es ist etwas ganz Besonderes in diese abgedrehte Welt von Spike Jonzes „Her“ einzutauchen. Man muss sich aber auch darauf einlassen können und wollen. Der Regisseur Spike Jonze hat bereits zwei Mal mit dem Drehbuch-Genie Charlie Kaufmann („Confession of a Dangerous Mind“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“, Synecdoche, New York) gearbeitet. Zuerst bei seinem Regiedebüt „Being John Malkovich“, dann bei seinem zweiten Film „Adaptation“. „Her“ fühlt sich auch an, als käme er aus Charlie Kaufmanns Ideenfabrik. Dieses Mal hat Spike Jonze aber die Vorlage zu seinem Film völlig allein geschrieben.

Ich finde die Idee mit dem Betriebssystem von künstlicher Intelligenz genial und kann mir vorstellen, dass in einigen, wenigen Jahren so etwas zur Normalität werden kann. Schon seit einigen Jahren beobachte ich sorgenvoll, dass die meisten Menschen mehr in ihr Handy schauen, gucken was in sozialen Netzwerken passiert, anstatt sich persönlich mit anderen Menschen zu unterhalten. Der direkte Kontakt zu seinen Mitmenschen scheint immer mehr abzunehmen. Da ist die Idee mit dem personifizierten Betriebssystem praktisch nur einen Schritt weiter. In „Her“ sieht man (später im Film) wie die Leute auf der Straße nicht nur dauernd in ihr Handy gucken und durch das Handy mit jemanden reden, sondern sie reden direkt mit ihrem Handy, bzw. mit ihrem personifizierten Betriebssystem. Sie bauen eine Beziehung zu ihrem Betriebssystem auf und dann ist es sicherlich nur noch ein kleiner Schritt, Gefühle für sein OS zu entwickeln.

Das Erste was mir in „Her“ aufgefallen ist, waren diese weichen schönen Farben, die großartige Szenenbilder und die fantastische Ausstattung. Alleine in dieser einzigartigen Ausstattung könnte ich mir vorstellen zu leben. Wenn so Großraumbüros aussehen, möchte ich auch in einem arbeiten. Dieses warme Licht in den Innenräumen schafft so eine Wohlfühl-Atmosphäre, teilweise ganz im Kontrast zu den Aufnahmen in der Innenstadt. Die Stadt, hier das Los Angeles in der Zukunft, wirkt kalt und klinisch sauber (mich hat das sofort an japanische Städte wie Osaka oder Nagoya erinnert).

Joaquin Phoenix („Gladiator“, „Walk the Line“, We Own the Night, I´m Still Here, The Master) zeigt einmal mehr was für ein brillanter Schauspieler er ist. Ich habe ihn, glaube ich, in beinahe jedem Film gesehen. In der Vergangenheit hat er oft genug gezeigt, was für ein facettenreicher Schauspieler er ist, auch wenn ich ihn immer besonders überzeugend fand, wenn er irgendwie durchgeknallte Charaktere spielt. Ich kann mich nicht erinnern, wann er je so einen sympathischen und gefühlvollen Charakter wie in „Her“ gespielt hat. Joaquin Phoenix ist Theodore Twombly und damit ist das eine eindeutige Oscar-Performance. Ich kann mir auch keinen anderen Schauspieler vorstellen, der diese Rolle hätte überzeugend verkörpern können. Dennoch ist es gut vorstellbar, dass er bei den Oscar-Nominierungen im nächsten Jahr übergangen wird. Ausgerechnet in die Kategorie Bester Hauptdarsteller drängen sich lauter nominierungswürdigen Performances. Um den wichtigsten männlichen Schauspielern im Filmjahr 2013 gerecht zu werden, könnte man locker die Kategorie Beste Hauptdarsteller auf zehn zu Nominierende erweitern.

Auch im Gespräch für eine Oscar-Nominierung ist Scarlett Johansson. Die Academy hat jedoch noch nie jemanden für eine reine Sprechrolle nominiert, daher ist auch hier eine Nominierung eher unwahrscheinlich. Ich sehe Scarlett Johansson nun gar nicht gerne, aber muss zugeben, dass sie eine schöne Stimme und Sprache hat. Samantha wurde übrigens zuvor von der Schauspielerin Samantha Morton gesprochen. Nachdem der Film abgedreht war, hat sich jedoch Spike Jonze entschieden, ihre Rolle noch einmal komplett von einer anderen Schauspielerin, also Scarlett Johansson, sprechen zu lassen.

Das Einzige woran ich mich in dem Film erst gewöhnen musste, sind Joaquins Hosen (bzw. auch die Hosen der anderen Männer). Später im Film fand ich aber selbst die auf seltsame Weise toll.

Da in dem Film „Her“ die Stimmen und die Sprache eine äußerst wichtige Rolle spielen, sollte er ausschließlich in der Originalfassung geschaut werden. Auch sollte „Her“ vorzugsweise auf der großen Leinwand gesehen werden.

„Her“ ist ein Film nach einem Originaldrehbuch. Wenn man sich den Film anschaut, dann denkt man sofort, dass dies eine Indie-Produktion ist. „Her“ wurde aber tatsächlich von einem großen Studio (Warner Bros Pictures) produziert. Und das in einer Zeit, in der von den Studios hauptsächlich dumme Actionfilme, Comic-Verfilmungen, Buchadaptionen, Remakes, Fortsetzungen und Neuauflagen von bereits vorhandenen Filmen oder Reihen die Kinosäle blockieren. Daher weiß ich den so kleinen, feinen Film von einem Major besonders zu schätzen.

Definitiv wird „Her“ in meiner Bestenliste für Filme aus dem Jahr 2013 auftauchen.

Als ich mir den Film angeschaut habe, lief er nur auf sechs Leinwänden in den gesamten U.S.A. bzw. Kanada (New York, L.A. und Toronto)

„Her“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2013 gezeigt.

„Her“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Joaquin Phoenix), Beste Nebendarstellerin (Amy Adams, Scarlett Johansson), Bestes Originaldrehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Beste Filmmusik (bereits qualifiziert), Bester Original Song („The Moon Song“ ist bereits qualifiziert)

Der amerikanische Kino-Trailer:

Die Website:

http://www.herthemovie.com/#/home

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Labor Day“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Jason Reitmans neuer Film mit Kate Winslet und Josh Brolin. Galt mal als Oscar-Kandidat.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Other Woman“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Komödie mit Cameron Diaz und Leslie Mann. (Schön zu sehen, dass auch Cameron Diaz älter wird und noch besser, dass sie auf Botox verzichtet)
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: weiß nicht

Trailer v. Film: „Winter´s Tale“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Romanverfilmung mit Colin Farrell, Jennifer Connelly und Russell Crowe. Romantisches Drama mit esoterischem Einfluss. Hilfe!
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Edge of Tomorrow“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Sci-Fi-Film mit Tom Cruise und Emily Blunt. Während des Trailers habe ich mir notiert: „Das kann doch nicht deren Ernst sein“. Ich kann mich aber nicht erinnern warum und wollte mir den Trailer auch nicht noch mal im Netz anschauen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

2 Gedanken zu “L.A. – Film: "Her"

  1. Ach, da bin ich gespannt, auch wenn mein Verhältnis zu Jaquin gespalten ist :))
    Samantha Morton mag ich aber. Nun habe ich ihre Stimme nicht im Kopf, aber enttäuschend für einen Künstler nach getaner Arbeit so ausgetauscht zu werden.
    Hm und was „The Edge of Tomorrow“ angeht, sieht das mal wieder nach Käferinvasion aus gepaart mit Zeitschelife und hoffentlich nicht so schlechter Musik wie im Trailer. Was solls, werde ich sicher gucken :)) Also beide!

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  2. Ja, ich mag Samantha Morton auch sehr gerne. Nur wenn der Künstler, sprich der Regisseur ihre Stimme als nicht perfekt empfindet, muss er sie natürlich austauschen. Kann ich schon verstehen, so richtig kann ich allerdings nicht nachvollziehen, warum ihm das erst so spät aufgefallen ist. :no:

    Ich kann mich tatsächlich null an den Trailer von „The Edge of Tomorrow“ erinnern. Käferinvasion – ja? Na für mich ist das eh nichts. :))

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