San Francisco – Film: "Take Shelter"


Ich war am 19.10.11 in San Francisco und habe mir im Kino angeschaut:

„Take Shelter“ (dt. Kinostart: 22.03.12) 120 min drama
dir. Jeff Nichols cast: Michael Shannon, Jessica Chastain, Kathy Baker, Shea Whigham, Katy Mixon, Tova Stewart

Curtis LaForche (Michael Shannon) lebt mit seiner Frau Samantha (Jessica Chastain) und seiner taubstummen Tochter Hannah (Tova Stewart) auf dem Land in Ohio. Curtis leidet in letzter Zeit unter Albträumen und hat seltsame Visionen. Er befürchtet den Weltuntergang. Seine Träume und Ängste kommuniziert er nicht und so distanziert er sich immer mehr von seiner Frau und seinem Umfeld. Für einen, wie er befürchtet, nahenden apokalyptischen Sturm baut er schließlich einen Schutzbunker auf dem Feld vor dem Haus. Sein merkwürdiges Verhalten beunruhigt die Menschen um ihn herum zutiefst…

A- (Wertung von A bis F) Die Filmfigur Curtis leidet an paranoider Schizophrenie. Der Film „Take Shelter“ schafft ein Bewusstsein für diese Krankheit. Durch die unglaubliche Performance von Ausnahmetalent Michael Shannon (bekannt aus Bug, Revolutionary Road, The Runaways und der HBO-Serie Boardwalk Empire) fühlt man als Zuschauer mit ihm, leidet gar. Man sieht die Krankheit durch seine Augen und kann nachempfinden wie schlimm es sein muss, unter Wahnvorstellungen zu leiden. In klaren Momenten will er sich helfen lassen, aber dann wird er wieder von seinen Ängsten übermannt. Eine Krankheit, die einsam macht. In einer Szene fiel mir spontan Daniel Day Lewis ein, denn der ist für mich der Einzige, der einen psychisch Gestörten so beängstigend realistisch darstellen kann. Mir ist aufgefallen, dass – wie auch immer er es macht – Michael Shannon in manchen Szenen sogar durch seine Augen jeweils unterschiedliche Ausdrücke zeigt. Unglaublich. Michael Shannons Performance schreit nach einer Oscar-Nominierung. Von Jessica Chastain (The Tree of Life, The Help) war ich zunächst abgelenkt. Ich fand sie zu knochig und fragil in der Rolle als Hausfrau und Ehefrau von Michael Shannons Charakter. Irgendwie haben die Beiden für mich zunächst nicht zusammengepasst. In einer Szene hat sie durch ihre zweifelsfreien großen schauspielerischen Qualitäten meine anfänglichen Bedenken aber komplett zerschlagen können.

Das Filmende hat dafür gesorgt, dass ich richtig Gänsehaut bekommen habe.

„Take Shelter“ ist ein Low-Budget-Film. Ich hoffe inständig, dass die Academy Mitglieder den Film nicht übersehen. Vielleicht ist es förderlich, dass der Film am letzten Donnerstag (20.10.11) für die ersten relevanten Independent Film Awards (Gotham Awards) als bester Film und für die beste Ensemble Peformance nominiert wurde. Ich drücke Michael Shannon für seine zweite Oscar-Nominierung fest die Daumen.

„Take Shelter“ könnte in meiner Top Ten für Filme aus dem Jahr 2011 landen.

Trailer zu sehen:

vorgeschaltete Trailer:

Trailer v. Film: „The Skin I Live In“
Bewertung des Trailers: B
Kommentar: Pedro Almodóvars neuer Film mit Antonio Banderas. Irgendwann gucke ich mir die Almodóvar-Filme alle an. Auffallend guter Score im Trailer, den ich gesehen habe.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Oka!“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Wahre Geschichte über einen Amerikaner der nach Zentralafrika auswandert.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Revenge of the Electric Car“
Bewertung des Trailers: C-
Kommentar: Folge-Film der Dokumentation „Who Killed the Electric Car?“
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 0%

Trailer v. Film: „Melancholia“
Bewertung des Trailers: B-
Kommentar: Lars von Triers apokalyptisches Drama mit Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg. Meine Blog-Freundin CharlesDexterWard hat dem Film 10 Punkte gegeben.
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

Trailer v. Film: „Carnage“
Bewertung des Trailers: A-
Kommentar: Roman Polanskis Verfilmung des Bühnenstücks „God of Carnage“. Drei Oscar-Gewinner und ein Oscar-Nominierter haben die Filmrollen übernommen: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly. Grundsätzlich natürlich Oscar-Potential, was man so hört, wenn wohl aber nur für Christoph Waltz
Wie oft schon im Kino gesehen: 0 x
Wahrscheinlichkeit, dass ich den Film anschaue: 100%

5 Gedanken zu “San Francisco – Film: "Take Shelter"

  1. Michael Shannon mag ich – unheimlich talentierter Mann.
    Hach, hört sich ja wieder dramatisch an, aber nicht uninteressant 🙂
    Almodovar werde ich sicherlich ansehen, schon weil Banderas mal keine nette Rolle hat.
    Tja Polanski… einen Großteil seiner Filme finde ich nicht besonders, aber mal sehen.

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  2. Ja, ich mag den auch total gerne.

    Habe kürzlich gelesen, dass dies erst Banderas zweiter Film mit Almodovar ist. Den mag ich überhaupt nicht, ist für mich eine talentfreie Zone. Bei dem soll sich aber wohl sein Talent erst in seiner Muttersprache komplett entfalten, ähnlich wie bei Penelope Cruz.

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  3. So, nun habe ich ihn gestern in der Sneak-Preview gesehen, nachdem ich mich (wegen des ernsten Themas) um die PV gedrückt hatte :))
    Ich fand ihn aber sehr gut. Viel mit wenig erreicht würde ich sagen, auch wenn ich meiner Freundin den Schluss nicht adhoc erklären konnte, aber als ich zu Hause war, war es mir völlig klar 🙂

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  4. 🙂 ich finde das Ende des Films so brillant, weil es letztendlich Raum für Interpretationen und Gespräche lässt. Ich erkläre es für mich so, dass die Schlussszene eine seiner Träume ist. Aber eben, im Gegensatz zum Anfang kein Albtraum mehr, weil jetzt seine Familie zu ihm hält und ihn versteht. Nicht so richtig passt für mich die Variante, dass er tatsächlich den Sturm ja die ganze Zeit vorhergesagt hast. Was meinst Du?

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  5. Völlig Deiner Meinung. Am Schluss ist das eine seiner Paranoia-Visionen, in der er endlich im Einklang ist, weil seine Familie zu ihm steht und ihn unterstützt und er für sich selbst die Krankheit akzeptiert hat 🙂

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