D.C. – Film: "War Horse"


Ich war am 12.01.12 in Washington und habe mir im Kino angeschaut:

„War Horse“ (dt. Titel: „Gefährten“, dt. Kinostart: 16.02.12) 146 min drama, adaptation
dir. Steven Spielberg cast: Jeremy Irvine, Emily Watson, Peter Mullan, Benedict Cumberbatch, Eddie Marsan, Toby Kebbell, David Thewlis, David Kross, Liam Cunningham, Niels Arestrup

Devon, England. Der alkoholkranke Bauer Ted (Peter Mullan) ersteigert eines Tages ein Fohlen und bezahlt dafür viel zu viel. Seine Frau Rosie (Emily Watson) ist verzweifelt, das Geld ist knapp und das Pferd scheinbar nicht von besonderem Nutzen. Rosie besteht darauf, das Fohlen zurückzubringen, der Sohn Albert (Jeremy Irvine) fleht aber seine Eltern an, es zu behalten. Albert gibt dem Pferd den Namen Joey und trainiert es. Dann beginnt der Erste Weltkrieg und jede Familie muss ihren Beitrag bezahlen. Joey wird an die britische Kavallerie verkauft. Wird Albert sein Pferd je wiedersehen?

B- (Wertung von A bis F) Der Film „War Horse“ basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Morpurgo. Das Buch wurde bereits sehr erfolgreich als Bühnenstück adaptiert und hat im Jahr 2011 mehrere Tony Awards (unter anderem als Bestes Bühnenstück) gewonnen.

Nun nimmt sich einer der erfolgreichsten Filmregisseure, Steven Spielberg, des Stoffs an. Damit stand eigentlich schon vor Fertigstellung des Films fest, dass es sich hierbei um einen sicheren Oscar-Favoriten handelt. Um es vorweg zu nehmen, die Verfilmung von „War Horse“ ist für mich alles andere als ein Oscar-Film.

Ungefähr eine Stunde lang dachte ich, dass ich komplett zugekitscht (wie auch immer das ausgesehen hätte) aus dem Kino komme. Steven Spielberg inszeniert seine Filme teilweise immer noch wie man (und er) es in den 1980er Jahren getan hat. Er setzt Stilmittel wie unnatürliches Rosamunde Pilcher-Licht und Weichzeichner ein und untermalt viele Szenen (in der hauptsächlich der Junge und sein Fohlen Joey zu sehen sind) mit einem sentimentalen Score. Damit will Steven Spielberg bei dem Zuschauern Gefühle erzeugen. Das ist aber viel zu vorhersehbar und gestrig, so einfach funktioniert es heutzutage nicht mehr. Der Zuschauer ist ja auch nicht blöd. Trotzdem hat es Spielberg mit diesen, ich sag mal großzügig, romantischen Bildern nicht geschafft, die an sich starke Verbindung, die Unzertrennlichkeit, zwischen Albert und und seinem Pferd Joey emotional zu transportieren. Für diesen Part des Films (und die vielleicht letzten zehn Minuten, in denen Steven Spielberg auch noch mal ordentlich in die Kitsch-Kiste gegriffen hat) hätte ich dem Film ein klares „D“ geben müssen.

Dann begann aber, hier dankenswerterweise, der Erste Weltkrieg. Wenn man Steven Spielberg etwas lassen muss, dann ist es, dass er Kriegsschauplätze düster und atmosphärisch inszenieren kann. Die Bodenkämpfe sind visuell gelungen und um so mehr Statisten er eingesetzt hat, um so imposanter wurden die Szenen. Aber sogar die Kriegsszenen waren auch nicht ohne Schwächen. Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Großproduktionen, war Steven Spielberg der Meinung, er müsste in seiner Kriegsinszenierung die Franzosen und die Deutschen jeweils untereinander Englisch reden lassen. Wie kommt er denn auf so eine Idee? Normalerweise werden solche Szenen in der jeweiligen Sprache mit Untertiteln gezeigt. Aber nein, ein Steven Spielberg lässt die Nationen alle Englisch sprechen und nicht nur das, sie sprechen auch noch mit einem britischen Akzent, jedenfalls mit keinem klar erkennbaren deutschen bzw. (mit einer Ausnahme) französischen Akzent. Wie realistisch. Vor allen Dingen dann auch noch so inkonsequent, im Hintergrund hört man dann doch hin und wieder vereinzelt deutsches Gequatsche oder Befehle auf Deutsch.

Prägnant fand ich, dass bei einer so langen Besetzungsliste für mich nur eine einzige Performance hervorzuheben ist. Mir hat einzig und allein Niels Arestrup, der den französischen Großvater spielt, sehr gut gefallen und er hat auch so etwas wie Gefühle bei mir hervorrufen können.

Bei den ganzen Schwächen, die ich in dem Film sehe, hätte ich „War Horse“ eigentlich eine schlechtere Bewertung geben müssen. Ich habe mich aber dennoch für ein „B-“ entschieden, weil ich – wie gesagt – im Großen und Ganzen die Kriegsszenen realistisch fand und weil mich eine längere Szenenfolge wirklich beeindruckt hat. Sie beginnt als das Pferd Joey rennt und letztlich zwischen die Fronten der kriegsführenden Parteien gerät. Das ist die Schlüsselszene des Buchs, des Bühnenstücks und klar auch des Films und ist wunderbar von dem Kameramann Janusz Kaminski in Szene gesetzt worden.

Es würde mich freuen, wenn Steven Spielberg in seinen nächsten Filmen zu einem reduzierteren und innovativeren Stil greifen würde, aber dann würde man wohl nicht mehr seine Handschrift erkennen. Schade, als Kreativer sollte man auch mal was wagen.

Eine Oscar-Nominierung für „War Horse“ als Bester Film ist zum heutigen Zeitpunkt gar nicht mehr sicher. Vermutlich hängt es davon ab, wie viele Filme tatsächlich dieses Jahr als Bester Film nominiert werden. Derzeit geht man davon aus, dass 7 oder 8 Filmen nominiert werden.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer von Film: „Red Tails“
Bewertung des Trailer: C-
Kommentar: 2. Weltkriegsdrama/action mit Terrence Howard und Cuba Gooding Jr.
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Extremely Loud and Incredibly Close“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Stephen Daldrys Drama, das den 11. September 2001 thematisiert. Besetzung: Tom Hanks, Sandra Bullock, Max von Sydow und Viola Davis. Galt als möglicher Oscar-Favorit bis der Film gezeigt wurde…
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „The Vow“
Bewertung des Trailers: C
Kommentar: Drama mit Rachel McAdams und Channing Tatum. Irgendwie kann ich Rachel McAdams nicht mehr sehen.
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 30%

Trailer von Film: „Big Miracle“
Bewertung des Trailer: C-
Kommentar: Buchadaption mit Drew Barrymore und John Krasinski
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 1 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 0%

Trailer von Film: „Chimapanzee“
Bewertung des Trailer: A
Kommentar: Disneynatures wahrscheinlich herzzerreißende neue Doku über Schimpansen
Wie oft habe ich den Trailer bereits im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich mir den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „John Carter“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Disney-Sci-Fi-Abenteuer-Film in 3D mit Willem Dafoe, Samantha Morton, Thomas Haden Church. Der Film kann entweder gut oder ganz, ganz schlimm sein…
Wie oft schon im Kino gesehen: 4 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: Gut, bei einer RT-Bewertung von mehr als 80% gehe ich rein…

4 Gedanken zu “D.C. – Film: "War Horse"

  1. Also auf diesen Film werde ich sicherlich verzichten. Das ist gar nicht meine Baustelle und die Ausschnitte waren so schrecklich. Ich bin auch nicht wirklich ein Fan von Kriegsfilmen, also nur sehr eingeschränkt und schon gar nicht von Pferdefilmen :))
    …eine Schimpansen Doku?

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  2. Ja, kann ich komplett verstehen. Ich würde „War Horse“ auch niemanden wirklich empfehlen. Ich möchte mir nur möglichst alle Filme (es gibt ganz wenige Filme, bei denen ich mich strikt weigere) die mal als Oscar-Kandidaten gesehen wurden, selbst anschauen und mir ein Bild machen. Das war definitiv ein Arbeitsfilm. 🙂 und mit Pferden habe ich es auch nicht so. :))

    Du müsstest in die Augen von Waisenschimpansenkind Oscar schauen, das ist ein Film, bei dem ich wahrscheinlich von vorne bis hinten schluchzen werde…also auf DVD gucke. 🙂

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  3. Sehr zutreffende Kriik des Films, die ich vor Besuch des Films hätte lesen sollen. „Gestrig“ opahaft kam mir der Film tatsächlich auch vor. Aus der langen Episode um den fzr. Opa, der zwar gut spielt, mit Enkelin hätte man einen 2. Film drehen können.
    Darf ich hier um einen Rat fragen: welcher empfehlenswerte Film wird etwa Ende April, Anfang Mai in Deutschland anlaufen? Ich soll für ein Hausjournal, das dann erscheint, einen Artikel schreiben.

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  4. Ja, der Film ist nicht wirklich gut und wenn man bedenkt, dass er jetzt doch eine Oscar-Nominierung als Bester Film erhalten hat macht den Film noch schlechter bzw. weist darauf hin, dass das Jahr 2011 einfach kein gutes Filmjahr war. Der frz. Opa und seine Geschichte ist mir tatsächlich nachhaltig in Erinnerung geblieben. Bloss keinen zweiten Film – jedenfalls nicht von Spielberg. 🙂

    Du kannst immer auf der Website der Verband der Filmverleiher nachlesen, welche aktuellen Kinostarts in dem jeweiligen Monat geplant sind. Das ändert sich natürlich regelmässig. Daher ist das für den deutschen Kinostart die zuverlässigste Seite. 🙂

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