Berlin – Film: "Melancholia"


Ich war am 30.10.11 in Berlin und habe mir im Kino angeschaut:

„Melancholia“ (dt. Kinostart war der 06.10.11) 130 min drama
dir. Lars von Trier cast: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland, Alexander Skarsgard, Charlotte Rampling, John Hurt, Stellan Skarsgard, Udo Kier

Die Erde wird mit dem Planeten Melancholia zusammenprallen und dabei völlig zerstört werden. Der Weltuntergang steht unmittelbar bevor. Auf dem Landsitz ihres schwerreichen Schwagers John (Kiefer Sutherland) findet die Hochzeitsfeierlichkeit von Justine (Kirsten Dunst) und Michael (Alexander Skarsgard) statt. Justine leidet aber an schweren Depressionen und bringt es fertig, an nur einem Abend ihr komplettes Leben kaputt zu machen…

C- (Wertung von A bis F) „Melancholia“ ist bestimmt kein schlechter Film… Bei Dramen verhält es sich für den Zuschauer aber meist so, dass man sich entweder irgendwie mit den Protagonisten identifizieren kann oder wenigstens Verständnis oder Sympathie für sie aufbringt. Mir gingen die beiden neurotischen Luxus-Weibchen aber unglaublich auf die Nerven. Es kann gut sein, dass mir das nötige Verständnis für die Krankheit Depression fehlt. Im ersten Teil des Films wollte ich Justine wahlweise am liebsten schütteln, in den Hintern treten oder ihr klar zu verstehen geben, dass sie sich jetzt endlich zusammenreissen soll. Emotional hat mich der Film überhaupt nicht angesprochen. Bezeichnenderweise haben mir auch ganz klar die beiden zynischen Figuren (die Mutter der Schwestern und der Ehemann von Claire, gespielt von Charlotte Rampling und Kiefer Sutherland) am besten gefallen. Ich habe das Leinwandgeschehen aus der Distanz betrachtet und fand es unglaublich anstrengend, diesem gefühlt ewig langen Film bis zu Ende zu schauen. Zweifelsfrei bietet der Film aber, gerade zu Beginn, unglaublich schöne Bilder bzw. Szenen für das Cineasten-Herz.

Durch die Bank fand ich alle Schauspieler hervorragend. Früher war ich großer Fan von Charlotte Gainsbourg, mittlerweile finde ich, dass sie etwas verhärmt wirkt und gar nicht mehr fotogen ist. Kirsten Dunst und Alexander Skarsgard (hier mal in einer netten Rolle) geben ein sehr schönes Paar ab. Alexander Skarsgard (True Blood, Straw Dogs) spielt hier das erste Mal gemeinsam mit seinem Vater Stellan Skarsgard („Good Will Hunting“, „Dogville“, „Mamma Mia!“) in einem Spielfilm.

Auch wenn ich es teilweise unerträglich fand, dem depressiven Charakter Justine zu folgen, Kirsten Dunst transportiert auf überzeugende Weise die Gefühlswert ihrer Filmfigur. Wirklich bemerkenswert, ich würde sogar soweit gehen, dass ihre Schauspielleistung eine Oscar-Nominierung verdient hätte. Die Konkurrenz ist aber gerade in dieser Kategorie im nächsten Jahr gross und ich weiss nicht, ob sich die Schauspieler der Academy (die für eine Nominierung in dem Bereich entscheiden) den Film angucken bzw. bis zum Schluss durchhalten.

„Melancholia“ startet am 11.11.11 in den amerikanischen Kinos.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „Anonymous“ (dt. Trailer!)
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Ich weiss immer noch nicht…
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 70 %

Trailer v. Film: „Jane Eyre“ (OV)
Bewertung des Trailers: B+
Kommentar: Drama mit Mia Wasikowska, Judi Dench, Sally Hawkins, etc. Oscar-Potential?
Wie oft schon im Kino gesehen: 2 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: Habe mir den Film bereits über iTunes angeschaut.

Trailer v. Film: „The Ides of March“ (OV)
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Politdrama von und mit George Clooney. Auch mit dabei: Ryan Gosling, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Marisa Tomei, etc. Oscar-Potential.
Wie oft schon im Kino gesehen: 3 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: Habe den Film bereits gesehen.

Trailer v. Film: „Charlotte Rampling: The Look“ (OmU)
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Dokumentation über die legendäre Schauspielerin
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „A Dangerous Method“ (OV)
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: David Cronenbergs Film über Sigmund Freund, Carl Jung und Sabina Spielrein mit Viggo Mortensen, Michael Fassbender und Keira Knightly. Oscar-Potential?
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Kino in Berlin:

Da werden Erinnerungen wach. Das Odeon war das Kino meiner Jugend. Auch wenn das Odeon für mich nie so wirklich verkehrsgünstig lag, war es doch das Kino meiner Wahl. Ab Mitte/Ende der 1980er Jahre liefen hier Filme im Original (bzw. in der OmU), was ein internationales Publikum ins dieses Kino zog. Erst Mitte der 1990er Jahre kam ein zweites Kino, die Kurbel, hinzu, die Filme in Originalfassungen zeigten. Jedenfalls war ich seit unzähligen Jahren nicht mehr im Odeon. So sehr ich letztens das Central Kino gelobt habe, so wenig war ich jetzt von dem Odeon begeistert. Das Kino macht im Empfangsbereich (und in den Toiletten) einen recht verwahrlosten Eindruck. Die ältere Dame mit den zwei geflochtenen Heidi-Zöpfen an der Kasse hinterlässt einen recht unmotivierten, beinahe zickigen Eindruck. Die Ticketpreise sind okay, wobei eines 8.50 Euro kostet (offensichtlich Überlänge-Zuschlag von 0,50 Euro – Unfassbar bei 130 Minuten!). Das Odeon-Kino zeigt Werbung, unglaublich öde noch dazu. Positives gibt es aber auch zu berichten: freie Platzwahl in einem renovierten, recht großen Kinosaal, bequeme Sessel, ausgewählte Filme im Original oder in der OmU, okaye Preise für die Verpflegung und nicht unerheblich: es gibt immer noch ausschließlich salziges Popcorn.

Leider hat sich der Kinobetreiber der Kurbel Anfang der 2000er Jahre dazu entschlossen, keine Filme mehr im Original zu zeigen. Damit haben sie mich und sehr viele andere wieder als Zuschauer verloren. Meines Erachtens war das eine geschäftsschädigende Entscheidung. Ich wohne aber in der Nachbarschaft der Kurbel und so hat es mich geschockt zu hören, dass die Kurbel zum Ende des Jahres 2011 jetzt komplett ihren Kinobetrieb einstellt. Ich finde es immer traurig, wenn kleine Kinos zumachen.

2 Gedanken zu “Berlin – Film: "Melancholia"

  1. :)) Ja so unterschiedlich kann man Filme sehen. In Melancholia konnte ich das erste Mal mit der Depression der Protagonistin leben, meist gehen mir solche Filme sonst auch schwer von der Hand.
    Vielleicht auch Tagesform bedingt, aber ich mag ihn einfach 😀
    Ach die Kurbel macht zu? Habe ich schon wieder völlig verdrängt, dabei ist sie doch immer gut gefüllt? Hatte dort Tim Und Struppi gesehen. Schade, Gerade jetzt wo meine Freundin dahin gezogen ist. Hatte ja früher gleich um die Ecke gewohnt… hach Sehnsucht :))
    Von Jane Eyre hatte ich den Trailer gesehen und möchte ihn ganz gerne im Kino schauen – mal sehen.

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  2. „Melancholia“ ist aber auch definitiv ein Film, der einem auch noch ein paar Tage später im Gedächtnis bleibt.

    Ich fand den ersten Teil halt auch wahnsinnig anstrengend und was ihre Depression angeht, überhaupt nicht nachzuvollziehen. Sie hat einen tollen Job, ist dabei ihren Traummann zu heiraten und hat scheinbar auch genug Geld. Klar, ist ne Krankheit, (bipolar vermutlich),die jeder bekommen kann, mir aber schwer zu vermitteln. Im zweiten Teil, wo sie sich gar nicht mehr bewegen kann und nur schläft und nicht mal kleinste Dinge verrichten kann, eher einleuchtend. Trotzdem anstrengend, als sie das Pferd quälte wollte ich das Kino verlassen…

    Die Ecke dort ist auch total schön. Im Gegensatz zu vielen Anderen mag ich es sehr, wenn ich aus dem Haus komme und ziemlich gleich richtig im Trubel bin. 🙂

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