Seattle – Film: "Public Enemies"


Ich war am 04.07.09 in Seattle und habe mir im Kino angeschaut:

„Public Enemies“ (dt. Kinostart: 06.08.09) 143 min drama, gangster, adaptation
dir. Michael Mann cast: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Channing Tatum, Stephen Graham, Giovanni Ribisi, Stephen Dorff, Billy Crudup, Leelee Sobieski

Im Jahre 1933 gelingt dem berüchtigten Bankräuber John Dillinger (Johnny Depp) die Flucht aus dem Gefängnis. Fortan wird er und seine Gang vom FBI unter der Leitung von Melvin Purvis (Christian Bale) gejagt…

B- (Wertung von A bis F) Bei „Public Enemies“ habe ich einen „A“-Film erwartet. Der Trailer sieht vielversprechend aus, Johnny Depp und auch Christian Bale haben für mich eine magnetische Wirkung und ich mag viele Filme von Michael Mann. Der Regisseur arbeitet hier erneut mit dem exzellenten DP Dante Spinotti zusammen, das Duo bescherte mir bereits zwei meiner Lieblingsfilme („The Insider“ und „Heat“). Entsprechend ist die Bildsprache auch klar, dunkel und elegant. Auch die Sets sind beeindruckend, was ist also schief gelaufen? Ich würde dem Drehbuch die Schuld geben. Selten ist es ein gutes Zeichen, wenn zu viele (auf die eine oder andere Weise) am Drehbuch mitwirken. Keiner hat sich richtig Mühe gegeben, eine gute Geschichte zu erzählen oder auf die Charaktere näher einzugehen. Eine Verhaftungsszene fand ich dabei so unfassbar unglaubwürdig inszeniert, dass sie mich gleich aus dem Film gerissen hat. Etwas später hat mich jedoch eine Szene (auf der Polizeistation) wieder etwas entschädigt.

In der schweren Wirtschaftskrise in den U.S.A. der 30er Jahre muss wohl, neben Bonnie und Clyde, John Dillinger einer der lässigsten Gangster gewesen sein. Wer könnte John Dillinger authentischer portraitieren als Johnny Depp? Seine Performance wäre mir vielleicht sogar eine Oscar-Nominierung wert. Nach The Dark Knight und Terminator Salvation spricht Christian Bale jetzt beinahe wieder normal. Er ist zwar noch nicht in Bestform, aber wieder auf dem richtigen Weg. Auch Marion Cotillard konnte mich in ihrer ersten grossen Rolle in einem amerikanischen Film überzeugen, die Chemie zwischen Johnny Depp und Marion Cotillard stimmt, nur die innigen Gefühle, die die beiden scheinbar verband, konnten für mich nicht transportiert werden.

Alles in allem ist „Public Enemies“ ein Film, den man gesehen haben sollte. Er ist aber nicht durchgängig gut und fern davon, großartig zu sein.

Trailer zu sehen:

19 Gedanken zu “Seattle – Film: "Public Enemies"

  1. Und ich bin überrascht, dass Du ihn so gut fandest. Ich wäre am liebsten rausgegangen. Viel zu lang und mal im ernst: die Kamera war doch wohl ein Witz. Zeitweise dachte ich die hätten das mit dem Handy aufgenommen. Sollte das authentisch sein oder hatten wir ne falsche Filmkopie?
    Der einzige Strohhalm in diesem filmischen Desaster war Marion Cotillard – mein Gott sie ist so gut…

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  2. Echt??? Nee, rausgegangen wäre ich auf keinen Fall. Die Kameraführung fand ich sehr gut (nicht in jeder einzelnen Szene, aber überwiegend), ich liebe aber auch diesen Stil. Also ein filmisches Desaster war er definitiv auch nicht, aber er spaltet auch die amerikanische Journaille, ich habe Kritiken von A bis C- gesehen…Ich war nur enttäuscht, weil ich mehr erwartet habe…

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  3. Huch, also so einen Film im Handkamerastil zu machen fand ich nun wieder recht unpassend. Die Aufnahmen waren mir einfach zu videomäßig und besonders bei den zahlreichen Ballereien fühlte ich mich eher wie im Straßentheater. Außerdem ist der Film trotz seiner Länge nach meine empfinden viel zu wenig auf die Charaktere eingegangen. Über Melvin Purvis hat man so gar nichts erfahren und die Verbindung Dillingers zu Baby Face Nelson wurde hier auch nicht so dargestellt wie sie war.
    Das Desaster bezog ich übrigens nicht auf den Film im Ganzen, sondern auf die Kamera – da machte mir das Anschauen so gar keinen Spaß. Bei 143 MInuten will ich auch schöne Aufnahmen sehen oder eine echte Doku.

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  4. Ich fand das überhaupt nicht videomässig! Genau, habe ich ja auch geschrieben, dass keiner auf die Charaktere eingegangen ist, war ein Fehler. Ich hätte auch gerne mehr über Purvis erfahren oder v. J.Edgar Hoover (den ich für einen der schillerndsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit halte) gesehen und es war auch ein Fehler, nicht auf die einzelen Beziehungen näher einzugehen. Dadurch wirkt der Film kalt, bzw. man fiebert nicht so mit den Figuren mit.

    Der Film ist aber auch kein Biopic, es wurde einiges aus dem gleichnamigen Buch verwendet, aber vieles ist dazu gedichtet. Und…ich fand die (meisten) Aufnahmen schön…jetzt verteidige ich schon den Film, der mich selber enttäuschte. :))

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  5. Ich habe fast den Verdacht, dass wir eine Probefilmrolle oder sowas hatten (es gibt doch immer diese Paralleldrehs, die nicht dem tatsächlichen Filmformat entsprechen, mir fällt der Fachbegriff jetzt aber nicht ein). Die Trailer sahen alle ganz anders aus, viel weicher. Unsere Kopie wirkte wie die Videoaufnahmen aus der Abendschau. Seltsam das. Wie soll ich so den Film nur bewerten?

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  6. :)) Vielleicht hast Du die Arbeitskopie gesehen, wo warst Du denn? Also so übergrottenübelsuperduperschlecht war er auf keinen Fall und ich habe auch nirgendwo gelesen, dass es jmd. so empfand. Mmmmh. :??: Was würdest Du ihm denn im Moment geben, reine Neugierde?

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  7. Ich würde gerne Christian Bale wieder in Hochform sehen … Wobei, das ist eigentlich unfair. Er hat mich nur in Terminator 4 auf ganzer Linie enttäuscht und ließ sich vom charismatischen Sam Worthington an die Wand spielen.

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  8. Ja ich auch und nein, das ist nicht unfair. Hast Du „The Dark Knight“ im Original gesehen? Ich war ja damals viel zu aufgeregt (Opening Night in den U.S.A.), dass es mir erst beim zweiten Mal gucken aufgefallen ist, dass er viel zu „gewollt“ spricht. In T4 (man hört sich das blöde an, wo ich doch keinen anderen aus der Reihe kenne :)) ), war es natürlich einfach, von Sam Worthington an die Wand gespielt zu werden, wäre vielen anderen sicherlich auch so gegangen… :yes:

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  9. Ja, ich hab ihn im Original gesehen. Also als Batman – im Kostüm – stört ich gerade diese schrecklich heisere Stimme total. Wo ich ihn aber wieder total überzeugend fand, waren die Szenen als Bruce Wayne.

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  10. Ja ja, Bruce Wayne kann er, natürlich kam er nicht auch nur in Nähe von Heath´ Performance. Vielleicht kann er nicht gegen wesentlich stärkere Schauspieler ankommen. Wenn ich ehrlich bin, kommt er auch in „Public Enemies“ nicht ganz an Johnny Depp ran.

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  11. Ich glaube, dass es generell schwer ist, wenn zwei Großkaliber gegeneinander antreten. Wenn er derjenige ist, der den Film dominiert, dann ist er auch ganz klar der Beste im Film, siehe „The Machinist“.

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  12. Natürlich ist es schwer. Es gibt auch relativ selten Schauspieler, die mit den „großen“ Schauspielern auf Augenhöhe agieren, daher finde ich es immer so faszinierend, die Karriere von großen Talenten zu verfolgen. Ich halte Christian Bale auch immer noch für einen Großen, „Rescue Dawn“ ist ja auch noch nicht lange her, zwei Jahre oder so. Da war er brilliant, ebenso natürlich in „The Machinist“.

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  13. Rescue Dawn hab ich immer noch nicht gesehen, danke für die Erinnerung. Den muss ich unbedingt noch nachholen. wo bist du gerade? USA oder in Deutschland und putzmunter und schlaflos wie ich?

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  14. Du hättest den Mond am Sonntag Abend sehen müssen. Unglaublich. Riesig und mit einem irre unscharfen Vorhof. Als würde dir jemand seine Taschenlampe vor die Nase halten. Wunderschön.
    Ich kann momentan schlecht schlafen, werde sehr spät erst müde, zerbrech mir vorher andauernd den Kopf über Dinge, die den Job betreffen. Ich glaub, ich brauch einfach mal zwei Wochen Urlaub. Ende August/Anfang September – das ist ja glücklicherweise nicht mehr lange hin.

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  15. Na 6/10 wäre ja nicht sooo schlecht, kommt ja in meine Richtung, nach Deiner Bewertung würde ich zwischen 6 und 7 von 10 schwanken…Na dann hoffe ich nur, dass der Film jetzt nicht komplett in der Luft zerrissen wird, das hat er dann auch wieder nicht verdient…

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