Oscar-Gewinner 2013 – meine letzte Prognose


Die Oscar-Kampagnen (auch die schmutzigen gegen Lincoln und Zero Dark Thirty) sind beendet, sehr viele Dankesreden wurden gehört, jeder Schauspieler, Regisseur, Produzent hatte Gelegenheit, sich für die große Oscar-Bühne zu empfehlen. Jetzt sind die Stimmzettel der Academy-Mitglieder ausgezählt und für meine Wette musste ich mich nun auch für die potenziellen Gewinner entscheiden. Noch mal zur Erinnerung: das Jahr 2013 ist das Jahr der Überraschungen und aller Voraussicht nach wird morgen Oscar-Geschichte geschrieben.

Einer der ersten Academy Awards, der in der Oscar-Nacht vergeben wird, ist für die Kategorie Bester Nebendarsteller. Es ist völlig ungewiss, wer in dieser Sparte gewinnen wird. Seit der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen am 10.01.13 hat sich kein klarer Favorit abgezeichnet. Jeder der Nominierten kann hier als Gewinner hervorgehen. Tommy Lee Jones und der in Hollywood sehr verehrte Christoph Waltz haben wichtige Preise gewonnen. Alan Arkin vertritt Argo und könnte daher gewinnen. Mein persönlicher Favorit ist (ohne Zweifel) Philip Seymour Hoffman, weil er mit Abstand die beste Leistung erbracht hat. Er hat unzählige Kritikerpreise für The Master gewonnen. Alle vier Schauspieler haben bereits einen Oscar, aber Christoph Waltz Oscar-Gewinn ist erst drei Jahre her. Dann wäre da noch der zweimalige Oscar-Gewinner Robert De Niro, der viele Jahre lang schauspielerisch nicht besonders auffällig war, dessen Part in Silver Linings Playbook als eine Art Comeback gesehen wird. Harvey Weinstein steht hinter Christoph Waltz, P.S. Hoffman und Robert De Niro. Ich hatte aber die Saison über den Eindruck gewonnen, dass Harvey Weinstein die grösste Kampagne für Robert De Niro geführt hat. Das wäre Robert De Niros dritter Oscar. Harvey Weinstein hat im letzten Jahr auch, was keiner der Oscar-Experten wirklich für möglich gehalten hat, Meryl Streep zu ihrem dritten Oscar verholfen. Gut, ob es für De Niro klappt, wissen wir sehr früh am Abend. Ich habe mich für meine Wette jedenfalls für ihn entschieden, mir ist aber sehr wohl bewusst, dass ich voll daneben liegen kann.

Als seinerzeit entschieden war, dass nun Daniel Day-Lewis die Rolle des legendären amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln spielen wird, hat wohl keiner ernsthaft gezweifelt, dass er das versemmelt. Eigentlich stand da schon fest, dass er sehr wahrscheinlich für den Oscar nominiert wird. Seine Rolle ist praktisch für den Oscar geschrieben. Daniel Day-Lewis ist ein sogenannter method actor, wie es früher Marlon Brando war. Jetzt wird er aller Wahrscheinlichkeit nach morgen mit dem, für ihn dritten, Oscar prämiert. Kein anderer Schauspieler hat je drei Oscars für eine Hauptrolle gewonnen. Zwei Hauptrollen-Oscars sind bereits schon selten. Nachfolgend habe ich mal alle Schauspieler gelistet, die zwei Hauptdarsteller/in-Oscars gewonnen haben: Spencer Tracy, Marlon Brando, Gary Cooper, Tom Hanks, Dustin Hoffman, Jack Nicholson, Frederic March, Daniel Day-Lewis und Sean Penn und bei den Damen: Katherine Hepburn, Meryl Streep, Bette Davis, Ingrid Bergman, Jane Fonda, Elizabeth Taylor, Olivia DeHavilland, Glenda Jackson, Jodie Foster, Sally Field, Luise Rainer, Vivien Leigh und Hilary Swank). Sollte Daniel Day-Lewis morgen nun seinen dritten Oscar gewinnen, ist er der einzige Schauspieler, der drei Oscars für die Beste Hauptrolle erhalten hat. Das ist zweifelsfrei eine ganz besondere Ehre. Es gibt dann auch nur noch eine einzige Schauspielerin, die das tatsächlich noch übertreffen kann: Katherine Hepburn. Sie hat in ihrer langen Karriere vier Oscars gewonnen und alle waren für die Kategorie Beste Hauptdarstellerin.

Emmanuelle Riva hat bereits Oscar-Geschichte geschrieben, weil sie die älteste, für einen Oscar nominierte Schauspielerin ist. Ist da noch etwas zu toppen? Klar, wenn sie morgen, an ihrem 86. Geburtstag, zur ältesten Oscar-Gewinnerin aller Zeiten wird. Meine Güte, die Kategorie Beste Schauspielerin ist ebenfalls sehr schwer vorherzusagen. Jennifer Lawrence hat so ziemlich alles gewonnen und eine Ochsentour hinter sich. Harvey Weinstein möchte einfach, dass sie gewinnt. Jessica Chastain hat auch einiges gewonnen, spielt aber eigentlich in dem falschen Film mit. Naomi Watts ist sehr beliebt, aber der Film ist für viele Amerikaner ne Gurke. Quvenzhané Wallis´ Gewinn wäre absolut lächerlich. Letztlich wird es sich zwischen der Favoritin Jennifer Lawrence und Emmanuelle Riva entscheiden. Die Gelegenheit sie (bzw. überhaupt eine so betagte Dame) mit einem Oscar auszuzeichnen, kommt so schnell nicht wieder. Wie wir durch die Oscar-Nominierungen erfahren haben, hat Amour sehr viel Zuspruch in der Academy. Dennoch habe ich jetzt auch schon gehört, dass sich viele Academy-Mitglieder diesen französischsprachigen Film gar nicht angeschaut haben. Vermutlich wird Emmanuelle Riva die weite Reise auf sich nehmen und zur Verleihung erscheinen. Jedoch ist sie sehr fragil und falls sie tatsächlich einen Oscar gewinnen wird, wird es sehr wahrscheinlich eine Weile dauern, bis sie die Bühne erklimmt hat. Es spricht vieles dagegen, einiges dafür – ich nehme Emmanuelle Riva.

Wird Steven Spielberg in den elitären Kreis der Regisseure aufgenommen, die drei Oscars gewonnen haben? Bislang gab es nur drei Regisseure (William Wyler, Frank Capra und John Ford) die jeweils drei, bzw. bei John Ford vier Academy Awards als Regisseur erhalten haben. Die Beste Regie und der Bester Hauptdarsteller könnten die Kompensation für den am meisten nominierten Film Lincoln werden. Mit der Nicht-Nominierung von Ben Affleck ist die Kategorie Beste Regie jedoch weit offen. Ehrlich gesagt, kann – mit Ausnahme von Benh Zeitlin – jeder nominierte Regisseur den Oscar gewinnen. Ich habe mich dennoch für Ang Lee entschieden.

Wenn dieses Jahr nicht noch schräger ist, als sowieso schon, dann gewinnt Argo die Kategorie Bester Film. Argo wird – auch ohne die ungewöhnliche Nicht-Nominierung seines Regisseurs Ben Affleck – Bester Film gewinnen. Wie Argo in der Oscar-Saison 2012/2013 wichtige Preise abgeräumt hat, ist beispiellos. Selbstverständlich ergibt es keinen Sinn einen Film mit dem wichtigsten Preis der Filmindustrie auszuzeichnen, ohne dass der Regisseur, der den Film inszeniert hat, für den Oscar nominiert ist. Meine Oscar-Welt ist dadurch etwas durcheinander geraten. Aber gut, bestimmte Dinge muss man wohl einfach hinnehmen. Es gibt Oscar-Jahre, bei denen Filme alles abräumen (Titanic, etc) und dann gibt es Jahre, bei denen die Oscars großzügig an viele verschiedene Filme verteilt werden. Dieses Jahr werden die Oscars wahrscheinlich aufgeteilt, einiges geht an Life of Pi, Argo, Silver Linings Playbook, Amour, Les Miserables, Lincoln, vielleicht Django Unchained und auch doch noch an Zero Dark Thirty. Da ein Film, der die Kategorie Bester Film gewinnt, höchstwahrscheinlich nicht nur mit diesem einen Oscar nach Hause geht, musste ich mich entscheiden, welche Oscars Argo noch gewinnen kann. Der Beste Film gewinnt eigentlich immer mindestens drei Oscars. Ich habe mich letztlich für Bester Schnitt und Bestes adaptiertes Drehbuch entschieden. Es könnte aber auch sein, dass er zusätzlich noch Bester Nebendarsteller und – was weiß ich was noch alles – gewinnen wird. Was ist schon sicher in dieser so verrückten Oscar-Saison 2012/2013? Um noch einmal mit Statistiken zu kommen, es ist erst ein einziges Mal, nämlich im Jahr 1932, vorgekommen, dass ein Film (Grand Hotel) nur Bester Film gewonnen hat und keinen weiteren Oscar. Grand Hotel war allerdings auch in keiner weiteren Kategorie nominiert.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich wünschte, dass Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix für The Master und Tim Burton für Frankenweenie den Oscar gewinnen. Auch hoffe ich auf ein Wunder in Form von einem Oscar-Gewinn für Sally Field (oder auch Jacki Weaver). Damit wäre meine Oscar-Welt wieder in Ordnung.

Die Nacht der Überraschungen kann beginnen.

Oscar-Gewinner 2013 – meine Wette:

Best Picture: Grant Heslov, Ben Affleck, George Clooney (Argo)

Best Director: Ang Lee (Life of Pi)

Best Actor: Daniel Day-Lewis (Lincoln)

Best Actress: Emmanuelle Riva (Amour)

Best Supporting Actor: Robert De Niro (Silver Linings Playbook)

Best Supporting Actress: Anne Hathaway (Les Misérables)

Best Original Screenplay: Mark Boal (Zero Dark Thirty)

Best Adapted Screenplay: Chris Terrio (Argo)

Best Animated Feature: Rich Moore (Wreck-it Ralph)

Best Production Design: Rick Carter and Jim Erickson (Lincoln)

Best Cinematography: Claudio Miranda (Life of Pi)

Best Costume Design: Jacqueline Durran (Anna Karenina)

Best Editing; William Goldenberg (Argo)

Best Makeup and Hairstyling: Lisa Westcott and Julie Dartnell (Les Misérables)

Best Sound Mixing: Andy Nelson, Mark Paterson and Simon Hayes (Les Misérables)

Best Sound Editing: Eugene Gearty and Philip Stockton (Life of Pi)

Best Visual Effects: Bill Westenhofer, Guillaume Rocheron, Erik-Jan de Boer and Donald R. Elliott (Life of Pi)

Best Original Score: Mychael Danna (Life of Pi)

Best Song: Adele Adkins and Paul Epworth (Skyfall)

Best Foreign Language Film: Michael Haneke (Amour)

Best Documentary Feature: Malik Bendjelloul (Searching for Sugar Man)

Best Live Action Short: Shawn Christensen (Curfew)

Best Animated Short: John Kahrs (Paperman)

Best Documentary Short: Sean Fine and Andrea Nix Fine (Inocente)

6 Gedanken zu “Oscar-Gewinner 2013 – meine letzte Prognose

  1. Viel Glück für deine Wette!

    Hihi, gestern musste ich beim Autofahren lachen, als sich der Oscar-Experte eines lokalen Radiosenders zu Wort meldete. Nach seinen Informationen gegen die Brancheninsider in Hollywood von folgenden Gewinnern aus:

    Film: „Lincoln“
    Regie: Haneke
    Darsteller: Cooper
    Darstellerin: Chastain

    (xD)

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  2. Ups, „gehen“, nicht „gegen“. Hm, hoffentlich schaff ich’s mir die Verleihung anzusehen. Bin momentan nicht ganz fit. Jops, am besten zieh ich zu ner Oscar-Party! Daheim schlummer ich sonst noch während einer der Musiknummern ein.. xD

    Hab grad ein süßes Disneyvideo zu „Suddenly“ gefunden 🙂

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  3. Vielen Dank! 🙂 Ich sehe aber für meine Wette etwas schwarz, mein Freund und ich haben auch nur 15 gleiche Kategorien – sonst liegen wir näher beieinander. :no:

    Ja, wer sich hier in Deutschland so als Oscar-Experte ausgibt, ist das eine oder andere Mal schon faszinierend. Wobei ich mich auch nicht so weit aus dem Fenster lehnen möchte, dieses Jahr kann alles passieren und ich werde sicherlich auch öfter mit offenen Mund dasitzen und es nicht fassen können.

    Während der Saison habe ich am meisten gelacht, wie Anne Hathaway verulkt wurde:

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  4. Hihi, das Video ist cooool 😀

    (Ich muss an dieser Stelle ja zugeben, dass ich Hathaway sehr mag. Sie ist im Grunde ja schon ein bissel anti-hübsch, weckt aber irgendwie den.. äh.. Jackman in mir xD)

    War gestern in „The Master“. Schade, dass der Film keine BP-Nominierung erhalten hat ://

    Ansonsten drück ich „Amour“, „Lincoln“ und „Zero Dark Thirty“ in allen Kategorien die Daumen.

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  5. Anti-hübsch ist schon sehr, sehr höflich ausgedrückt. :)) Nee, mit der brauchst Du mir gar nicht zu kommen.

    „The Master“ ist bei mir ja schon ne Weile her, aber irgendwie bleibt er in Erinnerung, insbesondere durch die Performances und die tollen Bilder.

    Ach echt, Deine persönlichen Favoriten sind „Amour“, „Lincoln“ und „Zero Dark Thirty“ – ja leider geht´s bei den Oscars ja in den seltensten Fällen nach den persönlichen Favoriten.

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  6. Japp, die drei Filme haben mir von den BP-Contendern dieses Jahr am besten gefallen. Gab seltenerweise aber auch keinen BP-Nominee den ich gar nicht mochte.

    (Hihi, zum Glück geht es bei den Oscars nicht nach meinen Favoriten, sonst wären die Einschaltquoten vermutlich bald im Keller xD)

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