TV – Serie: "House of Cards (U.S.), 1. Staffel"


Ich habe mir die komplette Staffel folgender Netflix-Serie angeschaut:

„House of Cards (U.S.), Staffel 1“ (in D. ab 10.11.13 auf SAT1 und ab November´13 auf DVD) 13 x approx. 55 min drama, thriller, adaptation, remake
dir. David Fincher, James Foley, Joel Schumacher, Charles McDougall, Carl Franklin, Allen Coulter cast: Kevin Spacey, Robin Wright, Kate Mara, Michael Kelly, Sakina Jaffrey, Corey Stoll, Constance Zimmer, Kristen Connolly

Washington, D.C. – Anfang Januar des Jahres 2013. Francis „Frank“ J. Underwood (Kevin Spacey) ist der demokratische Kongressabgeordnete von South Carolina. Im November 2012 hat Garrett Walker (Michael Gill) die amerikanische Präsidentschaftswahl für sich entscheiden können. Frank hat ihn bei seinem Wahlkampf unterstützt, im Gegenzug wurde Frank der Posten des Außenministers fest versprochen. Noch vor der Vereidigung des amerikanischen Präsidenten, wird ihm jetzt aber von der Stabschefin des Weißen Hauses, Linda Vasquez (Sakina Jaffrey), mitgeteilt, dass sich der Präsident umentschieden hat. Frank soll im Kongress bleiben, weiterhin den Einpeitscher seiner Partei geben und die Regierungsgeschäfte im Repräsentantenhaus vorantreiben. Wäre Frank Underwood zum Außenminister berufen wurde, hätte Franks Ehefrau Claire (Robin Wright) eine großzügige Spende für ihre Clean Water Intiative bekommen. Jetzt fühlt sich Frank Underwood übergangen, ist wütend und frustriert. Das hält aber nicht lange an, er sinnt auf Rache. Er kennt einige dunkle Geheimnisse seiner Parteigenossen und weiß auch sonst, wie er in der großen Politik die Strippen ziehen kann. Dabei behilflich sein könnte ihm die ambitionierte, junge Reporterin des Washington Herald, Zoe Barnes (Kate Mara)…

B (Wertung von A bis F) „House of Cards“ ist ein Remake der gleichnamigen britischen BBC-Miniserie. Der britische Mehrteiler ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Michael Dobbs. Die amerikanische Serie wurde von dem Dramatiker und Drehbuchautor Beau Willimon kreiert. Er hat bereits das Bühnenstück „Farragut North“ geschrieben, das als Vorlage zu George Clooneys Film The Ides of March diente. Durch seine Zeit als Wahlkampfhelfer des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Howard Dean im Jahr 2004 konnte Beau Willimon wertvolle Erfahrungen im amerikanischen Politbetrieb sammeln.

Es bedarf nicht viel Überzeugungskraft, mein Interesse für eine neue Serie zu wecken. „House of Cards“ hat die nötigen Zutaten. Es ist eine von Regisseur David Fincher („Seven“, „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, Zodiac, The Social Network) mitproduzierte Polit-Thriller-Serie mit Kevin Spacey und Robin Wright in den Hauptrollen. Darüber hinaus hat David Fincher auch bei den ersten beiden Folgen selbst Regie geführt. Noch bevor die ersten vielversprechenden Kritiken kursierten, konnte ich es schon kaum abwarten, die Serie zu gucken.

Die U.S.-Serie „House of Cards“ gibt uns einen Einblick in das schmutzige Polit-Geschäft in Washington, D.C. Er zeigt die Arbeit der Politiker mit den Lobbyisten, Gewerkschaftlern und den Medien. Bezeichnenderweise ist der U.S. Präsident selten zu sehen, er ist das Staatsoberhaupt und der Regierungschef, die wirkliche entscheidenden Dinge werden aber von anderen Politikern in die Wege geleitet. Da versucht jeder, seine Interessen durchgesetzt zu bekommen. „House of Cards“ konzentriert sich auf diese Arbeit im Hintergrund.

„House of Cards“ ist eine raffinierte Polit-Thriller-Serie mit unerwarteten Entwicklungen einzelner Charaktere und der Handlung. Die Serie ist mitunter unfassbar spannend und hat großes Suchtpotential. Es gibt viele, viele brillante Szenen in den einzelnen Folgen. Eine richtige Lieblingsepisode habe ich jedoch nicht. Erst mit der 7. oder 8. Folge habe ich zwei Charaktere (Doug und Peter Russo) in mein Herz geschlossen, denen ich am Anfang der Staffel noch nicht so viel Beachtung geschenkt habe. Auch schauspielerisch haben mich Michael Kelly und Corey Stoll später in der Serie begeistern können.

Meine Lieblingscharaktere sind die vielschichtigeren, nicht leicht durchschaubaren Figuren, die immer eine Überraschung parat halten und damit klar: Frank Underwood und Claire Underwood und später kommen noch, wie erwähnt, Doug und Peter Russo hinzu. Am wenigsten mochte ich vermutlich Zoe Barnes. Das hat sicherlich auch damit zutun, dass mir die Beziehung zwischen Frank Underwood und Zoe Barnes auch Bauchschmerzen verursachte. Sie wirkt manchmal wie ein 17-jähriger Teenager und er wie ihr Vater. Mit der 9. Episode sind aber die Fronten geklärt und dann habe ich wieder Zugang zu Zoe Barnes gefunden.

Bei der Serie „House of Cards“ wurde zu einem besonderen Stilmittel, der sogenannten „vierten Wand“, gegriffen. Der Protagonist, in diesem Fall Kevin Spaceys Charakter Frank Underwood, wendet sich des öfteren (augenzwinkernd) direkt dem Zuschauer zu und sagt was er eigentlich denkt, wenn er zuvor öffentlich etwas ganz anderes gesagt hat. Er erklärt Zusammenhänge, eine Situation oder sein Vorgehen. Das war für mich zu Beginn bei so einer Art von Serie ungewöhnlich, aber eigentlich bin ich schon mit der ersten Episode zum Fan der „vierten Wand“ hier geworden. Schließlich macht sie einen zum Vertrauten und Mitwisser von Frank Underwood. Nicht selten guckt er auch nur ganz kurz in die Kamera (und man ahnt was er gerade denkt) oder haut einfach einen Knaller-Spruch raus.

Seit vielen Jahren bin ich ein großer Fan von Kevin Spacey. Im Jahr 1999 kam ich in den Genuss, ihn in Eugene O`Neills „The Iceman Cometh“ live in New York sehen zu dürfen. Seine Rolle in „House of Cards“ ist eine Paraderolle für ihn. Frank Underwood ist ein charmanter, charismatischer, redegewandter, blitzgescheiter, selbstgefälliger, verbitterter, zynischer und hinterlistiger Politiker aus den Südstaaten. Mich hat sein Charakter mitunter sehr an die von ihm verkörperte Figur in Clint Eastwoods Film „Midnight in the Garden of Good and Evil“ erinnert. Und das lag nicht alleine an der Sprache.

Die Charaktere im Einzelnen:

Francis „Frank“ J. Underwood – demokratischer Kongressabgeordneter von South Carolina. Er sitzt seit 22 Jahren im Kongress. Den gerade gewählten Präsidenten hat er bei seinem Wahlkampf unterstützt und sollte dafür zum Außenminister ernannt werden. Jetzt wird ihm mitgeteilt, dass der Präsident sich umentschieden hat – das ist unerträglich für Frank. Er hatte immer die Kontrolle in seinem Leben, hasst es, die Kontrolle zu verlieren. Er wird sich rächen. Jetzt nutzt er seine Intelligenz und seinen Einfluss und wird Strippenzieher in der hohen Politik. Er ist skrupellos und machtbesessen. Seine Intrigen und Pläne zahlen sich mitunter erst auf längere Sicht aus. Nichts wird er dem Zufall überlassen. Frank möchte man nicht zum Feind haben. Verheiratet ist Frank mit Claire (gespielt von Robin Wright), sie haben keine Kinder. Gespielt wird Frank Underwood von dem zweimaligen Oscar-Preisträger Kevin Spacey. Kevin Spacey hat in unzähligen guten Filmen („Glengarry Glen Ross“, „The Ref“, „The Usual Suspects“, „L.A. Confidential“, „American Beauty“,“ K-PAX“, „Beyond the Sea“) gespielt. Kevin Spacey verschwindet förmlich in der Rolle des Frank Underwood, er ist ganz sicher kein Sympathieträger, aber man ist immer ganz nah bei ihm. Durch diese ungewohnte, direkte Anrede, ist man als Zuschauer automatisch auch Mitwisser.

Claire Underwood – Ehefrau des Kongressabgeordneten Frank Underwood (gespielt von Kevin Spacey). Sie ist (erst mal) die Einzige, die Frank bei seinem richtigen Namen (Francis) nennt. Sie hat eine Initiative gegründet, die sich für sauberes Wasser einsetzt. Frank und Claire sind beide sehr starke Persönlichkeiten und führen auch eine solche Partnerschaft. Claire kann berechnend und eiskalt sein und ist ebenso skrupellos wie ihr Ehemann. Man wird sie aber auch nachdenklich sehen. Gespielt wird Claire Underwood von der großartigen Robin Wright (als sie noch mit Oscar-Preisträger Sean Penn verheiratet war, war sie unter dem Namen Robin Wright Penn bekannt). Einem breiterem Publikum bekannt wurde sie durch den Film „Forrest Gump“. Mitgespielt hat sie aber auch in „Unbreakable“, „The Pledge“, „White Oleander“, „Breaking and Entering“, What Just Happened. Ich mochte sie besonders neben Sean Penn in „She´s so Lovely“.

Zoe Barnes – eine junge, unerfahrene Reporterin beim Washington Herald. Sie ist wahnsinnig ehrgeizig und möchte als große Polit-Journalistin herauskommen. Sie sieht ihre große Chance kommen, als sie Frank Underwood (gespielt von Kevin Spacey) kennenlernt. Er spielt ihr geheime, wichtige Unterlagen oder Informationen zu, die er veröffentlicht wissen will und sie hat eine Exklusiv-Story. Gespielt wird Zoe von der amerikanischen Schauspielerin Kate Mara. Sie ist die ältere Schwester von Rooney Mara und hat in einigen TV-Serien gespielt (u.a. „24“, „Entourage“, „American Horror Story“) und war auch in Kinofilmen, z.B. „Brokeback Mountain“, Transsiberian, Iron Man 2 zu sehen.

Doug Stamper – Frank Underwoods Stabschef. Er ist Franks rechte Hand, sein engster Mitarbeiter und praktisch in alle Pläne einbezogen. Gespielt wird Doug von dem amerikanischen Charakterschauspieler Michael Kelly. Er hat in einigen TV-Serien (u.a. „Law & Order: Special Victims Unit“, „The Sopranos“, „The Good Wife“ und „Person of Interest“) mitgespielt und war auch in einigen Kinofilmen („Dawn of the Dead“, Changeling, Fair Game, Chronicle, Now You See Me) zu sehen.

Linda Vasquez – Stabschefin des Weißen Hauses. Frank hatte sie für den Job vorgeschlagen. Linda hat eine sehr wichtige Funktion inne und Frank Underwood hat viel mit ihr zutun. Gespielt wird Linda Vasquez von der amerikanischen Schauspielerin Sakina Jaffrey. Sie hat in der TV-Serie „Third Watch“ mitgespielt und war in kleineren Rollen in u.a. in „The Truth About Charlie“, „Raising Helen“, Before the Devil Knows You`re Dead zu sehen.

Peter Russo – demokratischer Kongressabgeordneter von Pennsylvania. Er ist geschieden und Vater von zwei kleinen Kindern. Er hat einen Hang zu Alkohol, Drogen und Frauen. Eine geheime Beziehung führt er mit seiner Mitarbeiterin Christina Gallagher (gespielt von Kristen Connolly). Gespielt wird Peter Russo von dem amerikanischen Schauspieler Corey Stoll. Er hat in einigen TV-Serien (u.a. „Law & Order: LA“) mitgespielt und hat auch in Kinofilmen („North Country“, „Lucky Number Slevin“, Salt, Midnight in Paris) mitgewirkt.

Janine Skorsky – seit Jahren als politische Reporterin beim Washington Herald tätig. Sie ist Zoes Vorgesetzte. Als Zoe auf einmal mit brisanten Exklusiv-Stories erfolgreich ist und im Rampenlicht steht, wird Janine neidisch und misstrauisch. Kann sich nicht erklären, wer Zoes Informant ist. Gespielt wird Janine von Constance Zimmer. Constance hat zuvor viel in TV-Serien gespielt (u.a. „Boston Legal“, „Entourage“)

Christina Gallagher – langjährige Mitarbeiterin in Peter Russos Team. Christina und Peter Russo (gespielt von Corey Stoll) haben eine geheime Affäre. Christina wird von der amerikanischen Schauspielerin Kristen Connolly gespielt. Sie hat in den Horrorfilmen „The Bay“ und „The Cabin in the Woods“ mitgespielt

Die Serie „House of Cards (U.S.)“ ist – nach der norwegisch-amerikanischen TV-Serie „Lilyhammer“ – die zweite Eigenproduktion des amerikanischen Streamingportals Netflix. Netflix hat die amerikanische TV-Serie „House of Cards“ am 1. Februar 2013 veröffentlicht. Ungewöhnlich dabei war, dass alle Folgen auf einmal zugänglich gemacht wurden. Damit reagiert Netflix auf das Sehverhalten des amerikanischen Publikums. Mittlerweile möchte kaum ein Zuschauer eine Woche warten, bis seine Lieblingsserie weitergeht. Serien werden hauptsächlich staffelweise geguckt. „House of Cards“ sollte auch nicht anders konsumiert werden, dafür ist die Handlung zu komplex und wichtige Einzelheiten vielleicht auch schon eine Woche später nicht mehr so in Erinnerung. Seit vielen Jahren schaue ich auch immer komplette Staffeln von Serien. Ich vermute, dass dieses Sehverhalten auch in Deutschland immer mehr zunimmt.

Heute, am 18.07.13, wurde „House of Cards“ für einige Emmy-Awards nominiert. Das ist die wichtigste Auszeichnung für Fernseh-Produktionen. Nominierungen hat die Serie u.a. in der Königskategorie: Outstanding Drama Series erhalten. Außerdem kann sich Kevin Spacey über eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Drama) und Robin Wright über ihre Nominierung als Beste Hauptdarstellerin (Drama) freuen.

Die zweite Staffel von „House of Cards“ wurde von Netflix bestellt und ist derzeit in Produktion.

Trailer zu sehen:

Nachfolgend ist der Vorspann zu sehen. Die Intro sagt zwar nichts über den Inhalt der Serie aus, dafür zeigt sie aber wie schön Washington D.C. ist. Außerdem finde ich den unterlegten Score sehr gelungen.

2 Gedanken zu “TV – Serie: "House of Cards (U.S.), 1. Staffel"

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