D.C. – Film: "Captain Phillips"


Ich war am 11.10.13 in Washington und habe mir im Kino angeschaut:

„Captain Phillips“ (dt. Kinostart: 14.11.13) 134 min drama, thriller, action, biopic, adaptation
dir. Paul Greengrass cast: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Catherine Keener, Max Martini

Richard Phillips (Tom Hanks) ist Kapitän des amerikanischen Frachtschiffs Maersk Alabama. Im Jahr 2009 schippert er mit seiner Besatzung von Salala im Oman nach Mombasa in Kenia. Am zweiten Tag auf See erhält Captain Phillips eine Warnung. Vor somalischen Piraten sollen sie sich in Acht nehmen. Er trifft nötige Sicherheitsvorkehrungen. Schon bereits am nächsten Morgen nähert sich ein kleines Boot schwer bewaffneter Somalier. Der 20-köpfigen Crew gelingt es, sie abzuschütteln. Aber sie werden sich wieder nähern, denn sie haben nichts zu verlieren…

B+ (Wertung von A bis F) „Captain Phillips“ basiert auf einer wahren Geschichte. Der Film stützt sich auf Richard Phillips und Stephen Taltys Buch „A Captain´s Duty: Somali Pirates, Navy SEALs, and Dangerous Days at Sea“.

Bevor ich ins Kino gegangen bin, habe ich im amerikanischen Frühstücksfernsehen noch den richtigen Kapitän Richard Phillips im Interview gesehen. Er wurde u.a. gefragt, wie glaubhaft er seine Erlebnisse im Film geschildert fand. Er hat daraufhin geantwortet, dass der Film sehr realistisch ist, so weit es halt möglich ist, die Ereignisse von fünf Tagen in einem Zwei-Stunden-Film wiederzugeben. Auch hat er erzählt, dass derzeit noch ein Verfahren läuft. Einige Besatzungsmitglieder haben die Reederei verklagt, weil sie trotz bekannter Bedrohung durch die Piraten, zu nahe an der somalischen Küste fahren und dadurch ein zu großes Risiko eingehen mussten.

Der Regisseur Paul Greengrass hat bereits mit seinem Film „United 93“ gezeigt, wie man historische Ereignisse, bei denen man den Ausgang kennt, in einen sehr intensiven, hochspannenden Film verpacken und auf die Leinwand bringen kann. Auch „Captain Phillips“ ist ein fesselndes Psycho-Drama, bei dem man sich in die Situation und/oder in die Charaktere reinversetzen kann. Der Regisseur hat eine Atmosphäre ständiger Anspannung geschaffen. Bei den Szenen im Rettungsboot habe förmlich die Enge gespürt und mir wurde durch das inszenierte Geschaukel auf dem Meer, auch übel. (Paul Greengrass´mit Vorliebe eingesetzte Handkamera ist hier sehr effektiv.) Die Gefahr, die von ungebildeten, nicht sonderlich cleveren, dafür aber schwer bewaffneten Kriminellen, die nichts zu verlieren haben, ausgeht, fand ich jederzeit greifbar.

„Captain Phillips“ ist ein Geisel- und Erpressungsdrama, das auch einen kleinen Einblick in das System, dass sich hinter der somalischen Piraterie verbirgt, gibt. Für meinen Geschmack zwar nicht ausführlich genug, aber der Film zeigt auch die andere Seite, wie die Somalier unter Druck stehen. Ich fand die Machtverhältnisse beeindruckend dargestellt. Am Anfang sieht man das riesige Containerschiff das gegenüber der kleinen Nussschale mit vier bewaffneten somalischen Piraten scheinbar chancenlos ist. Später, als das amerikanische Militär eingeschaltet ist, verschieben sich wie von selbst die Machtverhältnisse.

Tom Hanks trägt den Film, es ist eindeutig seine beste Performance seit zig Jahren. Nach so vielen schlechten oder einfach nicht guten Filmen („The Da Vinci Code“,“ Charlie Wilson´s War“, „Angels & Demons“, „Larry Crowne“, Extremely Loud & Incredibly Close, Cloud Atlas) mit denen er einen über die letzten Jahre gequält hat, war er dem Zuschauer aber auch einiges schuldig. Es ist beinahe zwanzig Jahre her, dass Tom Hanks erst für seine Rolle in „Philadelphia“ und dann gleich im darauffolgenden Jahr für „Forrest Gump“ einen Oscar gewonnen hat. In einer gerechten Welt muss man sich eine Oscar-Nominierung durch eine herausragende Performance verdienen. Man muss den Schauspieler hinter der Figur vergessen können. Tom Hanks gibt hier eine durchgehend überzeugende Vorstellung und krönt das ganze zum Schluss auch noch mit einer sogenannten „Oscar-Szene“.

Einer der Geiselnehmer, Muse (gespielt von Barkhad Abdi), ist für seine Rolle auch für eine Oscar-Nominierung im Gespräch. Er stand noch nie vor der Kamera, das ist seine erste Rolle. Er konnte mich ebenso überzeugen, auch hier würde ich eine Oscar-Nominierung als gerechtfertigt ansehen – der sieht aber auch gruselig aus. Catherine Keener war auch mal für eine Oscar-Nominierung im Gespräch, das ist aber völlig absurd, dafür hätte sie eine größere Rolle im Film spielen müssen. Gut gefallen hat mir Max Martini, der hier den souveränen Commander der Navy SEALs spielt.

Mir war „Captain Phillips“ vielleicht etwas zu lang.

Ich muss mal wieder die dringende Empfehlung geben, den Film im Original zu sehen. Mir ist aufgefallen, dass gerade Angst und Panik schwer in eine andere Sprache zu transportieren sind. Auch könnten die somalischen Piraten in einer Synchro schnell lächerlich rüberkommen. Die Bedrohung der Somalier kommt auch gerade durch ihre Sprache zum Ausdruck.

„Captain Phillips“ ist für folgende Oscar-Nominierungen im Gespräch: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Tom Hanks), Bester Nebendarsteller (Barkhad Abdi), Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt, Beste Kamera, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Beste Filmmusik

„Captain Phillips“ wurde erstmalig auf dem New York Film Festival 2013 gezeigt.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Homefront“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Thriller mit Jason Stratham und James Franco
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 80%

Trailer v. Film: „Nebraska“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Oscar-Film. Um so öfter ich den Trailer sehe, um so besser gefällt er mir.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Saving Mr. Banks“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Biopic über die Autorin von Mary Poppins mit Emma Thompson und Tom Hanks. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Lone Survivor“
Bewertung des Trailers: B (neuer Trailer)
Kommentar: Militär-Action-Film nach wahren Begebenheiten mit Mark Wahlberg und Eric Bana. Der erste Trailer war schlimm, der ist schon wesentlich besser, vielleicht doch ein Oscar-Film?
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: mmmh…

Trailer v. Film: „American Hustle“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: David O. Russells neuer Film mit Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner und Jennifer Lawrence. Ich glaube, ich bin in Christian Bale verknallt. Oscar-Film!
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Monuments Men“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: George Clooneys neuer Film, Zweite Weltkriegsfilm mit George Clooney, Matt Damon, Cate Blanchett, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin. Oscar-Film?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Book Thief“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Romanverfilmung mit Geoffrey Rush und Emily Watson. Zweite Welkriegsdrama und damit praktisch auch automatisch Oscar-Kandidat.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

3 Gedanken zu “D.C. – Film: "Captain Phillips"

  1. HoHoHo Kaptain :))
    Na da bin ich gespannt. D
    Ein paar Hanks Filme hatte ich ja ausgelassen, gerade die letzten beiden: NoGo.
    Also deutsch Synchro kann aber sehr unterschiedlich sein. Bei solchen dokumentarisch angehauchten Sachen, synchronisieren sie nicht alles über, ich vermute die Somalis werden mit Untertitelung laufen. Das ist so üblich.

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  2. Jaja ich weiß, Du magst den Titel nicht. 🙂 Du gehst sicherlich schon alleine deswegen nicht ins Kino, weil Du den Titel nicht aussprechen möchtest. :))

    Ja, die beiden letztgenannten waren wirklich schlimm, aber die habe ich tapfer bis zum Schluss geschaut. „Larry Crowne“ hingegen konnte ich nicht ertragen und habe früher ausgemacht.

    Ja, sicher gibt´s unterschiedliche Synchros. Wenn sie in ihrer eigenen Sprache sprechen glaube ich auch, dass sie untertitelt werden, aber sie sprechen auch sehr viel englisch und das kann sich im Eingedeutschten doch schnell lächerlich anhören. Ich habe einfach kein gutes Gefühl dabei. Ich muss das dann immer dazu schreiben, wenn ich gar kein gutes Gefühl dabei habe. 🙂

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