Chicago – Film: "Philomena"


Ich war am 29.11.13 und am 30.11.13 Chicago und habe mir im Kino angeschaut:

„Philomena“ (dt. Kinostart: 27.02.14) 98 min drama, comedy, adaptation
dir. Stephen Frears cast: Judi Dench, Steve Coogan

Martin Sixsmith (Steve Coogan) hat als Auslandskorrespondent bei der BBC gearbeitet und zuletzt für die Blair Regierung. Gerade hat er seinen Job verloren und steckt jetzt in einer tieferen Krise. Da tritt ein junge Frau an ihn heran und erzählt von ihrer Mutter, Philomena Lee (Judi Dench). Philomena ist eine tiefgläubige, irische Dame, die bei katholischen Nonnen aufgewachsen ist und in sehr jungen Jahren ungewollt schwanger wurde. Nach der Geburt ihres Sohnes musste Philomena im Nonnenkloster hart arbeiten, durfte aber dafür ihren kleinen Anthony eine Stunde täglich sehen. Noch als Kleinkind wurde ihr der Junge dann aber weggenommen und von der katholischen Kirche zur Adoption freigegeben. Philomenas Sohn wäre heute fünfzig Jahre alt, mehrfach hat sie sich schon gefragt, wie es ihrem Sohn wohl jetzt geht und auch versucht, ihn zu finden. Martin ist eigentlich ein Polit-Journalist und schreibt normalerweise keine Geschichten über menschliche Schicksale, aber er hat gerade sowieso nichts zu anderes tun…

A- (Wertung von A bis F) „Philomena“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert. Der Film basiert auf Martin Sixsmiths Buch „The Lost Child of Philomena Lee“.

Was für eine rührende Geschichte, die Stephen Frears („Dangerous Liaisons“, „High Fidelity“, „The Queen“) hier verfilmt hat. Bei dieser Tragikomödie gibt es vieles zu schmunzeln, einiges zu lachen und auch laufen irgendwann einfach die Tränen (ich habe den Film zwei Mal gesehen und in beiden Vorstellungen haben auch einige Männer auffällig geschnieft).

„Philomena“ gab mir eine der seltenen Gelegenheiten im Kino, bei denen ich mich irgendwann während des Films entspannt zurücklehnen konnte. Ab einem gewissen Zeitpunkt wusste ich einfach, dass jetzt nichts mehr schief gehen konnte. Mein Vertrauen in Stephen Frears, in die Story, das Drehbuch und die beiden Akteure war grenzenlos. (Der Moment, der mich entspannen ließ, war die Szene im Frühstücksraum in Washington D.C.)

Philomena ist eine recht einfache Frau, optimistisch, naiv, eine gläubige Katholikin, immer höflich, zu jedem nett und Sarkasmus ist ihr fremd. Martin Sixmith ist gebildet, intellektuell, ein Snob könnte man sagen, Atheist und ein Zyniker mit einem wunderbar trockenen Humor. Die Beiden wirken als wären sie aus zwei unterschiedlichen Welten. Gegensätzlicher können sie nicht sein und das Zusammentreffen dieser beiden Persönlichkeiten und das Eintauchen von Steve Coogans Charakter Martin Sixsmith in Philomenas Welt und ihre Sicht der Dinge macht den Charme des Film aus. Am Anfang wundert er sich noch über Philomena, ist ihm doch eine solche Person völlig fremd. Vielleicht ist er mitunter genervt, lässt bissige, aber treffende Sprüche ab und dann bröckelt seine Fassade und sein großes Herz kommt zum Vorschein.

Ich war von beiden Charakteren völlig in den Bann gezogen. Die besten Schauspieler sind die, bei denen man in einem Film komplett vergisst, dass man eigentlich Schauspieler sieht. Sowohl Judi Dench als auch Steve Coogan verschwinden komplett in ihren Filmcharakteren. Ich bin mir sicher, dass der Film mit anderen Schauspielern nicht funktioniert hätte. Sowohl Judi Dench als auch Steve Coogan geben hier eine Oscar-Performance. Ich LIEBE Martin Sixsmith und Philomena hat mich mit ihrer Charakterstärke und ihrer Großherzigkeit zu Tränen rührt. Trotz allem, was ihr widerfahren ist, sie glaubt an das Gute im Menschen. Die ganze Geschichte über habe ich mich zweifelsfrei an Martin Sixsmiths Seite gesehen, habe Philomena mit seinen Augen gesehen und wenn sie dann zu Martin sinngemäss sagt, dass es doch wahnsinnig anstrengend sein muss, gegenüber Anderen Wut und Aggressionen zu verspüren, dann sagt sie etwas, was mich noch Tage später darüber nachdenken ließ.

Ich habe mir „Philomena“ am nächsten Tag ein zweites Mal angeschaut. Beim ersten Mal war ich mir schon recht sicher, aber mit dem zweiten Kinobesuch wusste ich zu hundert Prozent, dass der Film festgesetzt in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2013 landet.

„Philomena“ wurde erstmalig auf dem Venice International Film Festival 2013 gezeigt. Im Anschluss daran wurde er auf dem Toronto International Film Festival gezeigt. In Toronto wird immer ein Publikumspreis verliehen. Im Jahr 2013 hat „12 Years a Slave“ den ersten Platz erzielt und „Philomena“ den zweiten.

Ich bin sicher, dass Judi Dench neben Cate Blanchett, Sandra Bullock, Emma Thompson (und vielleicht Meryl Streep) eine Oscar-Nominierung als Beste Hauptdarstellerin erhält. In meinen Augen dürfte Sandra Bullock gar nicht nominiert werden, Emma Thompson und Meryl Streep habe ich bislang noch nicht beurteilen können. Es fällt mir aber schwer zu glauben, dass eine der beiden Damen besser als Cate Blanchett in Blue Jasmine ist. Sie hat den Oscar einfach verdient. Ich könnte es aber sehr gut verschmerzen wenn stattdessen Judi Dench mit dem Academy Award ausgezeichnet wird.

„Philomena“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Judi Dench), Bester Nebendarsteller (Steve Coogan), Bestes adaptiertes Drehbuch

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Gloria“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Wurde von Chile für die nächsten Oscars (bester fremdsprachiger Film) eingereicht. Weiß nicht, es könnte sein, dass mir die Hauptdarstellerin auf die Nerven geht. Sie sieht irgendwie aus wie Dustin Hoffman in „Tootsie“.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x (2 x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%, wenn er für den Oscar nominiert wird

Trailer v. Film: „Out of the Furnace“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Drama/Thriller mit Christian Bale, Casey Affleck, Woody Harrelson und Willem Dafoe
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x (2 x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mittlerweile bereits gesehen

Trailer v. Film: „Her“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Spike Jonzes neuer Film mit Joaquin Phoenix. Mittlerweile kann ich bei dem Trailer mitsprechen. Film mausert sich langsam zu einem der Kritikerlieblinge.
Wie oft schon im Kino gesehen: 7 x (8 x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Heaven is for Real“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Buchverfilmung mit Greg Kinnear und Kelly Reilly. Drama über Nahtod-Erfahrungen eines dreijährigen Jungen. Schlimm.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x (2 x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „One Chance“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: britischer Film über den Gewinner von Britain´s Got Talent-Gewinner Paul Potts. Interessiert mich eigentlich gar nicht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x (2 x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 10%

Trailer v. Film: „Belle“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: britischer Kostümfilm mit Tom Wilkinson, Miranda Richardson, Matthew Goode, etc. Ich weiß trotzdem nicht…
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x (3 x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 49%

Trailer v. Film: „August: Osage County“
Bewertung des Trailer: B
Kommentar: Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks. Tragikomödie mit Meryl Streep, Julia Roberts, Benedict Cumberbatch, Chris Cooper, Ewan McGregor, Juliette Lewis, Abigail Breslin, Sam Shepard
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x (3 x)
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

3 Gedanken zu “Chicago – Film: "Philomena"

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