Boston – Film: "Dallas Buyers Club"


Ich war am 8.11.13 in Boston und habe mir im Kino angeschaut:

„Dallas Buyers Club“ (dt. Kinostart: 06.02.14) 117 min biopic, drama
dir. Jean-Marc Vallée cast: Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Jared Leto, Steve Zahn, Dallas Roberts

Texas im Jahr 1985. Ron Woodroof (Matthew McConaughey) arbeitet als Elektriker. Er hat einen großen Frauenverschleiß, konsumiert Drogen und liebt Rodeo. Seit einiger Zeit ist er gesundheitlich angeschlagen und als er einen Arbeitsunfall erleidet, wird ihm im Krankenhaus mitgeteilt, dass er HIV-positiv ist und nur noch 30 Tage zu leben hat. Ron kann sich die Diagnose nicht erklären, gilt AIDS doch als Krankheit, an der ausschließlich Schwule erkranken. Ron informiert sich und nachdem die nötigen lebensverlängernden Arzneimittel von der zuständigen amerikanischen Behörde noch nicht zugelassen sind, lässt er sich in Mexiko behandeln. Dabei kommt ihm eine Geschäftsidee und er gründet mit der Transsexuellen Rayon (Jared Leto) den Dallas Buyers Club. Für einen monatlichen Mitgliedschaftsbeitrag bekommen die an AIDS erkrankten Mitglieder des Dallas Buyers Club ganz legal den lebensverlängernden Medikamentencocktail.

B (Wertung von A bis F) „Dallas Buyers Club“ wurde von wahren Begebenheiten inspiriert.

„Dallas Buyers Club“ ist ein Biopic. Der Film führt in das Texas der 1980er Jahre. Ron Woodroof ist ein schwulenfeindlicher Cowboy und ausgerechnet er soll an der „Schwulenkrankheit“ leiden? Ron lebt in einer Macho-Welt und durch Diagnose wird er von seinen Bekannten und Arbeitskollegen ausgegrenzt. Mit einem Schwulen wollen sie nichts zu tun haben. Wo soll ein an AIDS erkrankter Hetero hin, Selbsthilfegruppen sind keine Lösung. Im Krankenhaus lernt er die Transsexuelle Rayon (gespielt von Jared Leto) kennen, auch so eine Type, von der er in seinem bisherigen Leben großen Abstand genommen hätte. Dann hat Ron aber diese Geschäftsidee mit der Gründung des Clubs und macht Rayon zu seiner Geschäftspartnerin. Irgendwie ist ihm Rayon immer noch suspekt, aber er braucht sie, um Zugang zu der Schwulen-Szene und den möglichen Kunden zu bekommen. Letztendlich mag er sie auch, nur dass kann er ihr natürlich nicht zeigen. Trotz der ganzen Tragik der Geschichte ist „Dallas Buyers Club“ immer wieder sehr amüsant und witzig. Gerade die Beziehung zwischen Ron und Rayon sorgt für Humor. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Beinahe zwanzig Jahre hat es gedauert, bis das Filmprojekt „Dallas Buyers Club“ realisiert werden konnte. Bis Mitte der 1990er Jahre hatte Craig Borten verschiedene Drehbuchfassungen geschrieben und sie den großen Studios angeboten. Seinerzeit sollte noch Woody Harrelson die Hauptrolle spielen. Später dann Brad Pitt und Ryan Gosling, der Film hat aber dennoch nie grünes Licht bekommen. Einen Film über einen an AIDS sterbenden, nicht gerade sympathischen Mann wollte keiner finanzieren. Mit 4.75 Millionen Dollar ist „Dallas Buyers Club“ eine Low Budget Produktion und trotzdem stand die Finanzierung noch kurz vor den Dreharbeiten im Jahr 2012 auf der Kippe.

Matthew McConaughey gibt eine richtig gute Performance. Er sieht so schockierend mager und krank aus, dass ich während des Films in nur wenigen Momenten komplett vergessen konnte, was McConaughey für Strapazen auf sich genommen hat, um Ron Woodroof zu portraitieren. Rund 18 Kilo soll er abgenommen haben. Der Schauspieler Matthew McConaughey hat über die letzten Jahre eine richtige Wandlung durchgemacht, vom schnöseligen Schönling, der in RomComs beinahe zwanghaft permanent seinen gut trainierten Oberkörper präsentieren musste zu einem ernstzunehmender Schauspieler. „Dallas Buyers Club“ ist jetzt nach „Bernie“, „Magic Mike“ und „Mud“ der vierte Film in dem Matthew McConaughey eine nominierungswürdige Performance gibt. Ich gehe davon aus, dass er hierfür auch tatsächlich eine Oscar-Nominierung erhält.

Jared Leto hat ebenfalls zwischen 14 und 18 Kilo an Gewicht verloren. Er verschwindet aber komplett in seiner fiktiven Filmfigur, der drogensüchtigen und charmanten Drag Queen Rayon. Wenn sie auf der Leinwand auftaucht, konnte ich nicht mehr die Augen von ihr lassen. Das ist eine dieser seltenen Performances, bei der mein Herz schneller schlägt. Man merkt, dass Jared Leto Rayon versteht, kapiert wie sie tickt und irgendwann (wahrscheinlich noch weit vor Beginn der Dreharbeiten) eins wurde mit seiner Filmfigur. Ich wünschte ihre Rolle im Film wäre etwas größer, bzw. man hätte ihrer Figur noch etwas mehr Zeit gewidmet. Jared Leto („Fight Club“, „American Psycho“, „Requiem for a Dream“, „Panic Room“, „Lord of War“) mochte ich als Schauspieler immer wahnsinnig gerne und habe es sehr bedauert, dass er einige Jahre als Schauspieler von der Bildfläche verschwunden war. In den letzten, beinahe sechs Jahren hat er sich ausschließlich um seine Musik und seine Band Thirty Seconds to Mars gekümmert. Auch das sehr erfolgreich. Seine Rolle in „Dallas Buyers Club“ ist sein Comeback als Schauspieler und was für eins. Gleich wurden ihm Oscar-Chancen eingeräumt.

Noch wenige Tage bevor ich „Dallas Buyers Club“ gesehen habe, habe ich in meinem Beitrag zu „12 Years a Slave geschrieben, dass ich mir nicht vorstellen kann, welcher Schauspieler Michael Fassbender den Oscar im nächsten Jahr „klauen“ könnte. Tja, jetzt habe ich innerhalb von wenigen Tagen zwei überragende Performances gesehen, auch wenn die Charaktere grundverschieden sind, war die schauspielerische Leistung definitiv gleichwertig. Der einzige Unterschied ist, dass mir bei Jared Letos Performance das Herz aufging.

Jennifer Garner hat bei mir hier wieder unmittelbar einen Sekundenschlaf ausgelöst.

„Dallas Buyers Club“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Matthew McConaughey), Bester Nebendarsteller (Jared Leto), Beste Nebendarstellerin (Jennifer Garner), Bestes Originaldrehbuch

„Dallas Buyers Club“ wurde erstmalig auf dem Toronto International Film Festival 2013 gezeigt.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „American Hustle“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: David O. Russells neuer Film mit Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner und Jennifer Lawrence. Einer der beiden sogenannten Oscar-Filme, die noch nicht der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Hoffentlich ist er so gut wie jeder denkt.
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Grand Budapest Hotel“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Wes Andersons neuer Film mit Ralph Fiennes, Adrien Brody, Harvey Keitel, Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Bill Murray, Saoirse Ronan, Edward Norton, etc.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Her“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Spike Jonzes neuer Film mit Joaquin Phoenix. Ich liebe den Film schon jetzt. Dem Trailer nach auch eine Oscar-Performance von Joaquin Phoenix.
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Nebraska“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Oscar-Film. Um so öfter ich den Trailer sehe, um so besser gefällt er mir.
Wie oft schon im Kino gesehen: 5 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Oldboy“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Spike Lees neuer Film. Remake des südkoreanischen Films. Jetzt mit Josh Brolin, Sharlto Copley, Elizabeth Olsen, Samuel L. Jackson. Das Original habe ich erst vor gut 1 1/2 Jahren gesehen und mit B bewertet.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Lone Survivor“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Militär-Action-Film nach wahren Begebenheiten mit Mark Wahlberg und Eric Bana. Auch wenn die Musik schrecklich ist, der Film ist für mich erst mal zurück im Oscar-Rennen. Arbeitsfilm.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

5 Gedanken zu “Boston – Film: "Dallas Buyers Club"

  1. Die Affleck Familie kann bei Dir einfach nichts reißen was? :))
    Ach da freue ich mich drauf. Die Bilder der Filmaufnahmen sahen ja schon erschütternd aus und so ganz hat Matthew seine Pfunde noch nicht wieder drauf.
    Leto ist doch immer spindeldürre. Wo hat der da noch mehr als 10 kg runterhungern können????
    Ah und wieder ein Kandidat, der von „eher nicht“ über „hmm“ auf 100% gestiegen ist :))

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  2. 🙂 Naja mit Ben bin ich ja halbwegs versöhnt, zumindest was seine Regiearbeiten angeht. Er sollte halt nicht vor die Kamera treten, wie seine langweilige Frau und seinen Bruder halte ich auch für völlig überschätzt.

    Bei Dir ist echt schwer durchzusteigen, welche Dramen Dich interessieren und welche nicht. 🙂

    Stimmt Matthew sieht immer noch etwas krank aus. Habe ich nicht Leto gerade bei irgendwelchen MTV Awards gesehen, da sah er doch wieder so normal aus. Krank finde, ich, dass der für die Dreharbeiten einfach von einem Tag auf den anderen aufgehört hat zu essen. :no:

    Man Dir entgeht echt nichts… :)) Lust habe ich auf den Film gar nicht, aber mittlerweile höre ich aber ganz gute Sachen. 🙂

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  3. 10 Kilo ? Ist doch auch nicht schlecht. 🙂 Dann pass auf, dass Du es nicht bald wieder drauf hast, Weihnachten steht ja praktisch wieder vor der Tür. :))

    Matthew hat ja sehr kontrolliert abgenommen, im Gegensatz zu Jared Leto, der hat einfach aufgehört zu essen – von einem Tag auf den anderen. Das finde ich krass.

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  4. Hihi, ich bin zum Glück kein Fan von Schokolade, Plätzchen oder fetten Fleischgerichten, muss mich halt von Xmas-Pizzen fernhalten xD.

    Oha, böser Jared! 🙂 Mehr als zwei Kilo soll man pro Monat eigentlich nicht abnehmen, weil Teile der Muskulatur drunter leiden (insbesondere auch der Herzmuskel).

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