San Francisco – Film: "Blue is the Warmest Colour"


Ich war am 14.11.13 in San Francisco und habe mir im Kino angeschaut:

„Blue is the Warmest Colour“ (dt. Titel: „Blau ist eine warme Farbe“, Originaltitel: „La Vie d´Adèle – Chapitre 1 & 2“, dt. Kinostart: 19.12.13) 179 min drama, adaptation
dir. Abdellatif Kechiche cast: Adèle Exarchopoulos, Léa Seydoux

Adèle (Adèle Exarchopoulos) geht noch zur Schule. Mit einem älteren Mitschüler hat sie eine kurze Affäre, aber das ist nicht das wonach sie sucht. Auf der Straße begegnet ihr eine junge Frau mit blauen Haaren. Adèle merkt, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. In einem Club trifft sie erneut auf diese Frau. Adèle verliebt sich in die Kunststudentin Emma (Léa Seydoux). Kurz darauf sind sie zusammen…

C- (Wertung von A bis F) „Blue is the Warmest Colour“ basiert auf dem Comic „Le Bleu est une couleur chaude“ von der Französin Julie Maroh.

Jetzt habe ich wieder einmal auf schmerzliche Weise erfahren müssen, bzw. mir in Erinnerung gerufen, warum ich keine französischen Filme mag. 179 endlose Minuten lang (das Kinoprogramm hatte sogar 187 Minuten ausgewiesen – mir kam der Film sogar länger vor als mein Flug von München nach San Francisco). Nach nicht einmal zwanzig Minuten habe ich mich schon fürchterlich gelangweilt, da ich aber Filme, über die ich vorhabe etwas zu schreiben, immer bis zum Schluss gucke, musste ich noch weitere, mehr als 2 1/2 Stunden tapfer durchhalten. „Blue is the Warmest Colour“ steht exemplarisch für die französischen Filme, die ich grauenhaft finde. In dem gesamten Film passiert gar nichts, bzw. wenig, man muss brüllend langweiligen Charakteren zugucken, gelabert wird viel, gesagt wenig. Außerdem werden französische Schauspieler (wie auch in diesem Film) gerne in den Himmel gelobt und ich frage mich warum.

Hier entdeckt ein pubertierendes Mädchen ihre Sexualität – na bravo. Erst ist sie mit einem Typen zusammen, dann trifft sie auf ihrer erste große Liebe, eine Frau. Dann sind sie zusammen. Dann gibt es Stress, dann folgt Liebeskummer. Ende der Geschichte. Hätte man auch in in 1 1/2 Stunden erzählen können.

Mir ist klar, warum sich vorwiegend erotisch unterversorgte (ältere) Männer diesen Film wiederholt angucken. Auf ganz simple Weise werden Männerfantasien bedient. Durch zwei Dinge, zum einen klar: die expliziten Sexszenen. Ein solches Exemplar an Mann hatte ich offensichtlich auch in meiner Vorstellung sitzen. Nach den zwei großen und ausgedehnten Sexszenen ist der ältere Herr aufgestanden und hat das Kino verlassen. Ich und die anderen Zuschauer mussten dann (was meinen Part angeht bedauerlicherweise) bestimmt noch zwei restliche Stunden des Films gucken. Das andere Lockmittel für (wahrscheinlich vorwiegend) Männer ist Adèle. In ihren erotischen Fantasien stellen sich wohl viele Männer genau so eine Französin vor: jung, ungeschminkt, wilde Haare, meist leicht dümmlich dreinblickend und – immer – (und ich meine wirklich ausnahmslos IMMER) sieht man diese Frau mit wenigstens leicht geöffneten Mund.

Ich bin jetzt kein Mann und finde dieses Mädchen (Adèle Exarchopoulos) nicht mal hübsch, auf keinen Fall finde ich sie so attraktiv, dass ich ihr Gesicht mindestens zwei Drittel des Drei-Stunden-Films in Nahaufnahme sehen muss. Auch wenn der heterosexuelle Regisseur es wollen würde, er könnte nicht leugnen, dass er völlig fasziniert, wenn nicht sogar verknallt in seine Hauptdarstellerin ist. So muss man dem Objekt seiner Begierde in endlos langen Einstellungen dabei zugucken, wie sie läuft, duscht, sich etwas in den Mund stopft, raucht, lacht, weint, vor sich hinguckt, redet, schläft und Sex hat (und alles in Nahaufnahme und mit offenen Mund). Für denjenigen, der die Hauptdarstellerin nicht so doll und ihren Filmcharakter und ihre Geschichte auch völlig uninteressant findet, ist das wahnsinnig anstrengend.

Bevor ich in den Film gegangen bin, war mir schon bekannt, was für ein Horror die Dreharbeiten gewesen sein müssen. Beide Darstellerinnen haben den Filmemacher als Monster tituliert und sich öffentlich darüber beschwert, wie der Regisseur sie bestimmte Szenen unendlich viele Male wiederholen liess. Irgendwann hat der Regisseur dann einen offenen Brief geschrieben und mit einer Klage wegen Rufmord gedroht. Wenn man so etwas weiß, dann bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Aufgrund der eindeutigen Sexszenen hat „Blue is the Warmest Colour“ in den U.S.A. selbstverständlich ein NC-17 Freigabe bekommen, dass ist die strengste Freigabe, die es dort gibt. In den U.S.A. wird der Film im französischen Original mit englischen Untertitel gezeigt.

„Blue is the Warmest Colour“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Adèle Exarchopoulos), Beste Nebendarstellerin (Léa Seydoux), Bestes adaptiertes Drehbuch. Um in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film bei den Oscars eingereicht zu werden, muss ein Film bis zum 30.09. des jeweiligen Filmjahres in seinem Ursprungsland gezeigt werden. „Blue is the Warmest Colour“ wurde erst nach der Frist in Frankreich im Kino aufgeführt, somit kann er nicht in dieser Kategorie nominiert werden. Die Auslandspresse hat nicht so strenge Richtlinien und so könnte „Blue is the Warmest Colour“ bei den Golden Globes nominiert und ausgezeichnet werden.

„Blue is the Warmest Colour“ wurde erstmalig auf dem Cannes Film Festival 2013 gezeigt. Dort wurde er mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Dieser Preis wurde nicht nur an den Regisseur, sondern auch an beide Hauptdarstellerinnen vergeben. Normalerweise wird ausschließlich der Regisseur mit der Goldene Palme ausgezeichnet.

Trailer zu sehen:

http://www.ifcfilms.com/films/blue-is-the-warmest-color

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „One Chance“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: britischer Film über den Gewinner von Britain´s Got Talent-Gewinner Paul Potts. Interessiert mich null.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „The Broken Circle Breakdown“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama Wurde von Belgien bei den nächsten Oscars (bester fremdsprachiger Film) eingereicht.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Capital“
Bewertung des Trailers: B- (neuer Trailer)
Kommentar: französischer Film über miese Banker und Banken. Ganz mein Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80%

7 Gedanken zu “San Francisco – Film: "Blue is the Warmest Colour"

  1. Nach den Knuddelszenen einfach gegangen? So ein Unhold! xD

    In meinem Umfeld sind die Feedbacks bisher ziemlich gemischt. Meiner besten Freundin in Paris hat der Film gut gefallen, allerdings fand sie die Knuddelszenen nicht besonders authentisch und in der Länge unnötig. Man merke angeblich sofort, dass die Darstellerinnen hetero sind. Hm, ich vertraue da mal ihrer.. äh.. Lebenserfahrung 🙂

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  2. Soweit ich sie verstanden hab, meinte sie nicht die Chemie der Darstellerinnen, sondern gewisse „technische“ Aspekte beim Knuddeln *prüde drumrum red* xD.

    Hihi, in Frankfurt gibt’s in einem meiner Programmkinos übrigens eine Preview nur für Frauen 🙂

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  3. hi du tapferer flight attendant,

    sehr interessante und detaillierte kritik! kann deine meinung absolut nachvollziehen.

    der film – vorgestern angeschaut – ist mindestens ne 3/4 stunde zu lang und die sex-szenen unnötig explizit/ausgedehnt. ansonsten fand ich ihn ziemlich gut, weil … aufrichtig.

    ach ja, „erotisch unterversorgte (ältere) Männer“ werden sich diesen film nicht mehrmals anschauen, die gucken porno.

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    • Danke

      Das mag sicher sein, dass die es vorziehen, einen Porno zu gucken. Geht ja auch schneller. :)) Ich habe bis heute aber nicht diesen alten (wirklich alten) Mann vergessen, der nach der zweiten Sexszene das Kino verlassen hat (und wie ich ihn darum beneidet habe, weil ich auch am liebsten gegangen wäre).

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  4. Ich hätte diese Filmkritik lesen sollen, bevor ich den Film angefangen habe. Warum so was bei einem der größten Filmfestivals der Welt gewinnt ist unbegreiflich? Im Grunde passiert nichts, dann kommen die Sexszenen, dann wieder gar nichts und das in endloser Länge. Man hätte daraus nen guten Film machen können, aber der Film ist einfach schlecht. Werde ihn aber bis zum Ende durchgucken, um dann am Monatsende meiner Frustration nochmal freien Lauf zu lassen. Bezeichnend, dass ich den Kommentar schreibe, während ich den Film gucke, aber es passiert ja eh nichts…

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    • Oh, da hast Du mein vollstes Mitgefühl. Was für ein schrecklicher Film. Auch wenn ich ihn damals nicht soooo schlecht bewertet habe, der hallt nach und fördert bei mir direkt wieder schlechte Laune. 🙂 Wenn ich eines Tages mal die unangenehmsten Filme aller Zeiten listen müsste, dann muss der definitiv rein. :))

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