Chicago – Film: "A Serious Man"


Ich war am 15.10.09 in Chicago und habe mir folgenden Film im Kino angeschaut:

„A Serious Man“ (dt. Kinostart: 21.01.10) 105 min drama, comedy
dir. Joel Coen, Ethan Coen cast: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolff, Peter Breitmayer, Alan Mandell, Amy Landecker, Adam Arkin, Jessica McManus

1967. Für Physik-Professor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) kommt es gerade ganz dick. Seine Frau Judith (Sari Lennick) will die Scheidung, sein Sohn Danny (Aaron Wolff) hört in der Hebrew School Rockmusik und kifft, seine Tochter Sarah (Jessica McManus) klaut Geld für eine geplante Nasen-OP, ein Student versucht ihn zu erpressen und sein arbeitsloser Bruder Arthur (Richard Kind) hat sich bei ihm eingenistet und kommt mit dem Gesetz in Konflikt. Larry ist überfordert und fragt sich warum ihm das alles passiert. Er sucht nach Antworten…

A (Wertung von A bis F) Nachdem ich von „Burn After Reading“ eher enttäuscht war, stand für mich bei „A Serious Man“ bereits nach wenigen Momenten schon fest, dass dies für mich ein klarer „A“-Film ist. Jedes Bild, jede Szene ist von soviel Schönheit und Liebe zum Detail geprägt. Joel und Ethan Coen gelten als Perfektionisten mit einer ganz eigenen Vision, in diesem Film zeigt sich das besonders.

Alleine beim Ensemble stellt sich schnell die Frage, woher die Coens diese tollen, weitgehend unbekannten Schauspieler nehmen. Hier sind ausnahmslos alle so perfekt für und in ihrer Rolle, dass ich es zum Ende des Films beinahe schade fand, dass dies nur ein Spielfilm ist und keine Reality Show aus den 1960er Jahren.

In einem Interview hat der Theaterschauspieler Michael Stuhlbarg erzählt, dass er eigentlich für die Eröffnungsszene vorgesprochen hat. Die Coens waren auch gleich sehr angetan und haben sich kaputt gelacht, sich aber erst fünf oder sechs Monate später wieder gemeldet und ihn gebeten, nocheinmal vorzusprechen, diesmal für die Hauptrolle und die Rolle von Arthur. Michael Stuhlbarg hat sich für beide Rollen vorbereitet, vorgesprochen, die Coens waren wieder sehr angetan und haben sich erneut kaputt gelacht, jedoch wieder erst einmal nichts von sich hören lassen. Zehn Wochen vor Beginn der Dreharbeiten bekam er schließlich den ersehnten Anruf, dass er die Hauptrolle spielt. Michael Stuhlbarg ist überwältigend als Larry Gopnik und man kann sich vorstellen, wieviel die Coens bei den Dreharbeiten zu lachen hatten.

„A Serious Man“ ist jedoch eindeutig keine Komödie, es ist eher ein Drama mit einem ganz speziellen Humor. Der Film wird nicht jedermanns Geschmack treffen. „A Serious Man“ gilt als der persönlichste Coen Bros. Film. Sie sind als Söhne jüdischer Akademiker in St. Louis Park in Minnesota aufgewachsen. Genau dort spielt der Film und dass einige Kindheitserinnerungen eingeflossen sind, ist eindeutig.

Die in „A Serious Man“ erzählte Geschichte ist natürlich von Joel und Ethan Coen selbst geschrieben, diese haben sie mit Hilfe ihres sozusagen beinahe „hauseigenen“ Kameramannes Roger Deakins in Szene gesetzt, später haben sie den Film, wie üblich, unter ihrem Pseudonym Roderick Jaynes selbst geschnitten.

Im nächsten Jahr werden zum ersten Mal seit 1943 zehn Filme in der Kategorie BESTER FILM für den Oscar nominiert. Ich bin sicher, dass „A Serious Man“ darunter sein wird. Hoffentlich bekommt auch der, derzeit wahrscheinlich beste DP Roger Deakins wieder eine Nominierung, sowie die Schauspieler: Michael Stuhlbarg, Fred Melamed, Aaron Wolff, Sari Lennick usw., usw, usw…

Trailer zu sehen:

„hervorragend“

8 Gedanken zu “Chicago – Film: "A Serious Man"

  1. Da stimme ich Frau Flinkwert zu. Der Trailer, der hier in den Kinos läuft ist eher abschreckend und man kann sich wirklich nichts unter dem Film vorstellen. Die Ausschnitte sehen aber schon eher nach Drama als nach Komödie aus – hat sich ja auch bestätigt.
    Burn after Reading fand ich auch nicht soo doll.
    Nächste Woche startet der Film schon! Na, mal sehen.

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  2. Gut, ich fand den Trailer schon großartig. Hier wird eine „runde“ Geschichte erzählt (was ich liebe), die Musikauswahl könnte nicht besser passen (sogar eines meiner Lieblingslieder wird zumindest angespielt), das Setdesign, die Kostüme und über diese tollen, so unbekannten, Schauspieler könnte ich gar nicht genug schwärmen…und ich mag jüdischen Humor. Ich bin aber sicher, dass nicht jeder etwas mit dem Film anfangen kann…

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  3. Abschreckend, echt? Wenn ich ehrlich bin, ich finde es gut, wenn nicht gleich alles über den Film im Trailer schon verraten wird. Es gibt sogar Trailer, die richtig spoilern, finde ich unglaublich. Nein, ich fand den „A Serious Man“ Trailer richtig, richtig gut. Auch wenn andere es vielleicht anders sehen, der Film ist ein eindeutiges Drama mit sehr skurrilem Humor und sowohl als auch wird nicht jedermanns Sache sein.Meinen trifft es auf den Punkt und dann noch diese klaren, tollen Bilder… aber ich kann in keinster Weise sagen, dass er Dir gefallen wird, vielleicht sogar tendenziell eher nicht… Über „Burn After Reading“ habe ich damals nichts geschrieben, aber der hätte von mir max. ein C+ bekommen.

    Ich habe mich vertippt, der startet erst im Januar. :`(

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  4. Also Burn After Reading fand ich zwar amüsant, aber eher schwach. Ich finde halt, dass die Coens nie wieder die gleiche Stärke erreicht haben wie mit Fargo, aber das ist wirklich Geschmackssache. Auch A Country For Old Men fand ich zwar toll, aber nicht unbedingt oscarverdächtig. Muss mal gucken, ob ich noch nen anderen Trailer dazu finde, als den deutschen, der kürzlich for Away We Go lief.

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  5. Ja „Fargo“ war richtig toll, „No Country for Old Men“ ist sogar einer meiner absoluten Lieblingsfilme (bei dem wusste ich es sofort, mein Herz raste, etc.) „Raising Arizona“ habe ich auch geliebt, müsste ich mal wieder sehen und natürlich den Dude-Film, ach die haben irgendwie immer gute Filme gemacht, vor allen Dingen ist denen mal grad egal, ob die Kasse machen oder nicht, Hauptsache sie können ihr künstlerisches Ding durchsetzen. Ich finde, die Coens sind besonders gut mit eher unbekannten Schauspieler (damals ja auch in Fargo). War der Trailer so anders als der amerikanische? CDW meinte er wäre abschreckend? mmmh.

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