NYC – Film: "We Need to Talk About Kevin"


Ich war am 10.02.12 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

„We Need to Talk About Kevin“ 112 min drama, adaptation
dir. Lynne Ramsay cast: Tilda Swinton, John C. Reilly, Ezra Miller, Rock Duer, Jasper Newell

Eva (Tilda Swinton) war eine lebenslustige Schriftstellerin. Als sie auf Franklin (John C. Reilly) trifft, heiraten die Beiden und bekommen schließlich ihr erstes Kind. Eva wollte eigentlich nie so wirklich Kinder. Als Kevin (Rock Duer, Jasper Newell und Ezra Miller) zur Welt kommt, hat sie von Beginn an das Gefühl, nicht an ihn heranzukommen. Als Baby ist er nur am schreien, später verhält er sich seiner Mutter gegenüber respektlos. Sein Verhalten gegenüber seinem Vater ist normal. Es ist seine Mutter, die Kevin scheinbar verachtet. Er macht ihr das Leben zur Hölle und kurz vor seinem 16. Geburtstag richtet er ein Blutbad an…

B- (Wertung von A bis F) „We Need to Talk About Kevin“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lionel Shriver.

Jetzt habe ich doch noch ein Film aus dem Filmjahr 2011 nachgeholt, derzeit bieten die Filme aus dem laufenden Kinojahr einfach keine Alternative.

„We Need to Talk About Kevin“ ist ein beklemmendes und absolut deprimierendes Indie-Drama. Erzählt wird die Geschichte einer Mutter, die an ihrem gestörten Kind verzweifelt. In Rückblenden erfährt man die Geschichte vor der Bluttat. Schon für den Zuschauer ist das Verhalten des Kindes quälend, wie mag es bloss für die Mutter sein? Man sieht die Hilflosigkeit der Mutter gegenüber ihrem eigenen Kind, einem Soziopathen. Muss man der Mutter Vorwürfe machen, ich finde nicht. Es gibt einfach grundböse Menschen, die offenbar so schon geboren werden. Normal wäre sicher, dass man noch einen Psychologen/ Psychotherapeuten zu Rate gezogen hätte, aber hätte das etwas an Kevins grauenhafter Tat geändert?

Manche Szene wirkten auf mich zu inszeniert, die Musik ist ungewöhnlich und die Dominanz der Farbe Rot hat mich zu sehr abgelenkt. Auch fand ich die Besetzung der Jungen nicht so gelungen. Die drei Schauspieler, die Kevin darstellen, ähneln zwar untereinander, aber mich hat irritiert, dass sie keinerlei Ähnlichkeit mit weder der Mutter noch dem Vater hatten. Auch fand ich die schauspielerische Leistung der Jungen nicht immer gut. Dennoch ist „We Need to Talk About Kevin“ ein sehenswerter Film, nicht zuletzt weil Tilda Swinton hier eine überragende Performance gibt. Einer der vielen Skandale der Oscars 2012 ist für mich, dass sie für diese Rolle noch nicht einmal für einen Academy Award nominiert wurde.

Auch auf die Gefahr hin als kinderfeindlich zu gelten, aber nicht nur für Eva ist das Geräusch, das ein Presslufthammer verursacht angenehmer als Babygeschrei.

„We Need to Talk About Kevin“ feierte auf dem Cannes Film Festival 2011 Premiere.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Bullhead“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: belgisches Drama, das auf der Berlinale 2011 lief und jetzt als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert wurde.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Boy“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: neuseeländischer Film
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Footnote“
Bewertung des Trailers: C+
Kommentar: israelisches Drama, das auf dem Cannes Filmfestival 2011 den Best Screenplay Award gewonnen hat. Er wurde jetzt als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 60%

Trailer v. Film: „Chico and Rita“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: britisch/spanischer Animationsfilm, der überraschenderweise dieses Jahr für den Oscar nominiert wurde
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

6 Gedanken zu “NYC – Film: "We Need to Talk About Kevin"

  1. :)) ja Babygeschrei ist nicht jedermanns Sache, finde ich völlig legitim – ich gehe mit meiner Abneigung auch offen um. Egal ob erwachsen oder Kind, manche hasse ich einfach :))
    Zum Film, hört sich echt depri an, aber mich verbindet so eine Hassliebe zu Swinton und ich stelle immer wieder fest, dass ich sie doch wirklich mag, mich aber oft sträube die Filme mit ihr zu sehen.
    Hach so Details wie das Filmfamilienmitglieder sich nicht ähnlich sehen, finde ich auch schrecklich. Auf sowas sollte man einfach achten. Mal sehen, wann mir der Film über den Weg läuft…

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  2. 🙂 Ja, gehe ich ja im richtigen Leben (nicht unbedingt an Bord) auch, nur schriftlich niedergelegt, finde ich kritisch :))

    Ich finde die Tilda toll, sie ist so anders, bei den GGs ist mir aufgefallen, dass sie aussieht wie David Bowie und ich mag, dass sie sich dem Hollywood Protokoll nicht unterwirft und ihr es piepegal ist, wie sie rumläuft. Außerdem hat sie, glaube ich, einen ziemlich guten Humor. Letztens hat mir ne Kollegin, die vorher lange am Theater war, erzählt, dass Tilda mit Schlingensief zusammen war. Das war mir neu. 🙂

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  3. Jetzt habe ich den Film doch gesehen und bin schon beeindruckt.. Auch wenn die Jungs den Eltern nicht besonders ähneln, denke ich passt das schon. Vielleicht das künstlerische Element, dass das Kind von der Mutter nicht angenommen werden konnte.
    Obwohl ich aus eigener Erfahrung weiß, dass Mutter Sohn Verhältnisse schwierig sein können und ein Kind schon die Mutter ablehnen kann, fand ich die Situation hier im Film extrem, Kevin dämonisiert. Ich glaube nicht an „das Böse“ und daran, dass ein Kind bereits mit 3 oder 6 so berechnend sein kann. Das war für mich zu fantasystorymäßig. Dann das Drama der Mutter an sich fand ich sehr glaubwürdig, aber für mich schwer nachzuvollziehen, warum sie die Stadt nicht verlassen hat.

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  4. Ahh. Na mich haben die Jungs irgendwie irritiert.

    Siehst Du, ich denke schon, dass man irgendetwas Böses in sich tragen kann, was dann immer mehr „kultiviert“ wird, bis es vielleicht irgendwann zum Ausbruch kommt. Müsste man mal recherchieren, wie es bei den Schul-Amokläufern war. Ich habe mal gehört, dass viele Täter schon als Kind Tiere gequält haben. Also was bringt sie zu solchen Taten? Ich würde jedenfalls nicht zwingend den Eltern die Schuld geben. Klar, ist ein Kind mit 3 oder 6 Jahren nicht berechnend, weil er ja gar nicht weiß, was das bedeutet.

    Fraglich fand ich, dass sie ihr Kind nicht zum Therapeuten geschickt haben. Und klar, warum zieht sie nicht weg, aber vielleicht weil sie ihr Kind weiterhin im Gefängnis besuchen will.

    Ich war jedenfalls total geschockt (weil ich damit auch gar nicht gerechnet habe), was Kevin in seiner eigenen Familie angerichtet hat.

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  5. Hm, ich glaube eher, dass es eine „natürlich“ Abneigung zwischen Mutter und Sohn geben kann (bei meiner Mutter und Bruder ist das nämlich so). Das fängt mit dem Babygeschrei und der Ablehnung der Mutter an muss sich aber nicht so steigern. Ich fand, sie hat sich wirklich immer wieder zusammengenommen und versucht Zugang zu finden und für mein empfinden hat das Kind zu berechnend darauf reagiert. In diesem Punkt, also während seiner Kleinkindphase, erinnerte mich der Film darum mehr an „Das Omen“ als an ein Amokläuferdrama. Sicher Kinder können fies sein, aber dabei sind sie noch Kind und nicht wie Kevin hier dargestellt wurde erwachsen im Körper eines Kindes. Dadurch bekam die Figur Kevin für mich so etwas Unnatürliches und Konstruiertes. Das war sicher die erzählerische Freiheit, aber realistisch fand ich das nicht. Aber auch hier muss ich Dir recht geben, müsste man sich mal wirklich ansehen, welche Entwicklung Amokläufer so genommen haben. Wobei Kevin eine Mischung aus Amokläufer und Elternmörder war. Da gibt es ja auch schlimme Beispiele.

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  6. Ach echt? So eine grundsätzliche Abneigung von Sohn auf Mutter kenne ich nicht bzw. kann mir sie auch gar nicht erklären. Jedenfalls wenn sie von praktisch von Geburt an existiert. Andersherum von Mutter auf Kind schon eher, wie Du sagst, durch dieses Geschrei und Verhalten vom Kind.

    Ja, das Verhalten des Kindes mag hier unnatürlich oder konstruiert wirken, aber letztlich wissen wir zu wenig über solche jugendlichen Amokläufer. Es ist doch nicht so, dass sie ganz plötzlich, ohne Vorgeschichte, solche grauenhafte Tat ausüben. Irgendwie muss doch schon irgendetwas im Vorfeld darauf hingedeutet haben? Ich glaube auch nicht wirklich an die Theorie der Gewaltspiele. Das alleine bringt doch niemanden dazu, auszurasten.

    Hier vielleicht etwas absurd, dass er Amok gelaufen ist und seine halbe Familie ausgelöscht hat, bloss um seine Mutter zu bestrafen. Eigentlich ein hochinteressantes Thema. Es gibt doch sicherlich psychologische Untersuchungen, wobei sich, glaube ich, viele Amokläufer anschließend selbst getötet haben/ oder getötet wurden. Das erschwert natürlich etwas über die Beweggründe herauszufinden.

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