San Francisco – Film: "Beasts of the Southern Wild"


Ich war am 06.07.12 und am 14.07.12 in San Francisco und habe mir im Kino angeschaut:

„Beasts of the Southern Wild“ (dt. Kinostart: 20.12.12) 92 min drama, fantasy
dir. Benh Zeitlin cast: Quvenzhané Wallis, Dwight Henry, Jonshel Alexander, Marilyn Barbarin, Nicholas Clark

Die sechsjährige Hushpuppy (Quvenzhané Wallis) lebt mit ihrem sterbenskranken Vater Wink (Dwight Henry) in ärmsten Verhältnissen. Sie wohnen in einem aus Sperrmüll zusammengezimmerten Bretterverschlag in einer sumpfigen Gegend Louisianas. Die meisten Bewohner der Gegend verzichten auf staatliche Hilfe und so gibt es kaum Hoffnung auf ein besseres Leben. Dann zieht auch noch ein Jahrhundertsturm auf und viele nutzen die Möglichkeit, um die Gegend zu verlassen…

B (Wertung von A bis F) „Beasts of the Southern Wild“ basiert vage auf Lucy Alibars Bühnenstück „Juicy and Delicious“.

„Beasts of the Southern Wild“ gilt jetzt schon seit einigen Wochen als einziger – einem Publikum bereits gezeigter – Film, der ganz sichere Chancen auf eine Oscar-Nominierung als Bester Film im Jahr 2013 hat. Der Film ist ein Liebling beinahe aller amerikanischen Filmkritiker. Mit einer entsprechenden Erwartungshaltung bin ich in den Film gegangen.

Ich dachte, der Film müsste mich umhauen, praktisch von der ersten Sekunde. Irgendwie habe ich mir aber auch etwas anderes unter dem Film vorgestellt. Vielleicht dachte ich eher, so etwas wie den genialen „Where the Wild Things Are“ zu sehen. „Beasts of the Southern Wild“ ist schwer, einem Genre zuzuordnen. Die Geschichte wird aus Sicht der 6-Jährigen Hushpuppy erzählt. Man nimmt an ihrem Alltag teil, einem Leben von dem Kinozuschauer definitiv keine Vorstellung hat. Mit seinen erschreckend realistischen Bildern wirkt der Film wie eine Dokumentation oder einer dieser sehenswerten BBC-Reportagen. Die Wackelkamera tut ihr Übriges. Was mir anhand der bildgewaltigen Sprache schnell klar war, ist, dass ich von diesem jungen Regisseur unbedingt einen weiteren Film sehen möchte. Diese Low-Budget-Produktion ist das Spielfilmdebüt des 29-jährigen Benh Zeitlin.

Der Film lebt von Quvenzhané Wallis authentischer Performance als Hushpuppy. Das Mädchen hatte zuvor keinerlei Schauspielerfahrung. Benh Zeitlin hat insgesamt um die 4000 Mädchen vorsprechen lassen und wusste sofort, dass sie es ist. Das überrascht nicht, sie ist ein Hingucker und fesselt mit ihrer Präsenz.

Meine Bewertung für einen Film steht spätestens mit dem Abspann fest. „Beasts of the Southern Wild“ wird in meinen Augen kontinuierlich besser und hat mit dem dritten Akt am meisten meinen Geschmack getroffen. Es gibt aber Filme, die Tage nach dem Kinobesuch noch nachwirken. „Beasts of the Southern Wild“ ist bei mir leider schnell verblasst und einzig ein paar eindrucksvolle Bilder und dieses tolle Mädchen sind in meiner Erinnerung geblieben. Daher bin ich eigentlich geneigt, eine schlechtere Bewertung zu geben. Es kann daran liegen, dass es einfach nicht mein Film ist, aber -zugegebenermassen – kann es auch daran liegen, dass ich mir anschließend einen Film geschaut habe, der mehr mein Fall war. Ich werde „Beasts“ aber noch eine zweite Chance geben und ihn wahrscheinlich am nächsten Wochenende erneut gucken.

Wenn man sich an Gesprächen über den Oscar´2013 beteiligen will, sollte man sich mit dem Namen Quvenzhané Wallis vertraut machen. Ich bin sicher, dass sie als Beste Schauspielerin (oder Beste Nebendarstellerin, weil sie noch ein Kind ist – siehe Haillee Steinfeld für „True Grit“) nominiert wird. Außerdem sind Nominierungen in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Nebendarsteller und Bestes Original-Drehbuch wahrscheinlich.

Anmerkungen nach dem zweiten Kinobesuch

B+ (Wertung von A bis F) Ein zweites Mal bin ich viel entspannter ins Kino gegangen. Zum einen hatte ich keine immense Erwartungshaltung mehr und zum anderen wusste ich einfach was mich erwartet.

„Beasts of the Southern Wild“ wird aller Voraussicht am Ende des Jahres nicht in meiner Top Ten landen, aber ich kann akzeptieren, wenn er tatsächlich für den Oscar nominiert wird. Mehr als bei so vielen anderen Filmen.

Ich mochte dieselben Dinge (Bildsprache, einige Szenen und natürlich das Mädchen), die mich bereits bei meinem ersten Kinobesuch fasziniert haben. Dazu ist mir die Musik und Dwight Henry, der den Vater spielt, jetzt stärker aufgefallen bzw. in Erinnerung geblieben. Ab den Szenen in der Notunterkunft ist der Film für mich ein „A-“ (mit einem relativ schwachen „-„) wodurch sich meine verbesserte Bewertung ergibt.

Im Jahr 2012 hat „Beasts of the Southern Wild“ auf dem Sundance Film Festival den Grand Jury Prize: Dramatic und auf dem Cannes Film Festival die Caméra d´Or gewonnen.

Trailer zu sehen:

http://www.beastsofthesouthernwild.com/

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „2 Days in New York“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: RomCom mit Julie Delpy und Chris Rock…
Wie oft schon im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Sleepwalk with Me“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Indie-Komödie mit Lauren Ambrose
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „360“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: Drama mit Anthony Hopkins, Jude Law, Rachel Weisz und Ben Foster
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Trishna“
Bewertung des Trailers: D
Kommentar: Michael Winterbottoms neuer Film, der in Indien spielt mit Freida Pinto
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Little White Lies“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: französische Tragikomödie aus dem Jahr 2010 mit Marion Cotillard und diesem Schauspieler aus „Ziemlich beste Freunde“ Wahrscheinlich nur ein weiterer gewöhnlicher französischer Film. Einzig Madame Cotillard könnte mich da reinkriegen…
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

2 Gedanken zu “San Francisco – Film: "Beasts of the Southern Wild"

  1. Also nach tagelangem Hin und Her, werde ich ihn morgen knicken. Die Trailer haben mich gar nicht angesprochen, sieht mir alles zu sehr nach Doku und Tränendrüse aus, die Musik ist auch nicht meins. Komisch, dazu der Hype und bei mir wurde aus dem „Must See“ ein: kein Interesse mehr.
    Bin aber sicher, dass er hier sehr gut ankommen wird 😀

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  2. Ja, ich kann Dich verstehen. Der Hype kann aber auch einiges kaputt machen. Der Film wird ja seit Sundance in den Himmel gehoben und als ich ihn dann sah, habe ich erst mal was ganz anderes erwartet. Ein Cineasten-Freund von mir konnte mit dem Film auch nichts anfangen und fand das Mädchen auch nicht doll. Vielleicht ist es mehr ein Festival-Film, aber er hält sich hartnäckig als Oscar-Favorit 2013.

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