NYC – "The Wrestler"


Ich war am 24.12.08 in NYC und habe mir im Kino angeschaut:

„The Wrestler“ (dt. Kinostart: 26.02.09) 105 min drama
dir. Darren Aronofsky cast: Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood, Judah Friedlaender

Randy „The Ram“ Robinson (Mickey Rourke) war in den 80er Jahren ein professioneller Wrestler und ein gefeierter Star. Heute, zwanzig Jahre später, haben die unerbittlichen Kämpfe ihre Spuren hinterlassen, sein Gesicht ist vernarbt und gequollen, er trägt ein Hörgerät, ist von Schmerzmitteln abhängig und hat einen Job in einem Supermarkt. Hin und wieder verdient er sich Geld, mit zwar abgesprochenen, aber dennoch gefährlichen Showkämpfen, dazu. Nach einem besonders brutalen Wrestling-Kampf erleidet Randy einen Herzinfarkt, woraufhin ihm aus ärztlicher Sicht dringend geraten wird, den Sport aufzugeben. Um seiner Einsamkeit zu entfliehen, versucht er eine Beziehung zu der Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) aufzubauen und nach vielen Jahren wieder Kontakt zu seiner mittlerweile erwachsenen Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) aufzunehmen…

A- (Wertung von A bis F) Auch wenn es aus heutiger Sicht etwas merkwürdig erscheint, oute ich mich heute als grosser Fan von Mickey Rourke, naja zumindest war ich es in den Achtzigern („Diner“, „Rumble Fish“, „Year of the Dragon“, „Angel Heart“). Er vereinte damals, wie kein anderer, Attraktivität, Männlichkeit mit dem Image des Enfant terrible. Was vom einstigen Sexsymbol übrig blieb, hat mich den ganzen Film über beschäftigt und irgendwie traurig gestimmt. In „The Wrestler“ sieht man Randy, einen sensiblen Mann, der einmal sehr berühmt war, viele Fehler in seinem Leben begangen hat und jetzt alt, verarmt, krank, einsam, traurig und dabei unglaublich liebenswert ist. Es gibt natürlich zahlreiche Parallelen zwischen dem Lebenslauf der Filmfigur und dem des Schauspielers. Mickey Rourke ist Randy. Das ist wohl das grösste Lob, das man einem Schauspieler geben kann. Bis vor kurzem hätte ich noch gesagt, John in „9 1/2 Weeks“ war die Rolle seines Lebens, jetzt weiss ich, es ist Randy in „The Wrestler“. Es gilt als sicher, dass Mickey Rourke eine Oscarnominierung erhält, für mich gilt er sogar als Top Favorit. Unglaublich, aber wahr, vom Studio (Fox Searchlight) war Nicolas Cage für die Rolle geplant, der trat aber zurück (was wohl eines seiner klügsten Karriereentscheidungen seit vielen, vielen Jahren war), weil er wusste, wie sehr der Regisseur, Darren Aronofsky („Requiem For A Dream“), Mickey Rourke favorisierte. Man muss sich mal tatsächlich Nicolas Cage in der Rolle vorstellen, der Film wäre ein einziges Desaster geworden…Schauspielerisch möchte ich noch dringend die wunderbare Marisa Tomei („In the Bedroom“, „Alfie“, Before the Devil Knows You´re Dead) hervorheben. Sie ist, wieder einmal, brillant und echt und hat ebenso eine Oscarnominierung verdient.

Der Film „The Wrestler“ ist – auch ohne ein entsprechendes Ende – uramerikanisch. Randy repräsentiert glaubhaft den Amerikaner aus einer bestimmten Gesellschaftschicht, der für die Show und für den Moment lebt, ohne sich dabei Gedanken um die Zukunft zu machen. Auch sonst ist die Mentalität der Amerikaner authentisch gezeigt. „The Wrestler“ wird trotz der ganzen Tragik mit viel Ironie erzählt. Für meinen Geschmack hätten die Wrestling-Kämpfe nur nicht in der brutalen Konsequenz gezeigt werden müssen. Wichtig war hierbei nur, dass die Kämpfe im Vorfeld abgesprochen sind. Dennoch würde ich den Film dringend weiterempfehlen. Am 11.01.09 hat Mickey Rourke einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller erhalten.

Trailer zu sehen:

5 Gedanken zu “NYC – "The Wrestler"

  1. Und ich kann nur nochmals betonen wie sehr ich mich schon auf den Film freue. Meine Lieblingsfilme mit ihm sind ja „auf den Schwingend des Todes“, „Homeboy“ und „Johnny Handsome“, wobei Homeboy auch schon autobiografische Ansätze hatte. Lisa Tomei ist wirklich gut. Sie hat eine unglaubliche Bandbreite , finde ich.

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  2. Ich sehe, wir sind uns in der Bewertung einig. Also „europäisch“ meinte ich in dem Sinn, dass er vollkommen unhollywoodhaft ist und für meine Begriffe vom Stil her fast schon Dogma-Qualitäten aufweist. Vom Inhalt her ist er natürlich amerikanisch, aber wie mit dem Inhalt umgegangen wird, diese vollkommene Radikalität in der Zeichnung der Hauptfigur, die ja beileibe die Kehrseite des amerikanischen Traums erlebt, das ist für mich europäisch … äh … verstehst du, was ich meine? :))

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  3. Ich denke auch, dass wir uns in der Bewertung einig sind. Es gibt ja unzählige Filme, die unhollywoodhaft (tolles Wort ;D ) sind. Genau genommen, machen mittlerweile die grossen Studios, ganz zu schweigen von den vielen Independent-Produktionsfirmen, zahlreiche wunderschöne Arthouse-Produktionen. „The Wrestler“ hat einen sehr dokumentarischen Charakter und durch die vielen Nahaufnahmen ist er sehr intensiv, dass ich teils peinlich berührt war, ihn so zu sehen. Ich glaube, ich verstehe was Du meinst, dennoch ist es für mich nicht europäisch.

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