Berlin – Film: "Inside Llewyn Davis"


Ich war am 21.11.13 in Berlin und habe mir im Kino angeschaut:

„Inside Llewyn Davis“ (dt. Kinostart: 05.12.13) 104 min drama, comedy
dir. Joel Coen, Ethan Coen cast: Oscar Isaac, Carey Mulligan, John Goodman, Garrett Hedlund, Justin Timberlake, Adam Driver

Im Jahr 1961 in New York. Llewyn Davis (Oscar Isaac) ist ein erfolgloser Folkmusiker. Er war Part eines Musikerduos bis sich sein Partner das Leben nahm. Jetzt lebt er von der Hand in den Mund. Nicht einmal eine eigene Wohnung kann er sich leisten. Jede Nacht schläft er bei anderen Freunden auf der Couch. Gerade als er eines Morgens die Wohnung eines befreundeten Ehepaars verlassen will, entwischt ihm auch noch deren Katze…

B- (Wertung von A bis F) Ganz vage basiert „Inside Llewyn Davis“ auf den Memoiren von Dave Van Rock.

Der neueste Film der Coen Brüder ist eine Charakterstudie eines erfolglosen Folkmusikers zu Beginn der 1960er Jahre in New York, kurz bevor Bob Dylan in die Stadt kam und die gesamte Szene auf den Kopf stellte. Der fiktive Charakter Llewyn Davis ist ein guter Musiker, nur von seiner Musik allein kann er nicht leben. Einen Plan B hat er aber auch nicht. Er hat kein Geld, nicht mal einen Wintermantel hat er, ganz zu schweigen von einer eigenen Wohnung. Zu allem Überfluss ist es auch noch seine Schuld, dass die Katze von Freunden abhaut und die Frau seines Freundes ist auch noch schwanger. Vielleicht von ihm, genaues weiß man aber nicht. Llewyn Davis ist irgendwie vom Pech verfolgt, aber trifft auch falsche Entscheidungen. Jedenfalls halten ihn alle für einen Verlierer.

Auch wenn für mich nicht alle Filme von Joel und Ethan Coen die Klasse von „Raising Arizona“, „Fargo“, „The Big Lebowski“, „The Man Who Wasn´t There“, No Country for Old Men und A Serious Man haben, so sind sie für mich alle auf ihrer Art sehenswert. Bei den Filmen der Coen Brüder bekommt man immer auffällig tolle Szenenbilder, authentische und detailverliebte Ausstattungen und skurrile Charaktere und Dialoge geboten.

Bei „Inside Llewyn Davis“ mochte ich am meisten einen der Nebencharakter gespielt von Garrett Hedlund, aber auch Stark Sands und John Goodman haben mir gefallen. Schauspielerisch gut fand ich – wieder einmal – Carey Mulligan, nur ging mir ihr Charakter richtig auf die Nerven.

Oscar Isaac („Body of Lies“, „Robin Hood“, Drive) war mir bislang noch gar nicht aufgefallen. Die Coens haben „Inside Llewyn Davis“ als eine Art Dokumentation gefilmt. Die kreativen Filmemacher haben eine Weile gebraucht, um die Figur des Llewyn Davis perfekt zu besetzen. Für diese Hauptrolle haben sie einen Schauspieler gesucht, der live singen kann, praktisch ein Folk-Konzert geben kann. Ein solches Talent haben sie mit Oscar Isaac gefunden. Für mich gibt Oscar Isaac eine Oscar-Performance, weil es außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt, dass er diesen Folksänger/diese Verlierertype nur gespielt hat. Die Kategorie Bester Schauspieler ist im nächsten Jahr schon bestens aufgestellt. Seit Jahren gab es nicht so viele Anwärter, die es verdient hätten unter die letzten Fünf zu kommen. Ich sehe Robert Redford, Matthew McConaughey, Chiwetel Ejiofor und Tom Hanks als bereits festgesetzt und um den letzten Platz in dieser Kategorie müssen halt Oscar Isaac, Bruce Dern, Forest Whitaker, Joaquin Phoenix, Michael B. Jordan, Christian Bale und vielleicht Leonardo DiCaprio (bis zum heutigen Tag, den 26.11.13, ist der neue Scorsese-Film noch nicht öffentlich gezeigt worden) kämpfen. Oscar Isaac hat mit „Inside Llewyn Davis“ definitiv seinen Durchbruch geschafft. Die Filmindustrie ist jetzt auf ihn aufmerksam geworden und man wird ihm sehr wahrscheinlich großartige Rollenangeboten unterbreiten. Ich bin jetzt schon ganz gespannt, ihn in einer völlig anderen Rolle zu sehen.

Viel zu laut und dominant war mir die Musik im Film, hat mich musikalisch auch gleich an einen der für mich schwächsten Coen Filme („O Brother, Where Art Thou?“) erinnert. Das ist nicht weiter verwunderlich, da T-Bone Burnett für beide Filme den Soundtrack produziert hat.

„Inside Llewyn Davis“ kommt in den U.S.A. am 6.12.13, bzw. 20.12.13 ins Kino. Ich habe den Film in einer Pressevorführung in Berlin gesehen. Gezeigt wurde die OmU.

„Inside Llewyn Davis“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Oscar Isaac), Bester Nebendarsteller (John Goodman), Beste Nebendarstellerin (Carey Mulligan), Bestes Originaldrehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Kamera, Beste Kostüme, Bester Filmschnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt. Was die Musik von „Inside Llewyn Davis“ angeht, ist es derzeit noch sehr fraglich, ob die Musik in dem Film die strengen Richtlinien der Academy erfüllt. Speziell der Song „Please Mr. Kennedy“ war im Gespräch für eine mögliche Oscar-Nominierung, derzeit ist aber eher wahrscheinlich, dass der Song disqualifiziert wird.

„Inside Llewyn Davis“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2013 gezeigt. Dort wurde „Inside Llewyn Davis“ mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, was als zweiter Platz nach der Goldenen Palme gilt.

dt. Trailer zu sehen:

Originaltrailer zu sehen:

2 Gedanken zu “Berlin – Film: "Inside Llewyn Davis"

  1. Wie „O Brother, Where Art Thou?“ ist doch ein klasse Film 🙂
    Lief erst letztens wieder auf Arte, kann ich immer gucken.
    Ich persönlich fand ja „Ladykillers“ und Burn After Reading“ ziemlich schlecht und diesen hier eben. Dessen ungeachtet fand ich die Leistung Oscar Isaacs wirklich gut, er war mir richtig unsympathisch :))

    Liken

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