NYC – Film: "Compliance"


Ich war am 25.09.12 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

„Compliance“ 90 min drama
dir. Craig Zobel cast: Ann Dowd, Dreama Walker, Pat Healy

Sandra (Ann Dowd) arbeitet als Filialleiterin eines Fast Food Restaurants. An einem besonders stressigen Tag bekommt sie einen sehr beunruhigenden Anruf von einem Officer Daniels (Pat Healy). Eine Kundin aus Sandras Filiale beschuldigt ihre 19-jährige Kassenmitarbeiterin Becky (Dreama Walker), ihr Geld gestohlen zu haben. Officer Walker teilt Sandra nun mit, dass er gerade unabkömmlich sei und erst später am Tatort auftauchen wird. In der Zwischenzeit sollte sie seine Anweisungen über das Telefon ausführen. Pflichtbewusst folgt Sandra den Anweisungen des Polizisten und durchsucht Beckys Sachen und führt an ihr eine Leibesvisitation durch. Aber das war noch nicht alles…

B+ (Wertung von A bis F) „Compliance“ basiert auf wahren Begebenheiten. 70 ähnliche Vorfälle in 30 verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten wurden angezeigt.

Der Film erzählt von einem dieser absurden Telefonbetrugsfälle, bei dem man sich fragt, wie leichtgläubig doch manche Menschen sind. Auch wenn man nicht wirklich nachvollziehen kann, warum die Beteiligten so reagieren, so kann man sich zweifelsohne in die unangenehme Situation einfühlen und beobachtet unter Spannung was als nächstes passiert. „Compliance“ lief in New York in einem einzigen Kino, die Vorstellung war brechend voll. Dieses Mal saß ich in der letzten Reihe und so konnte ich interessiert beobachten, wie auch meine Mitzuschauer bei diesen realistisch dargestellten, wirklich unerträglichen Situationen mitgefühlt haben und andauernd unruhig auf ihrem Sitz hin- und hergerutscht sind.

Ann Dowd („Philadelphia“, „Garden State“) ist für ihre Rolle in „Compliance“ für eine Oscar-Nominierung im Gespräch. Ich würde eine Nominierung unterstützen, wobei ich ihre Rolle eher als Nebenrolle sehe. „Compliance“ ist ein Ensemble-Film, bei dem eigentlich alle durch ihre Authentizität überzeugen.

„Compliance“ wurde erstmalig auf dem Sundance Film Festival 2012 gezeigt.

Trailer zu sehen:

http://www.magpictures.com/compliance/

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Chasing Ice“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Dokumentation über den Klimawandel
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 40%

Trailer v. Film: „Just 45 Minutes from Broadway“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Tragikomödie mit Judd Nelson
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Backwards“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Drama mit James Van Der Beek
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

6 Gedanken zu “NYC – Film: "Compliance"

  1. Hab den Film vor kurzem auf dem Fantasy Filmfest gesehen und mir danach aus Neugier die Beschreibung des zugrunde liegenden Falls durchgelesen. Der Film erzählt weitgehend nach, was dazu dokumentiert ist und lässt den übelsten Teil sogar aus…
    Während des Films hab ich an manchen Stellen gedacht: „Das kann doch eigentlich gar nicht sein und ist vermutlich von den Filmemachern dramatisiert…“ Da stimmt es einen um so trauriger, dass dem offenbar nicht so war…
    (.. obwohl ich nach wie vor Zweifel habe, ob die Telefonate im Film wirklich akkurat dargestellt worden sind. Könnte mir z.B. vorstellen, dass die gelegentlichen Ausrutscher des falschen Polizisten – also gewisse Formulierungen und der spöttische Tonfall in manchen Szenen – realiter nicht der Fall waren und sich der Anrufer durchweg professionell gegeben hat. Aber das ist nur Spekulation.
    Das Traurige für mich war, dass die Beteiligten mitunter ihrem falschen Sicherheitsdenken zum Opfer gefallen sind: Egal, wie abstrus es wurde, gingen sie letztlich davon aus auf der sicheren Seite zu sein, solange sie in Übereinstimmung mit den Vorgaben eines Gesetzeshüters handeln. In der Hinsicht hat mir der Film sehr gut gefallen: Er urteilt nicht über die Personen, er schildert (fast) nur.

    Urgs, jetzt muss ich aber ins Bett… und vorher noch einen Telefonanruf machen ;D. Nite nite!

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  2. Gut, es gibt natürlich die künstlerische Freiheit. Dass sie den einen McDonald-Fall jetzt nicht 1 zu 1 nacherzählen ist klar. Aber ich wusste nicht, dass sie sich doch ziemlich an die Protokolle gehalten haben. Es ist jedenfalls ein krasser Fall und unfassbar, dass sich so etwas noch ca. 70x woanders wiederholt hat. Ich brauche nur an den Film zu denken und ich habe wieder dieses unangenehme Gefühl im Bauch. Das ist echt selten, dass ich mich dann so wieder reinversetzen kann.

    Und ja stimmt, ich fand es auch gut, dass er nicht über die einzelnen Personen urteilt.

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  3. Ja, man hat sich offenbar sehr eng am echten Fall orientiert. Ich denke, an den meisten Stellen, wo Freiheiten denkbar oder unvermeidbar waren, hat der Regisseur einen sehr guten Weg eingeschlagen, z.B. die zurückhaltende Art der Darstellung in einigen Szenen, die andere eventuell mit mehr Effekthascherei (u.a. auch im voyeuristischen Sinne) umgesetzt hätten. Ob es von der Wirkung her geschickt war, den Täter so oft und ausführlich zu zeigen, da bin ich mir bis heute nicht ganz sicher, aber die Filmemacher wollten wohl auch zeigen, wieviel menschenverachtende Freude er an seinem Treiben hatte. Insofern seh ich den Punkt weniger kritisch als andere Festivalbesucher.

    Mein Punkt mit den Telefonaten war nicht als Kritik am Film gemeint, zumal ich nur generelle Fallbeschreibungen kenne, keine detaillierten Protokolle oder Ähnliches. Für mich wäre es halt interessant zu erfahren, wie eng sich der Film bei den Telefonaten daran orientiert hat, was zu dem Fall dokumentiert wurde (dass wegen der Natur von Zeugenaussagen sowieso Unschärfegrade vorhanden sind, bestreite ich nicht), denn je authentischer ein Fake-Anrufer klingt, desto mehr bin ich (bis zu einem gewissen Grad..) bereit für die Beteiligten Verständnis aufzubringen und die Art der Darstellung im Film als durchweg glaubwürdig anzusehen.
    Im Film waren ein paar Szenen, in denen sich der Anrufer erhebliche Ausrutscher geleistet hat, die einen schon überlegen lassen, ob sich das realiter so zugetragen hat (auffällige Wortwahl und Tonfall). Aber wie schon weiter oben geschrieben, sind das nur allgemeine Überlegungen.
    Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen. Das ungute Gefühl beim Sehen, das du beschreibst, kann ich nur unterschreiben.

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  4. na ich hatte zwischendurch auch überlegt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn wir als Zuschauer noch etwas länger im Ungewissen gehalten worden wären. Im Nachhinein hat mich das aber nicht gestört. Ich finde nicht, dass der Täter so oder zu oft gezeigt wurde, er hat mich nicht von dem eigentlichen Geschehen weggebracht, letztlich war er ja auch ein nicht unwesentlicher Teil des Ganzen.

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