NYC – Film: "Detachment"


Ich war am 30.04.11 in New York und habe mir im Kino angeschaut:

„Detachment“ 100 min drama
dir. Tony Kaye cast: Adrien Brody, Marcia Gay Harden, Lucy Liu, Blythe Danner, James Caan, Christina Hendricks, Tim Blake Nelson, Sami Gayle, Betty Kaye

Henry Barthes (Adrien Brody) kommt als Vertretungslehrer für drei Wochen an eine neue, staatliche Oberschule. Die Schüler sind gelangweilt und aggressiv und bringen ihren Lehrern keinerlei Respekt entgegen. Die übergewichtige Meredith (Betty Kaye) fällt etwas aus der Reihe. Henry macht seinen Job und sucht nach Lösungen, aber er hat auch genug andere Probleme. Sein Opa (Louis Zorich) ist dement und dem Tode nahe und dann trifft er noch auf die junge Erica (Sami Gayle), die von zu Hause abgehauen ist und sich jetzt prostituiert…

A (Wertung von A bis F) „Detachment“ ist ein ehrliches und reales Portrait des amerikanischen Ausbildungssystems. Vordergründig über die Aggressionen, die Perspektivlosigkeit der Schüler und auf der anderen Seite die Hilflosigkeit und die Resignation der Lehrer. Erzählt wird der Film aus der Sicht eines Vertretungslehrers, der eigentlich keine emotionale Bindung zu den Schülern und der Schule hat, da seine Zeit dort begrenzt ist. Der Regisseur unterstreicht seine Geschichte noch mit animierten Sequenzen, Zitaten von Albert Camus und Edgar Allen Poe und Interviews mit tatsächlichen Lehrern. „Detachment“ ist aber noch so viel mehr und gibt u.a. einen Einblick in Henrys Leben, das so kompliziert und belastet zu sein scheint. Mir ging dieses Drama wahnsinnig nahe und für mich ist „Detachment“, trotz seiner krassen Szenen und unzähligen Kraftausdrücke, ein Oscar-Film. Ein Hauptgrund ist zweifelsohne Adrien Brody („The Pianist“, The Darjeeling Limited, The Brothers Bloom). Er zeigt hier eine ganz nuancierte Leistung. Auch wenn er in letzter Zeit in vielleicht nicht so guten Filmen mitspielt, so ist ER immer herausragend, aber meines Erachtens war er noch nie besser als in „Detachment“. Für mich ist das hier eine ganz klare Oscar-Performance. Eine Zuschauerin hat im anschließenden Q & A den Regisseur Tony Kaye gelobt, dass er in diesem Film so eine Leistung aus Adrien Brody rausgeholt hat, wie seinerzeit aus Edward Norton in „American History X“. Dem kann ich zu hundert Prozent zustimmen. Wo ich gerade bei den Oscars bin, würde ich James Caan („The Godfather“, „Misery“, „New York, I Love You“) gleich mitnominieren, alleine mit einer bestimmten Szene muss er in die Filmgeschichte eingehen.

Nach dem Film gab es ziemlich großen Applaus.

Gesehen habe ich „Detachment“ auf dem Tribeca Film Festival 2011. Der Film wurde hier uraufgeführt. Bislang hat „Detachment“ noch keinen Verleih in den U.S.A. Persönlich würde ich mich freuen, wenn Harvey Weinstein ihn unter seine Fittiche nimmt, dann wäre ich wenigstens sicher, dass „Detachment“ eine vernünftige Kinoauswertung bekommt und auch der – in dem Fall bestimmt beschwerliche – Oscar-Weg angestrebt wird.

Der leicht durchgeknallte aber nicht unsympathische Regisseur Tony Kaye kam kurz vor Beginn des Films auf die Bühne, um zu singen (ich möchte nicht weiter ins Detail gehen) und die Zuschauer darauf hinzuweisen, dass sie doch bitte auf die Farbe Rot achten mögen. Rot ist zweifelsfrei präsent im Film, aber ich konnte mir nicht richtig einen Reim darauf machen. Im anschließenden Q & A hat er auf die Frage einer Zuschauerin, was denn nun Rot bedeutet, wortwörtlich geantwortet: „Red is protection“. Mmmh, unter diesem Aspekt möchte ich mir den Film am liebsten sofort noch einmal anschauen.

Trailer zu sehen:

Tribeca Film Festival

Das Tribeca Film Festival wurde nach dem 11. September 2001 von u.a. Robert De Niro ins Leben gerufen. Der New Yorker Robert De Niro besitzt in TriBeCa (Triangle below Canal Street) ein Hotel und Restaurants, auch seine Produktionsfirma ist dort ansässig. Durch das Film Festival wollte er nach den Terroranschlägen seinen Beitrag leisten, Manhattan – insbesondere Lower Manhattan, wieder in ein positives Licht zu rücken und für Investitionen, insbesondere im Filmbereich, werben.

2 Gedanken zu “NYC – Film: "Detachment"

  1. Okay, Regisseure und ihre Auftritte :))
    Tja das US Amerikanische Schulsystem ist seltsam. Ich kenne das nur von Freunden, die Ausgewandert sind und in ihren gelernten Berufen nicht arbeiten durften – in der Schule lehren durften sie aber sehr wohl. Schlecht ausgebildet und noch schlechter bezahlt fragt sich sicherlich der ein oder andere Lehre, ob er sich das wirklich antun möchte und viel von sich einbringt. Tragisch.
    Schuldramenfilme haben ja auch schon Tradition, sehe ich ganz gerne.

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