San Francisco – Film: "Fruitvale Station"


Ich war am 25.07.13 in San Francisco und habe mir im Kino angeschaut:

„Fruitvale Station“ (dt. Titel: „Nächster Halt: Fruitvale Station“, dt. Kinostart: 01.05.14) 85 min drama
dir. Ryan Coogler cast: Michael B. Jordan, Octavia Spencer, Melonie Diaz, Ahna O´Reilly, Kevin Durand

Neujahr 2009, Oakland, Kalifornien. Der 22-jährige Afroamerikaner Oscar Grant (Michael B. Jordan) wurde auf einem U-Bahnhof von einem Polizisten erschossen. Gezeigt wird der letzte Tag im Leben von Oscar Grant.

A- (Wertung von A bis F) „Fruitvale Station“ basiert auf dem Fall Oscar Grant. Im Hinblick auf den Freispruch im Zimmerman-Prozess, könnte dieser Film (in den U.S.A.) nicht aktueller sein.

Es ist das Spielfilmdebüt von Ryan Coogler. Ryan Coogler zeigt uns zu Beginn seines Films eines der Original Handy-Videos, das den tragischen Vorfall dokumentiert. Wenn man den Ausgang einer Geschichte kennt, ist es umso schwieriger eine spannende Geschichte zu erzählen. Das ist dem Regisseur aber geglückt. „Fruitvale Station“ ist ein Portrait eines Mannes, der sinnloserweise viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Oscar Grant war ganz sicher kein Heiliger und auch kein Kind von Traurigkeit. Er hatte mit Drogen gedealt hat und sass dafür auch im Gefängnis. Das liegt aber alles hinter ihm, jetzt will er sein Leben auf die Reihe bekommen. Mit seinen kriminellen Geschäften will er aufhören, seiner Freundin ein besserer Partner sein, seine Mutter soll sich seinetwegen nicht mehr so viele Sorgen machen und auch möchte er öfter für seine kleine niedliche Tochter da sein.

Normalerweise bräuchte man für so ein Portrait einige Zeit in dem Leben eines Menschen. Bei „Fruitvale Station“ bekommt man aber nur etwas mehr als 24 Stunden, einen Tag, den Silvester-Tag des Jahres 2008, den letzten Tag in seinem Leben. Überraschenderweise reicht dieser eine Tag, um sich ein Bild von Oscar Grant zu machen, ihn trotz seiner Fehler zu mögen, ihn sogar ins Herz zu schließen. Ein nicht unwesentlicher Grund dafür ist der hervorragende Hauptdarsteller: Michael B. Jordan. Michael B. Jordan ist Oscar Grant und damit ist dies eine eindeutige Oscar-Performance.

Jedes Jahr gibt es immer einen Film, der für mich offiziell die Oscar-Saison eröffnet. Im letzten Jahr war es „Argo“. Dieses Jahr ist es für mich „Fruitvale Station“, ein Film des erst 27-jährigen afroamerikanischen Regisseurs Ryan Coogler.

Derzeit sehe ich es als sehr wahrscheinlich an, dass „Fruitvale Station“ als bester Film für den Oscar im nächsten Jahr nominiert wird. Auch bin ich fest davon überzeugt, dass Michael B. Jordan als bester Hauptdarsteller nominiert wird. Das Drehbuch könnte ebenfalls eine Nominierung für das beste Original Drehbuch erhalten. Eine Nominierung für die Nebendarstellerin Octavia Spencer würde ich jedoch nicht nachvollziehen können. Ich kann es bis heute aber auch nicht begreifen, dass sie für „The Help“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Bei „Fruitvale Station“ könnte allerdings auch der seltene Fall eintreten, dass ein afroamerikanischer Regisseur für den Oscar nominiert wird. In 85 Jahren Academy Awards haben erst zwei schwarze Regisseure (John Singleton für „Boyz n the Hood“ und Lee Daniels für „Precious“) eine Oscar-Nominierung erhalten.

Im nächsten Jahr könnte aber einiges anders werden. Vor ein paar Tagen hat The Academy of Motion Pictures Arts & Sciences Cheryl Boone Isaacs, eine afroamerikanische Frau, zur Präsidentin gewählt. In der Oscarsaison 2013/2014 sind derzeit neben Ryan Coogler auch drei andere schwarze Regisseure im Rennen (Steve McQueen mit „12 Years a Slave“, Lee Daniels mit „Lee Daniels The Butler“ und vielleicht bekommt Spike Lee mit „Oldboy“ sogar eine Chance) Welcher Film davon letztendlich bis zum Januar noch im Oscar-Rennen sein wird, ist momentan noch schwer abzuschätzen. Ryan Coogler und „Fruitvale Station“ ist in jedem Fall gerade ganz weit vorne und da Harvey Weinstein hinter dem Film steht, wird er alles daran setzen, dass dies zu den Oscar-Nominierungen im Januar 2014 immer noch der Fall ist. Allerdings steht Harvey Weinstein auch hinter „Lee Daniels ´The Butler“

Gerade wurde Ellen DeGeneres als Gastgeberin der 86. Academy Awards am 2.3.2014 bestätigt. Eine sehr kluge Entscheidung.

Noch unter dem damaligen Filmtitel „Fruitvale“ wurde „Fruitvale Station“ erstmalig auf dem Sundance Film Festival im Jahr 2013 gezeigt. Auf dem Festival hat er den Grand Jury Prize und den Audience Award for U.S. dramatic film gewonnen. Auf dem Cannes Film Festival 2013 wurde er für den Award for Best First Film ausgezeichnet.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Inside Llewyn Davis“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: neuer Coen-Bros-Film mit Oscar Issac, Carey Mulligan und John Goodman. Film wird definitiv bei den Oscars 2014 eine Rolle spielen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Jobs“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Biopic über Steve Jobs. Der Trailer sieht nicht gerade vielversprechend aus, Musik ist der Horror und Ashton Kutcher wirkt im Trailer wie eine ziemliche Fehlbesetzung.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: da muss ich noch ein paar Bewertungen abwarten

Trailer v. Film: „Captain Philips“
Bewertung des Trailers: B+ (neuer Trailer)
Kommentar: Biopic über den amerikanischen Kapitän Philips, dessen Frachter von somalischen Piraten gekapert wurde. In der Hauptrolle: Tom Hanks
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Lee DanielsThe Butler“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Drama über einen Butler, der acht amerikanischen Präsidenten gedient hat. In der Hauptrolle der großartige Forrest Whitaker. Leider spielt auch Oprah mit. Wer kam denn auf die Idee, John Cusack als Richard Nixon zu besetzen? Alan Rickman als Ronald Reagan macht aber einen guten Eindruck, genauso wie Jane Fonda als Nancy Reagan. Oscar-Film.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Grandmaster“
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: ein weiterer Martial-Arts-Film, macht aber visuell einiges her.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: ?

4 Gedanken zu “San Francisco – Film: "Fruitvale Station"

  1. Hm, wahrscheinlich nicht so mein Ding. Und jetzt schon Oscarprognosen! Man das Jahr vergeht so schnell.
    Michael B. Jordan kenne ich nur aus „Chronicle“ und da war er okay.
    Oh man „Captain Philips“ mit Tom Hanks, da assoziiere ich gleich so einen HoHoHoKapitän aus der Iglo-Werbung mit. Ich weiß nicht warum :))
    „The Grandmaster“ ist großartig und smart, besonders auf der großen Leinwand. Hatte schon überlegt, ob ich ein weiteres Mal reingehe, solang er noch läuft.

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  2. Na mit den ausführlichen Oscar-Prognosen halt ich mich ja noch etwas zurück. Der Kinostart im Juli ist ja auch eigentlich etwas unvorteilhaft, aber Nominierungen für „Fruitvale Station“ halte ich im Moment für sehr wahrscheinlich.

    Ach Mensch ja „Chronicle“, den mochte ich ja. Habe ich auch gelesen, dass er da mitgespielt hat. Wirklich in Erinnerung ist er mir da aber nicht geblieben. Davon abgesehen, habe ich ihn, einzig von dem Filmtitel aus nicht nachvollziehbaren Gründen, mit „Cloverfield“ verwechselt. :))

    Deine Assoziation mit Tom Hanks als Captain Iglo ist aber auch ganz schön schräg. :)) Hast wohl noch die ganzen 80er Jahre Komödien mit Tom Hanks in Erinnerung. In den letzten Jahren hat Tom Hanks für mich auch keine so guten Filme gedreht, mal gucken wie „Captain Phillips“ ist – stimmt ist wirklich ein doofer Titel. 🙂

    Ich bin eigentlich schon wieder die ganzen Martial Arts-Filme satt, aber der Trailer sieht auf der Leinwand schon recht gut aus. Du hattest den ja zur Berlinale gesehen. Vielleicht gehe ich rein, wenn ich Zeit habe. 🙂

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